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Quintus Caecilius Niger – Der erfolglose Gegenkandidat Ciceros im Prozess gegen Verres
Quintus Caecilius Niger war ein römischer Politiker des 1. Jahrhunderts v. Chr., der vor allem durch seine Rolle im berühmten Prozess gegen Gaius Verres bekannt wurde.
Im Jahr 70 v. Chr. bewarb er sich darum, die Anklage gegen Verres führen zu dürfen, unterlag jedoch Marcus Tullius Cicero in der sogenannten Divinatio in Caecilium. Cicero überzeugte das Gericht davon, dass Caecilius aufgrund seiner früheren Verbindung zu Verres nicht unabhängig genug sei, um eine wirksame Anklage zu führen. Obwohl Caecilius kein besonders bedeutender Staatsmann war, wurde er durch diesen Prozess zu einer bekannten Figur der römischen Rechtsgeschichte.
Herkunft und politische Laufbahn
Über die Herkunft des Quintus Caecilius Niger ist nur wenig bekannt. Er gehörte vermutlich zur weit verzweigten gens Caecilia, einer der angesehensten plebejischen Familien Roms. Ob er tatsächlich mit den berühmten Caecilii Metelli verwandt war, lässt sich jedoch nicht nachweisen.
Seine politische Karriere verlief eher unspektakulär. Bekannt ist vor allem seine Tätigkeit als Beamter in Sizilien während der Statthalterschaft des Verres.
Quaestor unter Verres
Caecilius diente als Quaestor unter Verres während dessen Verwaltung Siziliens (73–71 v. Chr.).
Der Quaestor war der wichtigste finanzielle Beamte eines Statthalters und verwaltete unter anderem:
die Staatskasse,
Steuerzahlungen,
Getreidelieferungen,
Verwaltungsakten,
finanzielle Abrechnungen.
Da Quaestor und Statthalter eng zusammenarbeiteten, kannte Caecilius die Verwaltung Verres' aus erster Hand.
Cicero, Divinatio in Caecilium Unterkapitel 35: Cicero betont, dass Caecilius als ehemaliger Quaestor eng mit Verres zusammengearbeitet habe und deshalb nicht als unabhängiger Ankläger auftreten könne.
Warum wollte Caecilius Verres anklagen?
Nachdem zahlreiche sizilianische Städte beschlossen hatten, Verres wegen Provinzialerpressung (crimen repetundarum) anzuklagen, meldeten sich zwei Bewerber für die Rolle des Anklägers:
Marcus Tullius Cicero
Quintus Caecilius Niger
Da im römischen Strafprozess grundsätzlich nur ein Ankläger auftreten durfte, musste zunächst entschieden werden, wer den Prozess führen sollte.
Dieses Vorverfahren nannte man Divinatio, also die richterliche Entscheidung darüber, welcher Bewerber für die Anklage am besten geeignet sei.
Cicero hielt aus diesem Anlass seine Rede Divinatio in Caecilium.
Sie ist die einzige vollständig erhaltene Divinatio der Antike.
In ihr versucht Cicero nicht, Verres anzugreifen, sondern ausschließlich zu beweisen, dass Caecilius als Ankläger ungeeignet sei.
Ciceros Vorwürfe gegen Caecilius
Cicero erhebt mehrere schwerwiegende Einwände.
1. Zu enge Verbindung zu Verres
Der wichtigste Vorwurf lautet, dass Caecilius selbst jahrelang mit Verres zusammengearbeitet habe.
Als ehemaliger Quaestor sei er gewissermaßen dessen Mitarbeiter gewesen.
Ein unabhängiger Prozess sei deshalb kaum möglich.
Divinatio in Caecilium Unterkapitel 32-36
2. Fehlende rednerische Fähigkeiten
Cicero behauptet außerdem, Caecilius verfüge nicht über die rhetorischen Fähigkeiten, um gegen einen erfahrenen Verteidiger wie Quintus Hortensius Hortalus bestehen zu können.
Damals galt Hortensius als der berühmteste Anwalt Roms.
Divinatio in Caecilium Unterkapitel 25-31
3. Mangelnde Glaubwürdigkeit
Cicero unterstellt sogar, dass Caecilius möglicherweise gar nicht ernsthaft gewinnen wolle.
Er deutet an, Verres habe ihn vorgeschickt, um den Prozess absichtlich schlecht zu führen.
Ein solcher Scheinankläger wurde im römischen Recht später als praevaricator bezeichnet, also ein Ankläger, der heimlich mit dem Angeklagten zusammenarbeitet.
Cicero vermeidet zwar meist eine ausdrückliche Beschuldigung, spielt jedoch immer wieder auf diesen Verdacht an.
Divinatio in Caecilium Unterkapitel 53-70
Die Entscheidung des Gerichts
Das Gericht folgte Ciceros Argumentation.
Es entschied, dass nicht Caecilius, sondern Cicero die Anklage führen durfte.
Diese Entscheidung war für Ciceros weitere Karriere von enormer Bedeutung.
Ohne den Sieg in der Divinatio hätte es die berühmten Verrinen wahrscheinlich nie gegeben.
Was geschah mit Caecilius?
Über das spätere Leben des Quintus Caecilius Niger ist nahezu nichts bekannt.
Nach seiner Niederlage verschwindet er weitgehend aus den historischen Quellen.
Es ist nicht bekannt,
ob er weitere Ämter bekleidete,
ob er später noch politisch tätig war,
wann er starb.
Seine historische Bedeutung beruht fast ausschließlich auf seiner Rolle im Verfahren gegen Verres.
War Caecilius wirklich ein Helfer des Verres?
Diese Frage wird von der modernen Forschung unterschiedlich beurteilt.
Cicero stellt Caecilius bewusst als ungeeigneten oder sogar heimlichen Verbündeten des Verres dar. Da unsere wichtigste Quelle jedoch Ciceros eigene Rede ist, muss berücksichtigt werden, dass sie einem klaren prozessualen Ziel dient: Cicero wollte das Gericht davon überzeugen, selbst als Ankläger zugelassen zu werden.
Ob Caecilius tatsächlich mit Verres zusammenarbeitete oder lediglich wegen seiner früheren Tätigkeit als Quaestor als befangen galt, lässt sich heute nicht mehr sicher entscheiden.