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Die Göttin Cloacina – Die Göttin der Reinheit, der Kanalisation und der Versöhnung
Cloacina war eine alte römische Göttin, die ursprünglich mit der Reinigung und Läuterung in Verbindung stand. Später wurde sie zur Schutzgöttin der Cloaca Maxima, des großen Hauptabwasserkanals Roms, und galt zugleich als Göttin von Reinheit, Gesundheit und Versöhnung. Ihr kleiner Rundschrein (Sacellum Cloacinae) befand sich auf dem Forum Romanum unmittelbar über einem Abschnitt der Cloaca Maxima.
Obwohl Cloacina zu den weniger bekannten Gottheiten des römischen Pantheons gehört, zeigt ihr Kult eindrucksvoll, wie eng Religion, Stadtplanung und öffentliches Leben im antiken Rom miteinander verbunden waren.
Herkunft der Göttin
Der Name Cloacina wird meist vom lateinischen Verb cluere („reinigen“, „läutern“) oder vom Substantiv cloaca („Abwasserkanal“) abgeleitet. Wahrscheinlich ist der Kult älter als die Cloaca Maxima selbst und bezog sich ursprünglich auf die religiöse Reinigung von Orten und Personen. Erst später wurde die Göttin mit dem berühmten Kanalsystem Roms verbunden.
Der römische Gelehrte Varro erklärt den Namen ausdrücklich mit der Cloaca Maxima.
Varro, De lingua Latina 5,154: Varro leitet den Namen der Göttin von der Cloaca Maxima ab und erklärt, dass ihr Heiligtum deshalb an diesem Ort errichtet worden sei.
Moderne Forschung nimmt allerdings häufig an, dass der Kult älter ist und die Verbindung zur Kanalisation erst nachträglich entstand.
Die Sage von Romulus und den Sabinern
Nach einer alten römischen Überlieferung entstand das Heiligtum der Cloacina nach dem Krieg zwischen Römern und Sabinern.
Nachdem der Konflikt durch das Eingreifen der geraubten Sabinerinnen beendet worden war, trafen sich beide Völker auf dem späteren Forum Romanum, um Frieden zu schließen. Vor diesem Bündnis reinigten sie sich rituell mit Wasser und Myrtenzweigen. Zur Erinnerung an diese Versöhnung wurde der Göttin Cloacina ein Heiligtum errichtet.
Plinius der Ältere, Naturalis Historia 15,119–120: Plinius berichtet, dass die Römer und Sabiner den Ort ihrer Versöhnung reinigten und dort den Kult der Cloacina begründeten.
Diese Überlieferung erklärt zugleich, weshalb Cloacina nicht nur als Göttin der Reinigung, sondern auch der Versöhnung verehrt wurde.
Livius erwähnt diese rituelle Reinigung nicht.
Das Heiligtum der Cloacina
Das Sacellum Cloacinae gehörte zu den kleinsten Heiligtümern auf dem Forum Romanum.
Es bestand aus:
einer kleinen runden Plattform,
einer niedrigen Umfassung,
zwei Kultstatuen der Göttin,
einem Altar.
Das Heiligtum befand sich unmittelbar neben der Basilica Aemilia und direkt über einem Zugang zur Cloaca Maxima.
Archäologische Ausgrabungen haben die Fundamente dieses Rundheiligtums freigelegt, sodass sein Standort heute sicher bekannt ist.
Die Cloaca Maxima
Die Cloaca Maxima („größter Abwasserkanal“) zählt zu den bedeutendsten Bauwerken des antiken Rom.
Sie wurde nach der Überlieferung unter Lucius Tarquinius Priscus begonnen und unter Lucius Tarquinius Superbus vollendet.
Livius 1,38: Tarquinius Priscus beginnt große Bauprojekte auf dem Forum, darunter die Entwässerungsarbeiten.
Livius 1,56: Tarquinius Superbus lässt die Arbeiten an der Cloaca Maxima fortführen und vollenden.
Ursprünglich diente die Cloaca Maxima dazu, das sumpfige Tal zwischen Kapitol, Palatin und Esquilin trockenzulegen. Erst dadurch konnte das spätere Forum Romanum als politisches und wirtschaftliches Zentrum Roms entstehen.
Später entwickelte sich daraus ein weit verzweigtes Kanalsystem, das Regenwasser und Abwässer in den Tiber leitete.
Warum war die Cloaca Maxima so wichtig?
Die Entwässerung brachte Rom mehrere entscheidende Vorteile:
Trockenlegung des Forums,
Verbesserung der Hygiene,
Schutz vor Überschwemmungen,
Grundlage für die Bebauung des Stadtzentrums,
Ableitung von Regen- und Schmutzwasser.
Noch heute sind Teile der Cloaca Maxima erhalten und teilweise weiterhin funktionsfähig.
Cloacina als Göttin der Reinheit
Obwohl Cloacina häufig mit der Kanalisation verbunden wird, war sie keine „Göttin der Abwässer“.
Vielmehr verkörperte sie die religiöse Vorstellung, dass Reinigung sowohl körperlich als auch geistig notwendig sei.
Zu ihren Aufgaben gehörten:
Reinigung heiliger Orte,
Schutz der öffentlichen Reinheit,
Versöhnung nach Konflikten,
Bewahrung der Ordnung innerhalb der Stadt.
Die Verbindung mit der Kanalisation entstand deshalb vor allem durch den Standort ihres Heiligtums über der Cloaca Maxima.
Cloacina in der römischen Religion
Cloacina gehörte nicht zu den großen Staatsgottheiten wie Jupiter oder Mars.
Ihr Kult war jedoch eng mit dem öffentlichen Leben Roms verbunden.
Gerade das Forum Romanum als Mittelpunkt der Republik symbolisierte die Verbindung zwischen:
Religion,
Politik,
Stadtplanung,
öffentlicher Ordnung.
Das Heiligtum der Cloacina erinnerte täglich daran, dass sowohl die Stadt als auch ihre Bürger regelmäßig „gereinigt“ werden mussten, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.