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Die Familie der Tarquinier (gens Tarquinia) – Die letzte Königsdynastie Roms
Die Tarquinier (gens Tarquinia) waren die letzte Herrscherfamilie des römischen Königtums und spielten eine entscheidende Rolle in den letzten Jahrzehnten der Königszeit. Mit Lucius Tarquinius Priscus und Lucius Tarquinius Superbus stellte die Familie zwei der sieben Könige Roms.
Zwischen ihnen regierte zwar Servius Tullius, doch auch er war durch Heirat eng mit den Tarquiniern verbunden. Die Familie stammte ursprünglich aus der etruskischen Stadt Tarquinia und brachte etruskische Einflüsse nach Rom.
Der Sturz des letzten Königs 509 v. Chr. markierte das Ende der Monarchie und den Beginn der Römischen Republik. Dennoch verschwand die Familie nicht vollständig: Einige Angehörige der Tarquinier blieben in Rom oder kehrten später zurück und spielten auch in der frühen Republik noch eine politische Rolle.
Herkunft der Familie
Nach der Überlieferung stammten die Tarquinier aus der bedeutenden etruskischen Stadt Tarquinia in Etrurien.
Der erste Vertreter der Familie in Rom war Lucumo, der später den Namen Lucius Tarquinius Priscus annahm. Sein Vater war der korinthische Grieche Demaratos, der sich in Tarquinia niedergelassen hatte, seine Mutter stammte aus einer angesehenen etruskischen Familie.
Da Lucumo als Sohn eines Ausländers in Tarquinia politisch benachteiligt war, zog er gemeinsam mit seiner ehrgeizigen Ehefrau Tanaquil nach Rom.
Livius 1,34: Livius schildert die Herkunft Lucumos, die Übersiedlung nach Rom sowie die berühmte Adlerprophezeiung, mit der Tanaquil den zukünftigen Aufstieg ihres Mannes deutet.
Lucius Tarquinius Priscus
Nach dem Tod des Königs Ancus Marcius gelang es Tarquinius Priscus, die Königswahl für sich zu entscheiden.
Livius 1,35: Tarquinius wird zum fünften König Roms gewählt.
Während seiner Herrschaft führte er zahlreiche Reformen durch.
Zu seinen wichtigsten Leistungen gehörten:
Erweiterung des Senats,
Vergrößerung der Reiterei (equites),
Siege über Latiner, Sabiner und Etrusker,
Beginn großer Bauprojekte wie des Circus Maximus,
Ausbau der Cloaca Maxima.
Schließlich wurde Tarquinius Priscus von Söhnen des Ancus Marcius ermordet.
Servius Tullius und die Tarquinier
Nach dem Tod des Tarquinius Priscus gelangte nicht dessen Sohn auf den Thron, sondern Servius Tullius.
Dies war vor allem das Werk der klugen Königin Tanaquil, die den Tod ihres Mannes zunächst verschwieg und Servius als dessen Stellvertreter auftreten ließ.
Servius war zudem mit der Familie verschwägert:
Er verheiratete seine beiden Töchter mit den Söhnen des Tarquinius Priscus.
Diese Doppelhochzeit führte später zu schweren innerfamiliären Konflikten.
Lucius Tarquinius Superbus
Der ehrgeizige Lucius Tarquinius Superbus verbündete sich mit seiner ebenso ehrgeizigen Ehefrau Tullia Minor, einer Tochter des Servius Tullius.
Gemeinsam beseitigten sie ihre jeweiligen Ehepartner und heirateten anschließend.
Schließlich ließ Tarquinius seinen Schwiegervater Servius Tullius stürzen.
Besonders berühmt ist die Szene, in der Tullia mit ihrem Wagen über den Leichnam ihres Vaters fährt.
Die Herrschaft des Tarquinius Superbus
Tarquinius Superbus regierte als letzter König Roms.
Livius schildert ihn als Tyrannen.
