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Gnaeus Pompeius Magnus – Feldherr, Staatsmann und Gegenspieler Caesars
Gnaeus Pompeius Magnus (106–48 v. Chr.) war einer der bedeutendsten Feldherren und Politiker der späten römischen Republik. Bereits in jungen Jahren machte er sich als erfolgreicher Heerführer einen Namen und erhielt von seinen Zeitgenossen den Ehrennamen „Magnus“ („der Große“), in Anlehnung an Alexander den Großen.
Mit seinen Siegen im Bürgerkrieg (Sulla vs. Marius und Cinna), der Niederschlagung der Piraten, den Eroberungen im Osten und der Neuordnung zahlreicher Provinzen trug Pompeius maßgeblich zur Ausdehnung des römischen Herrschaftsgebiets bei.
Politisch gehörte er zunächst zu den mächtigsten Männern seiner Zeit und bildete gemeinsam mit Gaius Iulius Caesar und Marcus Licinius Crassus das Erste Triumvirat. Der spätere Konflikt mit Caesar führte jedoch zum Bürgerkrieg, der mit Pompeius' Niederlage und Ermordung in Ägypten endete.
Herkunft und Jugend
Pompeius wurde am 29. September 106 v. Chr. in Picenum geboren. Sein Vater war Gnaeus Pompeius Strabo, ein erfolgreicher Konsul und Heerführer während des Bundesgenossenkrieges. Durch den Einfluss seines Vaters erhielt Pompeius schon früh militärische Erfahrung und knüpfte Kontakte zu zahlreichen Offizieren und Soldaten.
Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 87 v. Chr. erbte Pompeius nicht nur dessen Vermögen, sondern auch dessen politische Anhängerschaft. Obwohl er noch sehr jung war, gelang es ihm, ein eigenes Heer aus ehemaligen Soldaten seines Vaters aufzustellen.
Unterstützung Sullas
Während des Bürgerkriegs zwischen den Anhängern des Lucius Cornelius Sulla und den Popularen unter Marius stellte sich Pompeius auf die Seite Sullas.
Mit seinem selbst aufgestellten Heer unterstützte er Sulla entscheidend bei dessen Rückkehr nach Italien (83–82 v. Chr.). Anschließend führte Pompeius erfolgreiche Feldzüge gegen die verbliebenen Anhänger der Popularen in Sizilien und Afrika.
Beeindruckt von seinen militärischen Erfolgen verlieh Sulla dem jungen Feldherrn den Beinamen Magnus („der Große“).
Außerdem gestattete er ihm einen Triumphzug, eine außergewöhnliche Ehrung, da Pompeius zu diesem Zeitpunkt noch keines der hohen Staatsämter bekleidet hatte.
Aufstieg zum bedeutendsten Feldherrn Roms
In den folgenden Jahren entwickelte sich Pompeius zum erfolgreichsten General der Republik.
Er führte Feldzüge in:
Sizilien,
Afrika,
Spanien,
Italien,
Kleinasien,
Syrien,
Judäa.
Seine militärischen Erfolge machten ihn beim römischen Volk außerordentlich beliebt.
Zwischen 76 und 71 v. Chr. kämpfte Pompeius in Spanien gegen den Rebellen Quintus Sertorius, der dort einen Gegenstaat aufgebaut hatte.
Obwohl der Krieg schwierig verlief, konnte Pompeius nach der Ermordung Sertorius' den Widerstand beenden und die römische Herrschaft über Hispanien sichern.
Der Krieg gegen Spartacus
Im Jahr 71 v. Chr. kehrte Pompeius aus Spanien zurück.
Während Marcus Licinius Crassus den Sklavenaufstand des Spartacus bereits weitgehend niedergeschlagen hatte, gelang es Pompeius, mehrere fliehende Gruppen der Aufständischen zu vernichten.
Obwohl Crassus den Hauptanteil am Sieg hatte, stellte Pompeius seine Rolle öffentlich besonders heraus. Dies führte zu einer langjährigen Rivalität zwischen beiden Feldherren.
Konsulat und außergewöhnliche Kommanden
Im Jahr 70 v. Chr. wurde Pompeius gemeinsam mit Crassus zum Konsul gewählt.
Bereits wenige Jahre später erhielt er zwei außergewöhnliche Sondervollmachten, die seinen Ruhm endgültig begründeten.
Im 1. Jahrhundert v. Chr. hatten Piraten große Teile des Mittelmeers unter ihre Kontrolle gebracht. Sie überfielen Handelsschiffe, verschleppten Menschen als Sklaven und bedrohten die Getreideversorgung Roms.
Im Jahr 67 v. Chr. erhielt Pompeius durch die Lex Gabinia ein außergewöhnliches Oberkommando über das gesamte Mittelmeer und die Küstengebiete.
