Die Aequer (Aequi) – Roms erbitterte Bergnachbarn
Die Aequer (lat. Aequi) waren ein italischer Volksstamm, der im 5. und frühen 4. Jahrhundert v. Chr. zu den hartnäckigsten Gegnern Roms gehörte. Bei Titus Livius erscheinen sie immer wieder als Bedrohung für das noch junge Rom, besonders in der Frühzeit der Republik.
Herkunft und Siedlungsgebiet
Die Aequer siedelten im östlichen Latium, vor allem in den Apennin-Ausläufern um den Mons Algidus (heute Monte Algido) sowie in den Gebieten der heutigen Monti Simbruini.
Gebirge statt Küste
Kleine, befestigte Siedlungen
Landwirtschaft + Viehzucht
Häufige Raubzüge ins fruchtbare Tiefland
Sie waren also ein Bergvolk, das aus seiner topographischen Lage militärische Vorteile zog.
Ethnische Einordnung: Latiner, Etrusker oder eigenständig?
Die Aequer waren keine Etrusker.
Sprachlich und kulturell gehörten sie wahrscheinlich zur oskisch-umbrischen (sabellischen) Sprachgruppe, also zu den italischen Völkern Mittel- und Süditaliens ebenso wie die Volsker. Sie waren also weder Latiner noch Etrusker, sondern ein eigenständiges italisches Bergvolk.
Die Feindschaft mit Rom
Im 5. Jahrhundert v. Chr. waren die Aequer fast jährlich Kriegsgegner Roms. Besonders häufig kämpften sie gemeinsam mit den Volskern gegen Rom und seine latinischen Verbündeten.
1. Ständige Grenzkriege (vgl. AUC, 1, 55)
Bei Livius erscheinen sie als:
aggressive Grenznachbarn
Bündnispartner der Volsker
Bedrohung für Latium insgesamt
Rom musste regelmäßig Heere gegen sie entsenden.
2. Die berühmte Episode: Cincinnatus (vgl. AUC, 3, 25-29)
Eine der bekanntesten Geschichten betrifft Lucius Quinctius Cincinnatus:
458 v. Chr.
Ein römisches Heer wird am Mons Algidus von den Aequer eingeschlossen
Cincinnatus wird zum Diktator ernannt
Er besiegt die Aequer innerhalb weniger Tage
Danach legt er freiwillig die Diktatur nieder
Diese Episode wurde zum Paradebeispiel römischer Tugend (virtus und moderatio).
Niedergang der Aequer
Im 4. Jahrhundert v. Chr. wendete sich das Blatt:
431 v. Chr.: Niederlage am Mons Algidus
304 v. Chr.: endgültige Unterwerfung
Rom zerstörte zahlreiche aequische Siedlungen und gründete Kolonien im Gebiet.
Danach verschwinden die Aequer als eigenständige politische Kraft aus der Geschichte.
Bedeutung für die römische Geschichte
Die Aequer sind historisch wichtig, weil sie:
Roms militärische Organisation prägten: ständige Bedrohung zwang zur Professionalisierung.
Zur Ausbildung römischer Ideale beitrugen (z. B. Cincinnatus).
Teil der „Prüfungsphase“ der jungen Republik waren.
Ohne diese dauernden Grenzkriege hätte Rom sich vermutlich langsamer militärisch entwickelt.