Das Pomerium - Bedeutung des Begriffs
Das Pomerium bezeichnet die heilige Stadtgrenze Roms. Der Begriff wird meist von post moerium („hinter der Mauer“) abgeleitet, meint jedoch nicht die Stadtmauer selbst, sondern einen religiös festgelegten Grenzraum, der das eigentliche Stadtgebiet im sakralen Sinn definierte.
Rituelle Begründung
Nach der Überlieferung bei Titus Livius geht das Pomerium auf Romulus zurück. Die Stadtgrenze wurde durch ein rituelles Pflügen mit einem von Stier und Kuh gezogenen Pflug markiert. Dieser Akt verlieh dem Stadtgebiet sakrale Weihe. Das Überschreiten oder Verletzen dieser Grenze hatte nicht nur rechtliche, sondern auch religiöse Konsequenzen.
Sakrale Funktion
Innerhalb des Pomeriums galt Rom als heiliger Raum. Bestimmte Handlungen waren hier streng geregelt und/oder verboten. Dazu gehörte insbesondere das Tragen von Waffen. Das Pomerium trennte somit den Bereich des Friedens (domi) vom Bereich des Krieges (militiae).
Imperium und Stadtgrenze
Ein zentrales Verbot betraf das imperium, die militärische Befehlsgewalt römischer Senatoren. Feldherren durften ihr militärisches Imperium nicht innerhalb des Pomeriums ausüben. Wer die Stadt betrat, musste dieses niederlegen, was bedeutet, dass er seine Befehlsgewalt über seine Truppen abgeben musste. Dadurch wurde verhindert, dass militärische Macht in den zivilen und religiösen Raum der Stadt eindrang.
Politische Bedeutung
Das Pomerium sicherte die Trennung von ziviler und militärischer Gewalt, ein Grundprinzip der römischen Republik. Die Stadt Rom blieb ein Raum der Gesetze, der Magistrate und der Religion, während militärische Gewalt außerhalb stattfand. Spätestens seit Sullas Marsch auf Rom 88 v. Chr. wurde aber deutlich, dass diese sakrale Abschreckung und Trennung nicht mehr richtig funktionierte. Auch Cäsar beging später das Sakrileg unter Waffen 49 v. Chr. bei seiner Überschreitung des Rubikon auf Rom zu marschieren.
Erweiterung des Pomeriums
Das Pomerium war keine feste, einmalige Grenze, sondern konnte in besonderen Fällen rituell erweitert werden. Eine Erweiterung war nur Magistraten oder Herrschern erlaubt, die das römische Herrschaftsgebiet nachweislich vergrößert hatten. Dabei ging es nicht um das bloße Wachstum der Stadtbebauung, sondern um die Ausdehnung des römischen Macht- und Herrschaftsraums.
In der frühen Zeit wird eine Erweiterung bereits Servius Tullius zugeschrieben, der das Stadtgebiet ordnete und neu strukturierte. In republikanischer Zeit nahm Sulla eine Erweiterung vor, um seine militärischen Erfolge politisch und religiös zu legitimieren.
Besonders gut bezeugt sind ebenso die Erweiterungen in der Kaiserzeit:
Augustus erweiterte das Pomerium symbolisch im Zusammenhang mit der Sicherung und Neuordnung des Reiches.
Claudius nahm eine formelle Erweiterung vor, die ausdrücklich mit der Ausdehnung römischer Herrschaft in Italien und darüber hinaus begründet wurde.
Die Erweiterungen bedeuteten keine genaue territoriale Eingliederung einzelner Provinzen in das Stadtgebiet, sondern stellten eine sakrale Anerkennung römischer Expansion dar. Durch sie wurde der heilige Raum der Stadt symbolisch an den gewachsenen Machtbereich Roms angepasst.
Bedeutung bei Livius
Bei Livius erscheint das Pomerium vor allem im Zusammenhang mit der Frühzeit Roms und den ersten Königen. Es steht für die Verbindung von Religion, Recht und Stadtordnung und verdeutlicht, dass die Stadt Rom von Beginn an als sakraler Raum gedacht war.