Lucius Cornelius Sulla Felix (ca. 138–78 v. Chr.)
Überblick
Lucius Cornelius Sulla war einer der folgenreichsten Politiker und Feldherren der späten römischen Republik. Er führte als erster römischer Heerführer seine Truppen gegen Rom selbst, ließ sich zum Diktator auf unbestimmte Zeit ernennen und führte umfassende Verfassungsreformen durch. Sein Handeln prägte die politische Kultur der Gewalt, mit langfristigen Folgen bis zu Caesar.
Herkunft und früher Aufstieg
Sulla entstammte der patrizischen gens Cornelia, war jedoch zunächst nicht wohlhabend. Früh zeigte er politisches und militärisches Talent sowie eine große persönliche Kühnheit.
Sein Durchbruch gelang ihm im Jugurthinischen Krieg (111–105 v. Chr.) gegen den numidischen König Jugurtha. Als Quaestor unter Gaius Marius organisierte Sulla diplomatisch die Gefangennahme Jugurthas, ein Erfolg, den er propagandistisch für sich nutzte. Hier begann die spätere Rivalität zwischen Marius und Sulla.
Der Bundesgenossenkrieg (91–88 v. Chr.)
Im sogenannten Sozial- oder Bundesgenossenkrieg kämpfte Sulla erfolgreich gegen aufständische italische Verbündete, die das römische Bürgerrecht forderten. Seine militärischen Leistungen steigerten sein Ansehen erheblich. 88 v. Chr. wurde er zum Konsul gewählt.
Der Konflikt mit Marius und der erste Marsch auf Rom (88 v. Chr.) (!)
Im Jahr 88 v. Chr. erhielt Sulla das Kommando im Krieg gegen Mithridates VI, der in Kleinasien römische Bürger hatte töten lassen (die „Vesper von Ephesos“).
Doch Marius erreichte durch politische Intrigen die Übertragung dieses Kommandos auf sich.
Sullas Reaktion:
Er marschierte mit seinen Legionen auf Rom, ein bis dahin beispielloser Tabubruch. Das Pomerium mit Waffengewalt und Soldaten unter seinem Kommando zu betreten war ein Sakrileg.
Er vertrieb seine Gegner
erklärte Marius zum Staatsfeind
setzte seine politische Linie durch
Kurz darauf zog er in den Osten gegen Mithridates.
Krieg gegen Mithridates (87–84 v. Chr.)
Sulla kämpfte erfolgreich in Griechenland und Kleinasien:
Sieg bei Chaironeia
Sieg bei Orchomenos
Friedensschluss von Dardanos (85 v. Chr.)
Währenddessen übernahmen Marius und seine Anhänger in Rom erneut die Macht. Marius starb jedoch 86 v. Chr.
Zweiter Bürgerkrieg und Machtergreifung (83–82 v. Chr.)
Nach seiner Rückkehr nach Italien begann Sulla einen zweiten Bürgerkrieg gegen die Marianer.
Wichtige Schlacht:
Collina-Tor-Schlacht (82 v. Chr.) → endgültiger Sieg Sullas
Nun ließ er sich zum Diktator legibus scribundis et rei publicae constituendae causa ernennen, mit nahezu unbegrenzter Vollmacht zur „Neuordnung des Staates“.
Sullas Herrschaft war von politischem Terror geprägt.
Er veröffentlichte Proskriptionslisten:
Gegner wurden für vogelfrei erklärt
ihr Besitz wurde eingezogen
jeder durfte sie töten
Hunderte Senatoren und Ritter kamen ums Leben. Auch Familien der Gegner verloren Vermögen und politische Rechte.
Diese Praxis schuf ein Klima der Angst und wurde später von den Triumvirn (u. a. Octavian und Antonius) wiederholt. Cicero wurde beispielsweise bei diesen späteren Proskriptionen wegen seiner Reden gegen Antonius umgebracht.
Sullas Verfassungsreformen (Stärkung der Optimaten)
Sullas Ziel war die Stärkung des Senats und die Schwächung der Volksversammlung.
Zentrale Maßnahmen:
Stärkung des Senats
Erweiterung auf ca. 600 Mitglieder
Senatoren erhielten stärkere Gerichtskompetenzen und saßen wieder den Gerichten vor (Wieso das so relevant ist, siehe Rechtssprechung in Rom)
Schwächung der Volkstribunen
Tribunen durften keine höheren Ämter mehr bekleiden
ihr Initiativrecht wurde eingeschränkt
Reform des cursus honorum
feste Altersgrenzen
verbindliche Ämterabfolge
Gerichtsreformen
Dauerhafte Gerichtshöfe (quaestiones perpetuae)
Sulla wollte die alte „aristokratische Republik“ wiederherstellen.
Abdankung (79 v. Chr.)
Einzigartig in der römischen Geschichte: (Nicht ganz einzigartig, siehe Cincinnatus)
Sulla legte freiwillig die Diktatur nieder und zog sich ins Privatleben zurück.
Er starb 78 v. Chr. in Kampanien.
Sein Beiname „Felix“ („der Glückliche“) sollte seinen göttlichen Erfolg ausdrücken.
Historische Bedeutung
Sulla war:
der erste Feldherr, der Rom militärisch eroberte
der erste Diktator mit unbegrenzter Amtsdauer
Vorbild für spätere Machtergreifungen
Er zeigte, dass: Militärische Macht über politischem Konsens stehen konnte.
Seine Reformen hielten nicht dauerhaft, viele wurden später rückgängig gemacht. Doch die politische Gewaltspirale der späten Republik nahm mit ihm entscheidend Fahrt auf.
Sulla und Ciceros Zeit
Zur Zeit von Marcus Tullius Cicero waren die Folgen von Sullas Herrschaft noch spürbar:
Viele Familien hatten durch Proskriptionen gelitten
Politische Lagerbildung blieb bestehen (Optimaten vs. Popularen)
Figuren wie Verres bewegten sich im Umfeld der sullanischen Ordnung