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Kapitalverbrechen im alten Rom
Als Kapitalverbrechen bezeichnete man im antiken Rom Straftaten, auf die die schwersten Strafen standen, insbesondere die Todesstrafe, die Verbannung oder der Verlust der Bürgerrechte. Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort caput („Kopf“, „Person“, „Bürgerstatus“) ab. Ein crimen capitale war also ein Verbrechen, das das Leben oder die rechtliche Existenz eines Bürgers bedrohte. Welche Delikte als Kapitalverbrechen galten, änderte sich im Laufe der Jahrhunderte, doch bestimmte Vergehen wurden stets als besonders schwer angesehen.
Die Bedeutung von caput
Im römischen Recht bedeutete caput nicht nur den Kopf eines Menschen, sondern seine gesamte rechtliche Stellung:
Bürgerrecht
Freiheit
Zugehörigkeit zur Gemeinschaft
Wer wegen eines Kapitalverbrechens verurteilt wurde, verlor oft nicht nur sein Leben, sondern auch seine Stellung als Bürger.
Daher bezeichnete crimen capitale ursprünglich jedes Verfahren, bei dem das caput eines Bürgers auf dem Spiel stand.
Wichtige Kapitalverbrechen
Hochverrat (perduellio und später maiestas)
Zu den ältesten Kapitalverbrechen gehörte der Hochverrat.
Darunter verstand man etwa:
Zusammenarbeit mit Feinden Roms
Verrat militärischer Geheimnisse
Angriffe auf den Staat
den Versuch, die Königsherrschaft wieder einzuführen
Ein berühmtes Beispiel bei Livius ist Spurius Cassius Vecellinus dem nach seinem Agrargesetz königliche Ambitionen vorgeworfen wurden. (Livius 2,41)
Ebenso beschreibt Livius auch das Verfahren gegen Spurius Maelius, der nach der Konigswürde gestrebt haben soll. (Livius 4, 13-16)
Auch der Fall des Marcus Manlius Capitolinus endet mit einer Verurteilung wegen staatsgefährdenden Verhaltens. (Livius 6,20)
Das berühmteste Beispiel ist aber wohl der Prozess gegen Horatius, der seine Schwester umgebracht hat und der dann vom Berufungsrecht Gebrauch machte. (Livius 1,26)
Fahnenflucht und militärische Vergehen
Im Heer wurden besonders hart bestraft:
Fahnenflucht
Feigheit vor dem Feind
Meuterei
Verrat
Die Strafen reichten von der Hinrichtung bis zur berüchtigten Decimatio bei der jeder zehnte Soldat einer schuldigen Einheit getötet wurde.
Mord (homicidium)
Mord wurde bereits früh verfolgt, wenngleich die genaue rechtliche Behandlung in der Königszeit und frühen Republik oft unklar ist.
Später entstanden besondere Gerichte für:
Giftmorde
Auftragsmorde
schwere Tötungsdelikte
Giftmischerei (veneficium)
Giftmorde galten als besonders abscheulich.
Bei Livius findet sich eine berühmte Episode über angebliche Giftmischerinnen. (Livius 8,18)
Dort werden zahlreiche Frauen wegen Giftmischerei angeklagt.
Brandstiftung
Die vorsätzliche Zerstörung von Häusern oder öffentlichen Gebäuden konnte ebenfalls als Kapitalverbrechen verfolgt werden.
Da Rom dicht bebaut war, konnten Brände ganze Stadtviertel vernichten.
Schwere Religionsvergehen (sacrilegium)
Bestimmte Verstöße gegen die Religion galten als Verbrechen gegen die gesamte Gemeinschaft.
Dazu gehörten:
Tempelraub
Entweihung heiliger Orte
Verletzung religiöser Pflichten
Besonders schwer wog das Fehlverhalten der Vestalinnen.
Eine Vestalin, die ihr Keuschheitsgelübde brach, wurde traditionell lebendig begraben.
Wer urteilte über Kapitalverbrechen?
Frühe Republik
In der frühen Republik wurden schwere Fälle häufig vor den Volksversammlungen verhandelt.
Vor allem die Comitia Centuriata konnte über Leben und Tod eines Bürgers entscheiden.
Spätere Republik
Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. entstanden ständige Geschworenengerichte:
Für verschiedene Delikte gab es eigene Gerichtshöfe.
Beispiele:
Hochverrat
Erpressung
Mord
Wahlbestechung
Hier begegnen wir auch den berühmten Prozessen Ciceros.
Die Strafen
Todesstrafe
Die Hinrichtungsarten waren unterschiedlich:
Enthauptung
Erhängen (selten)
Hinabsturz vom Tarpeischen Felsen
Kreuzigung (vor allem für Nichtbürger)
lebendiges Begraben bei Vestalinnen
Verbannung (exilium)
Viele Angeklagte entzogen sich einer Verurteilung durch freiwilliges Exil.
Sie verließen Rom vor dem Urteil und kehrten meist nie zurück.
Für Angehörige der Oberschicht war dies oft die praktisch wichtigste Alternative zur Hinrichtung.
Verlust der Bürgerrechte
Ein Verurteilter konnte:
sein Vermögen verlieren
aus dem Senat ausgeschlossen werden
sein Bürgerrecht verlieren
Die Zwölftafelgesetze
Bereits die Zwölftafelgesetze kannten Kapitalstrafen.
Bestraft wurden unter anderem:
nächtlicher Diebstahl unter bestimmten Umständen
Verrat
Bestechung von Richtern
schwere Grenzverletzungen
Die Zwölftafeln zeigen, dass Rom schon früh zwischen gewöhnlichen und besonders schweren Verbrechen unterschied.
Der Schutz des Bürgers
Ein wichtiger Grundsatz der Republik war das ius provocationis das Recht eines Bürgers, gegen die Entscheidung eines Magistrats an das Volk zu appellieren.
Dieses Recht schützte römische Bürger vor willkürlichen Hinrichtungen und spielte in den politischen Kämpfen der Republik eine wichtige Rolle.