Er
ließ Gegner hinrichten,
regierte ohne Zustimmung des Senats,
schränkte die Rechte der Aristokratie ein,
setzte Zwangsarbeit für große Bauprojekte ein.
Zu seinen bedeutendsten Bauwerken gehörte die Vollendung des Jupitertempels auf dem Kapitol.
Obwohl Livius seine Herrschaft sehr negativ darstellt, erkennen moderne Historiker an, dass unter Tarquinius bedeutende Bau- und Infrastrukturmaßnahmen durchgeführt wurden.
Sextus Tarquinius und der Untergang der Monarchie
Den entscheidenden Auslöser für den Sturz der Monarchie bildete die Tat des Königssohnes Sextus Tarquinius.
Während der Belagerung von Ardea vergewaltigte er die vornehme Römerin Lucretia.
Lucretias Selbstmord löste eine Empörung aus, die Lucius Iunius Brutus zum Anlass nahm, das Volk gegen die Tarquinier aufzurufen.
Im Jahr 509 v. Chr. wurden Tarquinius Superbus und seine Familie aus Rom vertrieben.
Die Tarquinier nach der Vertreibung
Mit der Vertreibung des Königs verschwand die Familie keineswegs sofort.
Tarquinius Superbus versuchte mehrfach, seine Herrschaft zurückzugewinnen.
Die Verschwörung in Rom
Schon kurz nach der Gründung der Republik versuchten Anhänger der Tarquinier, den König zurückzubringen.
An der Verschwörung beteiligten sich sogar die Söhne des Brutus.
Brutus ließ seine eigenen Söhne hinrichten, um die junge Republik zu schützen.
Der Krieg gegen Porsenna
Tarquinius suchte anschließend Hilfe beim etruskischen König Lars Porsenna.
Porsenna marschierte gegen Rom.
Obwohl Rom schwere Kämpfe erlebte, gelang Tarquinius die Rückkehr auf den Thron nicht.
Den letzten Versuch unternahm Tarquinius gemeinsam mit den Latinern.
In der berühmten Schlacht am See Regillus erlitt er jedoch seine endgültige Niederlage.
Danach lebte Tarquinius im Exil und starb schließlich in Cumae.
Blieben Tarquinier in Rom?
Ja, allerdings nicht alle Angehörigen der Familie wurden vertrieben.
Livius berichtet ausdrücklich, dass diejenigen Familienmitglieder, die sich nicht am Kampf gegen die Republik beteiligten oder keine unmittelbare Verbindung zum gestürzten König hatten, weiterhin in Rom leben konnten.
Besonders bekannt ist Lucius Tarquinius Collatinus, der Ehemann der Lucretia.
Obwohl er zu den Anführern der Revolution gehörte und sogar erster Konsul der Republik wurde, musste auch er bald sein Amt niederlegen.
Der Grund war nicht persönliches Fehlverhalten, sondern allein sein Familienname Tarquinius, der bei vielen Römern Misstrauen hervorrief.
Auf Antrag des Brutus ging Collatinus freiwillig ins Exil.
Dieser Vorgang zeigt, wie stark die Ablehnung gegenüber dem Namen „Tarquinius“ unmittelbar nach dem Ende der Monarchie war.
Das Bild der Tarquinier bei Livius
Livius zeichnet die Tarquinier bewusst als Gegenbild zur Republik.
Tarquinius Superbus erscheint als tyrannischer Herrscher, dessen Hochmut (superbia) schließlich den Untergang der Monarchie verursacht.
Gleichzeitig hebt Livius aber auch die Verdienste des Tarquinius Priscus hervor, der Rom erheblich ausbaute und modernisierte.
Die Familie erscheint somit nicht ausschließlich negativ: Während Tarquinius Priscus als erfolgreicher König geschildert wird, verkörpert Tarquinius Superbus den Missbrauch königlicher Macht.