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Lucius Calpurnius Piso Frugi (Der Jüngere und Amtskollege des Verres 74 v. Chr.)
Lucius Calpurnius Piso Frugi gehörte zur angesehenen gens Calpurnia und bekleidete im Jahr 74 v. Chr. das Amt des Prätors. In diesem Jahr war er ein Amtskollege des Gaius Verres, der ebenfalls Prätor war. Cicero erwähnt Piso in den Verrinen vor allem deshalb, weil er ihn als Gegenbild zu Verres darstellen kann.
Während Cicero Verres vorwirft, seine prätorische Amtsgewalt für Willkür und persönliche Bereicherung eingesetzt zu haben, erscheint Piso als ein Magistrat, der auf Rechtmäßigkeit, Gerechtigkeit und die Einhaltung des prätorischen Edikts achtete.
Dabei ist wichtig, den Piso von 74 v. Chr. von seinem berühmteren gleichnamigen Vorfahren zu unterscheiden! ( Er ist leicht zu verwechseln)
Die Familie der Pisones
Piso gehörte zur gens Calpurnia, einem alten plebejischen Geschlecht Roms. Innerhalb dieser Familie war der Zweig der Pisones Frugi besonders bedeutend.
Das Cognomen Frugi wurde innerhalb der Familie offenbar weitervererbt. Der Name führte deshalb zu mehreren gleichnamigen Männern, die heute leicht miteinander verwechselt werden können.
Für die Verrinen sind insbesondere drei Generationen wichtig:
Lucius Calpurnius Piso Frugi
→ Konsul 133 v. Chr., Zensor 120 v. Chr., Historiker
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Lucius Calpurnius Piso Frugi
→ Prätor um 112/113 v. Chr., Statthalter in Hispania Ulterior
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Lucius Calpurnius Piso Frugi
→ Münzmeister, Prätor 74 v. Chr., Amtskollege des Verres
Gerade weil mehrere Männer denselben Namen trugen, sollte man bei Ciceros Verrinen immer genau darauf achten, welcher Piso gemeint ist.
Der berühmte ältere Piso Frugi
Der bekannteste Träger dieses Namens war Lucius Calpurnius Piso Frugi, der im Jahr 133 v. Chr. Konsul und später 120 v. Chr. Zensor wurde.
Er war außerdem Historiker und schrieb die Annales, eine römische Geschichte, die von der Gründung Roms bis in seine eigene Zeit reichte.
Cicero, Brutus 106; De legibus 1,6
Piso als Prätor im Jahr 74 v. Chr.
Der für uns wichtige Piso bekleidete 74 v. Chr. das Prätorenamt.
Damit gehörte er zu den höchsten Magistraten der römischen Republik. Zu seinen Amtskollegen gehörte Gaius Verres, der ebenfalls Prätor war.
Die Magistrates of the Roman Republic führen Piso ausdrücklich als „colleague of Verres“ und verweisen für sein Eingreifen gegen Verres auf Cicero, In Verrem II,1,119.
Piso als Gegenbild zu Verres
Die wichtigste Stelle befindet sich in Cicero, In Verrem II,1,119
Cicero berichtet dort, dass Verres während seiner Prätur Entscheidungen getroffen habe, die sogar seinem eigenen prätorischen Edikt widersprachen.
Piso habe diese Entscheidungen nicht einfach hingenommen.
Cicero schreibt, dass Piso eine große Zahl von Aufzeichnungen über die Fälle anfertigte, in denen er Entscheidungen des Verres aufhob bzw. ihnen entgegentrat, weil sie mit dessen eigenem Edikt nicht vereinbar waren.
Cicero benutzt ihn also als Beispiel dafür, dass ein römischer Magistrat sehr wohl die Möglichkeit hatte, gegen rechtswidriges oder willkürliches Verhalten eines Kollegen vorzugehen und er nennt ihn als einzigen Grund, dass Verres nicht auf offener Straße attackiert oder gesteinigt wurde, da er alle lächerlichen Entscheidungen von Verres aufhob.
Piso als Anlaufstelle für die Geschädigten
Besonders interessant ist Ciceros Beschreibung der Menschen, die sich an Piso wandten.
Während Verres Recht sprach, versammelte sich nach Ciceros Darstellung eine große Menschenmenge am Richterstuhl des Piso.
Die Menschen wussten offenbar, dass Piso Entscheidungen des Verres überprüfen beziehungsweise ihnen entgegentreten konnte.
Cicero beschreibt Piso deshalb als eine Art Zuflucht für diejenigen, die durch Verres geschädigt worden waren.
Piso und das prätorische Edikt
Die Episode ist auch deshalb interessant, weil Cicero ausdrücklich auf das Edikt des Verres Bezug nimmt.
Ein Prätor veröffentlichte bei Beginn seines Amtsjahres ein edictum, in dem er die Grundsätze festlegte, nach denen er sein Amt ausüben und Recht sprechen wollte.
Cicero wirft Verres vor, sein Edikt bereits vor seinem Amtsantritt auf bestimmte Personen und deren Interessen zugeschnitten zu haben.
Während seiner Amtszeit habe er dann sogar Entscheidungen getroffen, die seinem eigenen Edikt widersprachen.
Piso griff genau diese Widersprüche auf.
Damit erscheint er bei Cicero nicht einfach als persönlicher Gegner des Verres, sondern als jemand, der auf der Einhaltung der selbst gesetzten rechtlichen Regeln bestand.
Der Münzmeister Piso
Der jüngere Piso ist außerdem numismatisch belegt.
Er erscheint als Münzmeister und gab Münzen mit der Aufschrift L·PISO FRVGI heraus.
Die Münzprägung wird ungefähr in die Zeit um 90 v. Chr. datiert. Dadurch lässt sich der Piso, der später 74 v. Chr. Prätor wurde, auch unabhängig von Ciceros Darstellung fassen.
Die Forschung identifiziert diesen Münzmeister mit dem späteren Prätor von 74 v. Chr.
Das ist besonders hilfreich, weil es zeigt, dass wir es tatsächlich mit einer eigenständigen Person und nicht lediglich mit einer Verwechslung verschiedener Pisones zu tun haben.
Das Cognomen „Frugi“
Das Cognomen Frugi ist für die Geschichte der Familie besonders interessant.
Das lateinische frugi bezeichnet einen Menschen, der als anständig, zuverlässig, rechtschaffen oder maßvoll gilt.
Der Beiname wurde offenbar bereits beim älteren Piso mit dessen Charakter verbunden und wurde später innerhalb des Familienzweiges weitergeführt.
Deshalb darf man aber nicht jedes Auftreten von Piso Frugi in Ciceros Schriften automatisch auf den Prätor von 74 v. Chr. beziehen.
Gerade In Verrem zeigt, wie problematisch die Namensgleichheit sein kann.