Die römischen Volksversammlungen: Ablauf der Wahlen in den comitia centuriata und comitia tributa
Im antiken Rom fanden politische Wahlen nicht durch allgemeine Einzelstimmen statt, sondern in besonderen Volksversammlungen (comitia). Dabei stimmten die Bürger nicht als Individuen, sondern in Gruppen ab. Besonders wichtig waren die comitia centuriata und die comitia tributa, die sich in Aufbau, Zusammensetzung und Aufgaben deutlich unterschieden.
Grundprinzip römischer Wahlen
Römische Bürger stimmten nicht:
„eine Person = eine Stimme“
sondern:
eine Gruppe = eine Stimme
Das bedeutet konkret:
Bürger wurden bestimmten Einheiten zugeteilt
jede Einheit gab am Ende eine Gesamtstimme ab
einfache Mehrheit innerhalb dieser Einheit entschied
Die comitia centuriata
Die comitia centuriata („Zenturiatskomitien“) waren ursprünglich militärisch organisiert.
Einteilung
Die Bürger wurden nach:
Vermögen
Ausrüstung
sozialem Rang
in sogenannte Zenturien (centuriae) eingeteilt.
Wichtig:
Eine Zenturie war keine gleich große Gruppe.
Reiche Bürger hatten:
mehr politische Bedeutung, obwohl die Zenturien viel kleiner waren
Arme Bürger:
weniger Einfluss
größere Gruppen
Aufbau
Die Versammlung bestand aus:
Vermögensklassen
Ritterstand (equites)
ärmeren Bürgergruppen
Die wohlhabenden Klassen stimmten: zuerst
Entscheidender Punkt
Sobald eine Mehrheit der Zenturien erreicht war:
wurde die Abstimmung beendet
Dadurch konnten die reichen Klassen häufig entscheiden, bevor die Armen überhaupt abstimmten. Die genaue Anzahl änderte sich über die Zeit, aber häufig wird von der Zahl von 193 Zenturien ausgegangen, also kann ab der 97. Zenturie schon eine Mehrheit erreicht sein und der Rest darf gar nicht mehr wählen.
Aufgaben der comitia centuriata
Sie wählten hohe Magistrate:
Konsuln
Prätoren
Zensoren
Außerdem:
Entscheidung über Krieg/Frieden
Hochverratsverfahren
Ablauf einer Wahl in den comitia centuriata
1. Einberufung
Ein Magistrat (z. B. Konsul) beruft die Versammlung ein.
2. Contio (Vorversammlung)
Reden
Vorstellung der Kandidaten
keine Abstimmung
3. Religiöse Zeichen
Prüfung der Auspizien (auspicia)
ungünstige Vorzeichen → Verschiebung
4. Abstimmung
Bürger gehen geordnet zu Wahlbereichen (pontes)
Stimmabgabe schriftlich (später Republik)
5. Auszählung
jede Zenturie ergibt eine Stimme
6. Bekanntgabe
Mehrheit entscheidet
Die comitia tributa
Die comitia tributa („Tribuskomitien“) waren territorial organisiert.
Einteilung
Die Bürger wurden nach Wohnbezirk eingeteilt:
in 35 Tribus
4 städtische Tribus
31 ländliche Tribus
Hier galt:
jede Tribus = eine Stimme
Unabhängig von Einwohnerzahl.
Aufgaben der comitia tributa
Wahl niedrigerer Magistrate:
Quästoren
kurulische Ädilen
Außerdem:
Verabschiedung mancher Gesetze
Sonderfall: concilium plebis
Ähnlich aufgebaut wie die comitia tributa:
aber: nur Plebejer durften teilnehmen
Hier wurden gewählt:
Volkstribunen
plebejische Ädilen
Die wichtigste Versammlungen waren also die comitia centuriata, da diese über die wichtigsten Ämter und über die wichtigsten Angelegenheiten abstimmten!