Der Bürgerkrieg zwischen Marius und Sulla
Der Bürgerkrieg zwischen Gaius Marius und Lucius Cornelius Sulla war einer der ersten großen innerrömischen Machtkämpfe der Republik und zeigte erstmals, dass römische Heere gegen den eigenen Staat und die eigenen Mitbürger eingesetzt werden konnten. Der Konflikt erschütterte die politische Ordnung dauerhaft und öffnete die Tore für den späteren Bürgerkrieg zwischen Cäsar und Pompeius.
Ursachen des Konflikts
Im späten 2. und frühen 1. Jahrhundert v. Chr. standen sich in Rom zunehmend zwei politische Lager gegenüber:
die Popularen, die sich auf Volksversammlung und Ritterstand stützten (mit Marius verbunden),
die Optimaten, die die traditionelle Vorherrschaft des Senats verteidigten (zu denen Sulla gehörte).
Der unmittelbare Auslöser war der Oberbefehl im Krieg gegen König Mithridates VI. von Pontos. Obwohl der Senat Sulla das Kommando übertragen hatte, wurde es durch politische Intrigen auf Marius übertragen.
Sullas Marsch auf Rom (88 v. Chr.)
Sulla reagierte mit einem bis dahin unerhörten Schritt:
Er führte seine Legionen gegen Rom selbst, etwas, das nach römischer Tradition streng verboten war. Es war ein Sakrileg das Pomerium unter Waffen zu betreten!
Sulla eroberte die Stadt, vertrieb seine Gegner und zwang Marius zur Flucht. Damit war erstmals klar geworden, dass militärische Macht stärker sein konnte als republikanische Institutionen.
Die Herrschaft des Marius
Während Sulla im Osten gegen Mithridates kämpfte, kehrte Marius gemeinsam mit Lucius Cornelius Cinna nach Rom zurück (87 v. Chr.).
Es folgte eine Phase blutiger Abrechnungen:
politische Gegner wurden verfolgt,
zahlreiche Senatoren getötet,
die Macht gewaltsam neu verteilt.
Kurz nach seinem siebten Konsulat starb Marius jedoch im Jahr 86 v. Chr.
Sullas Rückkehr und zweiter Bürgerkrieg
Nach seinem Sieg im Osten kehrte Sulla 83 v. Chr. nach Italien zurück. Es kam erneut zu schweren Kämpfen zwischen den Anhängern beider Parteien.
Sulla siegte schließlich 82 v. Chr. endgültig und ließ sich zum Diktator ohne zeitliche Begrenzung ernennen.
Besonders berüchtigt wurde Sullas Herrschaft durch die sogenannten Proskriptionen:
öffentliche Todeslisten politischer Gegner,
erlaubte Tötungen mit Belohnung,
Einziehung des Vermögens der Verurteilten.
Dies forderte viele Opfer unter den Senatorenfamilien, auch unter den Gründungsfamilien. Cäsars Familie wurde beispielsweise auch auf die Proskriptionsliste gesetzt, da Cäsars Tante Iulia mit Gaius Marius verheiratet war.
Folgen für die römische Republik
Sulla versuchte zwar, die Macht des Senats zu stärken und die Republik zu stabilisieren, doch langfristig hatte sein Vorgehen gegenteilige Folgen:
Heere wurden zu persönlichen Machtinstrumenten von Feldherren,
politische Gewalt wurde normalisiert,
Bürgerkriege wurden zu einem wiederkehrenden Mittel der Politik.
Die Konflikte zwischen Marius und Sulla gelten deshalb als Beginn der Krise, die später zu den Bürgerkriegen von Gaius Iulius Caesar, Pompeius und schließlich zum Ende der Republik führte.