Er teilte das Mittelmeer in mehrere Einsatzgebiete auf, ließ sie gleichzeitig säubern und konnte die Piraten innerhalb weniger Monate nahezu vollständig besiegen.
Dieser Sieg machte Pompeius endgültig zum berühmtesten Feldherrn seiner Zeit.
Cicero: De imperio Cn. Pompei (Pro Lege Manilia) §§ 31–54 lobt ausführlich Pompeius' Fähigkeiten und hebt insbesondere seine Erfolge gegen die Piraten hervor.
Der Krieg gegen Mithridates VI.
Nach dem Sieg über die Piraten erhielt Pompeius durch die Lex Manilia im Jahr 66 v. Chr. das Oberkommando im Krieg gegen Mithridates VI. Eupator.
Er besiegte Mithridates endgültig und beendete damit die jahrzehntelangen Mithridatischen Kriege.
Anschließend ordnete Pompeius den gesamten Osten des römischen Reiches neu.
Er:
richtete neue Provinzen ein,
gründete zahlreiche Städte,
schloss Bündnisse mit Klientelkönigen,
sicherte die Ostgrenze dauerhaft.
Cicero: De imperio Cn. Pompei §§ 16–30 begründet, warum Pompeius das Oberkommando gegen Mithridates erhalten sollte.
Die Eroberung Syriens und Jerusalems
Im Jahr 64 v. Chr. machte Pompeius das Seleukidenreich zur römischen Provinz Syrien.
Ein Jahr später griff er in einen Thronstreit in Judäa ein und eroberte Jerusalem.
Dabei betrat er sogar das Allerheiligste des Tempels, ein Ereignis, das in der jüdischen Überlieferung als schwere Entweihung galt.
Mit diesen Feldzügen erreichte das römische Reich seine bis dahin größte Ausdehnung im Osten.
Das Erste Triumvirat
Nach seiner Rückkehr nach Rom wollte Pompeius die Neuordnung des Ostens sowie die Versorgung seiner Veteranen gesetzlich bestätigen lassen.
Da der Senat dies verzögerte, schloss er sich im Jahr 60 v. Chr. mit
Gaius Iulius Caesar
und Marcus Licinius Crassus
zum sogenannten Ersten Triumvirat zusammen.
Diese private Machtallianz dominierte mehrere Jahre die römische Politik.
Zur Festigung des Bündnisses heiratete Pompeius Caesars Tochter Julia.
Der Bruch mit Caesar
Das Bündnis zerbrach allmählich.
Entscheidend waren:
der Tod Julias (54 v. Chr.),
der Tod des Crassus in der Schlacht bei Carrhae 53 v. Chr.,
die zunehmende Rivalität zwischen Caesar und Pompeius, da Caesar durch seine Erfolge in Gallien beim Volk zunehmend beliebter als Pompeius wurde.
Der Senat stellte sich zunehmend auf die Seite Pompeius'.
Im Jahr 52 v. Chr. wurde Pompeius sogar zum Konsul ohne Kollegen (consul sine collega) gewählt, eine außergewöhnliche Maßnahme zur Stabilisierung der innenpolitischen Lage.
Der Bürgerkrieg gegen Caesar
Als Caesar Anfang 49 v. Chr. mit seinen Legionen den Rubikon überschritt, begann der Bürgerkrieg.
Pompeius verließ Italien und sammelte seine Truppen im Osten.
Obwohl er zahlenmäßig überlegen war, erlitt er am 9. August 48 v. Chr. in der Schlacht von Pharsalos eine entscheidende Niederlage gegen Caesar.
Flucht und Tod
Nach der Niederlage floh Pompeius nach Ägypten.
Dort hoffte er auf die Unterstützung des jungen Königs Ptolemaios XIII..
Die Berater des Königs wollten jedoch Caesar für sich gewinnen.
Deshalb ließen sie Pompeius unmittelbar nach seiner Ankunft am Ufer ermorden.
Sein abgeschlagener Kopf wurde Caesar präsentiert.
Dieser soll darüber jedoch entsetzt gewesen sein und ließ seinem ehemaligen Schwiegersohn schließlich ein würdiges Begräbnis ausrichten.
Pompeius als Staatsmann
Pompeius war nicht nur ein außergewöhnlicher Feldherr, sondern auch ein geschickter Organisator.
Seine Neuordnung des Ostens hatte jahrzehntelang Bestand. Er gründete und förderte zahlreiche Städte, regelte die Verwaltung neuer Provinzen und schuf ein stabiles System römischer Klientelkönigreiche.
Darüber hinaus ließ er mit dem Theater des Pompeius das erste steinerne Theater Roms errichten, ein Bauwerk, das zugleich als politisches und kulturelles Zentrum diente. Ironischerweise wurde Caesar im Jahr 44 v. Chr. in einem Saal dieses Theaterkomplexes ermordet.