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Die Flaminische Wiese (Prata Flaminia) – Geschichte, Lage und Namensursprung
Die Flaminische Wiese (prata Flaminia) war ein Gebiet im südwestlichen Bereich des Campus Martius, unmittelbar westlich bzw. südwestlich des Kapitols. In der frühen und mittleren Republik handelte es sich um eine offene Fläche, die später eng mit dem Circus Flaminius verbunden war. Das Gebiet spielte insbesondere bei den politischen Versammlungen der Plebs und bei öffentlichen Spielen eine wichtige Rolle.
Der Name prata Flaminia bedeutet wörtlich „Flaminische Wiesen“. Sein genauer Ursprung ist allerdings nicht völlig eindeutig. Während die antike Überlieferung einen Zusammenhang mit einem Angehörigen der gens Flaminia herstellt, gibt es unterschiedliche Erklärungen dafür, welcher Flaminius gemeint war und wie genau das Gebiet zu seinem Namen kam.
Lage der Flaminischen Wiese
Die prata Flaminia lagen im südwestlichen Teil des Campus Martius, in der Nähe des Kapitols und des Tiberufers. Das Gebiet befand sich damit außerhalb des eigentlichen alten Stadtzentrums und bot eine große offene Fläche.
Später entstand hier der Circus Flaminius, der dem Gebiet seinen bekanntesten Namen gab. Die genaue Ausdehnung der ursprünglichen prata Flaminia lässt sich heute allerdings nicht mehr mit völliger Sicherheit bestimmen. In der Forschung wird davon ausgegangen, dass prata Flaminia und Campus Flaminius weitgehend dasselbe Gebiet bezeichneten.
Livius 3,54: Livius bezeichnet das Gebiet ausdrücklich als prata Flaminia. Die Stelle gehört zu seiner Darstellung der zweiten Sezession der Plebs im Jahr 449 v. Chr.
Die Flaminische Wiese und die zweite Sezession der Plebs
Eine besondere historische Bedeutung erhält die Flaminische Wiese durch die Ereignisse des Jahres 449 v. Chr.
Nach dem Sturz der Decemvirn kam es zur Rückkehr der plebejischen Bevölkerung nach Rom. Livius berichtet, dass die Plebejer zunächst auf den Aventin zogen und dort ihre Volkstribunen wählten.
Anschließend kam es zu einer weiteren Versammlung auf den prata Flaminia.
Livius 3,54: Auf den prata Flaminia wurde eine Versammlung abgehalten, bei der die Plebejer über ihre politische Neuordnung berieten. Livius nennt den Ort ausdrücklich prata Flaminia.
Die Flaminische Wiese erscheint damit bereits lange vor dem Bau des Circus Flaminius als politisch genutzter öffentlicher Raum.
Der Ursprung des Namens
Besonders interessant ist die Frage, warum das Gebiet überhaupt prata Flaminia hieß.
Hier müssen wir zwischen den antiken Erklärungen unterscheiden.
Die Erklärung des Plutarch
Plutarch überliefert eine Erklärung, nach der ein Angehöriger der Familie Flaminius in früherer Zeit ein Grundstück der römischen Gemeinde überlassen habe.
Die daraus erzielten Einnahmen seien zur Finanzierung von Pferderennen verwendet worden. Das übrige Geld habe man anschließend für den Bau der Via Flaminia verwendet.
Plutarch, Quaestiones Romanae 66
Plutarch formuliert die Erklärung allerdings als Frage und mögliche Lösung. Er präsentiert sie also nicht als zweifellos gesicherte Tatsache.
Diese Überlieferung ist besonders interessant, weil sie einen direkten Zusammenhang zwischen dem Namen Flaminius, dem Grundstück und der späteren Via Flaminia herstellt.
Varros Erklärung
Auch Marcus Terentius Varro beschäftigt sich mit dem Namen.
In De lingua Latina 5,154 erklärt Varro den Namen des Circus Flaminius damit, dass dieser um den Campus Flaminius herum errichtet worden sei:
Circus Flaminius dicitur, qui circum aedificatus est Flaminium campum.
