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Das Apollinare in Rom
Das Apollinare war ein frühes Heiligtum des Gottes Apollo in Rom und gehörte zu den ältesten nachweisbaren Kultstätten des Gottes in der Stadt. Es lag in den prata Flaminia, den später sogenannten Flaminischen Wiesen im Campus Martius.
Bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. besaß der Ort eine religiöse Bedeutung und wurde auch für politische Versammlungen genutzt. Besonders wichtig ist eine Stelle bei Livius, Ab urbe condita 3,63, in der das Heiligtum ausdrücklich als Apollinare bezeichnet wird.
Das Apollinare in den prata Flaminia
Livius berichtet für das Jahr 449 v. Chr. von einem Konflikt zwischen den Konsuln Lucius Valerius Potitus und Marcus Horatius Barbatus und dem Senat. Die Konsuln waren nach ihren militärischen Erfolgen gegen die Aequer und Sabiner nach Rom zurückgekehrt und hatten den Senat zunächst auf dem Marsfeld (Campus Martius) zusammengerufen.
Die Senatoren beschwerten sich jedoch darüber, dass die Konsuln die Sitzung bewusst inmitten ihrer Soldaten abhielten. Dadurch fühlten sie sich eingeschüchtert.
Die Konsuln verlegten die Senatssitzung deshalb an einen anderen Ort:
in prata Flaminia, ubi nunc aedes Apollinis (iam tum Apollinare appellabant)
Sie beriefen den Senat also auf die Flaminischen Wiesen, „wo sich jetzt der Tempel des Apollo befindet, der schon damals Apollinare genannt wurde“.
Livius, Ab urbe condita 3,63,7
Diese Stelle ist besonders interessant, weil sie zeigt, dass der Kultplatz des Apollo bereits 449 v. Chr. existierte, obwohl der eigentliche Tempel erst später errichtet wurde.
Was bedeutete „Apollinare“?
Der Name Apollinare bezeichnete ursprünglich offenbar nicht den späteren großen Tempel, sondern einen älteren heiligen Bezirk bzw. Kultplatz des Apollo.
Die Forschung geht davon aus, dass es sich zunächst um einen Altar, einen heiligen Bezirk oder möglicherweise einen kleinen Hain handelte. Erst später entstand an diesem Ort der eigentliche Tempel des Apollo.
Der Name Apollinare ist daher von Apollo abgeleitet und bezeichnete den Ort als einen Bereich, der dem Gott geweiht war.
Die Lage des Apollinare
Das Apollinare befand sich in den prata Flaminia, den Flaminischen Wiesen.
Diese lagen im südlichen Bereich des Campus Martius, außerhalb des eigentlichen Stadtzentrums und zunächst außerhalb des Pomeriums, also der sakralen Stadtgrenze Roms.
Die genaue Lage lässt sich durch verschiedene antike Angaben näher bestimmen. Das Heiligtum lag in der Gegend zwischen dem Forum Holitorium und dem Circus Flaminius, nahe der späteren Porticus Octaviae und dem später errichteten Theater des Marcellus.
Heute befindet sich die entsprechende Gegend ungefähr im Bereich des südlichen Campus Martius, nahe dem Theater des Marcellus.
Warum lag das Heiligtum außerhalb des Pomeriums?
Die Lage des Apollinare außerhalb der traditionellen Stadtgrenze ist religionsgeschichtlich bemerkenswert.
Apollo war ein griechischer Gott, dessen Kult erst relativ spät in Rom eine größere Bedeutung erlangte. Der Kult des Apollo gehörte damit zu den auswärtigen bzw. nicht ursprünglich römischen Kulten, die in der frühen Republik häufig außerhalb des Pomeriums angesiedelt wurden.
Das Heiligtum lag deshalb nicht im innersten sakralen Stadtbereich, sondern im Bereich des Campus Martius. Später blieb der Tempel des Apollo ebenfalls außerhalb des Pomeriums.
Vom Apollinare zum Tempel des Apollo
Das ältere Apollinare erhielt im 5. Jahrhundert v. Chr. eine noch größere Bedeutung.
Im Jahr 433 v. Chr. wurde Rom von einer schweren Seuche heimgesucht. Aufgrund der religiösen Maßnahmen gegen die Epidemie wurde ein Tempel für Apollo gelobt.
Zwei Jahre später, 431 v. Chr., wurde der Tempel geweiht.
Livius berichtet:
Livius, Ab urbe condita 4,25,3; 4,29,7
Der neue Tempel wurde dabei offenbar an dem bereits bestehenden Kultort des Apollo errichtet. Das ältere Apollinare bildete somit die Grundlage für den späteren Tempel.
Der Tempel wurde insbesondere mit Apollo Medicus, also Apollo als Heilgott, verbunden. Der Zusammenhang mit der Seuche des Jahres 433 v. Chr. erklärt diese Funktion besonders gut.
Das Apollinare als Ort des Senats
Das Apollinare hatte nicht nur eine religiöse, sondern auch eine politische Funktion.
Gerade weil der Bereich außerhalb des Pomeriums lag, konnte der Senat dort zusammentreten, wenn die besonderen Regeln für Versammlungen innerhalb der Stadt problematisch waren.
Die Episode von 449 v. Chr. bei Livius ist dafür eines der frühesten Beispiele.
Später wurde der Tempel des Apollo zu einem wichtigen Ort für Senatssitzungen, insbesondere wenn es um Angelegenheiten ging, bei denen sich der Senat außerhalb des Pomeriums versammeln musste. Dazu gehörten unter anderem Situationen, in denen ein siegreicher Feldherr auf einen Triumph hoffte.
Das Apollinare und der Circus Flaminius
Die prata Flaminia entwickelten sich im Laufe der Republik zu einem immer stärker bebauten Bereich.
Im Jahr 221 v. Chr. wurde dort der Circus Flaminius errichtet.
Das Apollinare lag in diesem Bereich und befand sich später in unmittelbarer Nähe wichtiger öffentlicher Gebäude wie der Porticus Octaviae und des Theaters des Marcellus.
Dadurch wurde der ehemalige Kultplatz im Laufe der republikanischen Stadtentwicklung Teil eines dicht bebauten und politisch wie religiös bedeutenden Bereichs Roms.
Der spätere Tempel des Apollo Sosianus
Der Tempel, der ursprünglich mit dem Apollinare verbunden war, wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach verändert und erneuert.
Seine spätere Gestalt ist vor allem mit Gaius Sosius verbunden, der im 1. Jahrhundert v. Chr. einen umfassenden Neubau bzw. eine Restaurierung durchführte.
Daher wird das erhaltene Monument heute als Tempel des Apollo Sosianus bezeichnet.
Quellen
Livius, Ab urbe condita 3,63,7 – früheste Erwähnung des Apollinare und Lage in den prata Flaminia
Livius, Ab urbe condita 4,25,3 – Gelübde eines Tempels für Apollo während der Seuche von 433 v. Chr.
Livius, Ab urbe condita 4,29,7 – Weihe des Tempels im Jahr 431 v. Chr.
Livius, Ab urbe condita 7,20,9 – spätere Restaurierung des Tempels
Asconius, In toga candida 90–91 – genauere topographische Angaben zur Lage des Apollo-Heiligtums.