Das Marsfeld (Campus Martius)
Bedeutung und Funktion im antiken Rom
Das Marsfeld (Campus Martius) war eines der wichtigsten öffentlichen Gebiete der Stadt Rom. Es lag außerhalb der ältesten Stadtgrenze am linken (westlichen) Ufer des Tiber, nördlich des Kapitols, und war ursprünglich eine große, offene Ebene. Seinen Namen erhielt es vom Kriegsgott Mars, dem dieses Gebiet geweiht war.
Gerade weil es außerhalb des pomerium (der heiligen Stadtgrenze) lag, konnte das Marsfeld Funktionen erfüllen, die innerhalb der Stadt religiös oder rechtlich verboten waren.
Ursprung: Militärisches Übungsfeld
In der frühen Zeit Roms war das Marsfeld vor allem ein militärischer Raum:
Hier versammelte sich das Heer.
Soldaten hielten Übungen und Musterungen ab.
Feldzüge begannen oft symbolisch vom Marsfeld aus.
Heimkehrende Feldherren mussten ihr Heer hier entlassen, bevor sie die Stadt betreten durften.
Der Ort passte perfekt zu Mars: Krieg, Wehrkraft, römische Männlichkeit.
Politische Dimension: Volksversammlungen
Eine der wichtigsten Funktionen war die comitia centuriata, die Versammlung des Volkes nach Heeresklassen:
Auf dem Marsfeld wurden Konsuln und Prätoren gewählt.
Hier entschied man über Krieg und Frieden.
Auch Hochverratsprozesse fanden dort statt.
Der Raum war groß genug, um Zehntausende Bürger aufzunehmen – etwas, das im engen Stadtkern unmöglich gewesen wäre.
Religiöse und symbolische Funktionen
Das Marsfeld hatte auch starke religiöse Bedeutung:
Opferhandlungen vor Feldzügen (für die Römer war die religiöse Legitimierung eines Krieges sehr wichtig, siehe Fetialen).
Weiheakte für neue Tempel.
Triumphzüge endeten oft in der Nähe des Marsfelds.
Der berühmte Ara Martis (Altar des Mars) stand dort.
Es war also ein Ort, an dem Religion, Politik und Militär unmittelbar zusammenliefen.
Wandel in der späten Republik und Kaiserzeit
Mit dem Wachstum Roms veränderte sich das Marsfeld grundlegend.
Ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. wurde es dann stark ausgebaut:
Theater des Pompeius
Pantheon
Thermen des Agrippa
Mausoleum des Augustus
weitere Tempel, Portiken, Basiliken
Aus dem freien Übungsfeld wurde ein repräsentatives Stadtviertel.
Neue Funktionen
Neben Politik und Militär nun auch:
Freizeit und Erholung
Sport
Philosophische Schulen
Öffentliche Bäder
Spaziergänge unter Portiken
Warum das Marsfeld für Rom so zentral war
Das Marsfeld war einzigartig, weil es die verschiedenen Dimension der römischen Bürgerschaft und ihren Wandel über die Zeut deutlich zeigte. Es begann als ein religiöser, sakraler und militärischer Ort für das frühe Rom und ihre Einwohner. Später wandelte es sich dann über die Zeit zu einer Form von imperialer Selbstdarstellung mit eindrucksvollen Bauten und so änderte das Marsfeld seine Funktion über die Jahrhunderte.