Der Name des Circus wäre nach dieser Erklärung also vom bereits bestehenden Campus Flaminius übernommen worden.
Damit ist für Varro die Reihenfolge wichtig:
Campus Flaminius → Circus Flaminius
und nicht unbedingt:
Gaius Flaminius → Circus Flaminius → Campus Flaminius.
Der Zusammenhang mit Gaius Flaminius
Hier entsteht ein wichtiges Problem.
Der bekannteste Angehörige der gens Flaminia war Gaius Flaminius Nepos, der als Volkstribun und später als Konsul und Zensor eine bedeutende Rolle spielte. Er war unter anderem für den Bau der Via Flaminia verantwortlich und ließ als Zensor den Circus Flaminius errichten.
Der Circus wurde 221 v. Chr. errichtet.
Die antike Überlieferung lässt daher einen Zusammenhang zwischen Gaius Flaminius und dem Namen des Circus vermuten.
Allerdings kann daraus nicht einfach geschlossen werden, dass auch die prata Flaminia nach genau diesem Gaius Flaminius benannt waren. Denn Livius nennt die prata Flaminia bereits für die Ereignisse des Jahres 449 v. Chr., also mehr als zwei Jahrhunderte vor dem Bau des Circus Flaminius.
Es lässt sich also nicht eindeutig klären, inwieweit Gaius Flaminius mit dem Namen der flaminischen Wiese zusammenhängt.
Der Circus Flaminius
Der Circus Flaminius entstand während des Zensorats des Gaius Flaminius im Jahr 221 v. Chr.
Er lag auf den prata Flaminia und wurde zu einem wichtigen öffentlichen Raum Roms.
Livius, Periochae 20: Die Kurzfassung von Livius' verlorenem Buch 20 erwähnt die Errichtung des Circus Flaminius.
Varro, De lingua Latina 5,154: Varro beschreibt den Circus und erklärt seinen Namen über den Campus Flaminius.
Der Circus war allerdings nicht einfach eine zweite Version des Circus Maximus. Er diente unter anderem den ludi plebeii und den ludi Taurii und wurde auch für politische Versammlungen genutzt.
Politische Bedeutung
Die Lage der Flaminischen Wiese war für ihre politische Funktion besonders günstig.
Sie lag außerhalb des alten Stadtzentrums und bot genügend Platz für größere Menschenmengen. Deshalb wurde das Gebiet mehrfach für Versammlungen des Volkes genutzt.
Auch in späterer Zeit fanden im Circus Flaminius beziehungsweise seiner Umgebung politische Versammlungen statt.
Livius 27,21,1: Livius erwähnt eine Volksversammlung im Circus Flaminius.
Auch Cicero bezeugt die Nutzung des Circus Flaminius für Versammlungen.
Cicero, Ad Atticum 1,14,1; Pro Sestio 33
Damit entwickelte sich das Gebiet von einer offenen Wiesenfläche zu einem wichtigen politischen und öffentlichen Zentrum.
Öffentliche Spiele
Die Flaminische Wiese war außerdem mit verschiedenen öffentlichen Spielen verbunden.
Besonders wichtig waren die ludi Taurii, die mit Pferderennen verbunden waren.
Varro erklärt ausdrücklich, dass die ludi Taurii auch im Circus Flaminius stattfanden.
Varro, De lingua Latina 5,154
Auch die ludi plebeii wurden mit dem Circus Flaminius verbunden.
Entwicklung zum bebauten Stadtgebiet
Während der frühen Republik war die Gegend noch wesentlich stärker von offenen Flächen geprägt. Im Laufe der mittleren und späten Republik wurde der südwestliche Campus Martius jedoch zunehmend bebaut.
Rund um den Circus Flaminius entstanden zahlreiche bedeutende Bauwerke, darunter Tempel, Portiken und später das Marcellustheater.
Damit wandelte sich die ursprüngliche Wiesenlandschaft allmählich in einen dicht bebauten Teil Roms.