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Die Provinz Gallia Transalpina – Die römische Provinz in Südgallien
Gallia Transalpina, das „Gallien jenseits der Alpen“, bezeichnete in der späten Römischen Republik das Gebiet im Süden Galliens, das unter römische Herrschaft geraten war. Die Provinz entstand im Zuge der römischen Eroberung Südgalliens zwischen 125 und 118 v. Chr. und bildete zur Zeit Caesars den römischen Machtbereich unmittelbar nördlich der Alpen.
Später setzte sich für das Gebiet die Bezeichnung Gallia Narbonensis durch, benannt nach der bedeutenden römischen Kolonie Narbo Martius, dem heutigen Narbonne.
Die Provinz besaß für Rom eine herausragende strategische Bedeutung. Sie verband Italien mit den römischen Besitzungen in Spanien, kontrollierte wichtige Verkehrswege durch Südgallien und bildete zugleich einen Puffer zwischen Italien und den noch unabhängigen gallischen Völkern weiter im Norden.
Der Name Gallia Transalpina
Der Name Gallia Transalpina bedeutet wörtlich „Gallien jenseits der Alpen“. Er diente vor allem dazu, dieses Gebiet von der Gallia Cisalpina, dem „Gallien diesseits der Alpen“ in Norditalien, zu unterscheiden.
Die Alpen bildeten aus römischer Sicht die natürliche Trennlinie zwischen Italien und dem nördlich davon gelegenen Gallien. Wer von Italien aus über die Alpen nach Gallien gelangte, befand sich in der Gallia Transalpina.
In Caesars Zeit war das Gebiet häufig einfach als Provincia oder provincia nostra, also „unsere Provinz“, bekannt. Daraus entwickelte sich schließlich auch die Bezeichnung Provence, die bis heute für einen Teil Südfrankreichs verwendet wird.
Der Begriff Transalpina bezeichnete allerdings nicht von Anfang an ausschließlich eine klar abgegrenzte Provinz. In der republikanischen Zeit konnte „Gallien jenseits der Alpen“ zunächst auch geografisch verwendet werden. Erst mit der römischen Eroberung Südgalliens entwickelte sich daraus die Bezeichnung für das römisch beherrschte Gebiet.
Die Anfänge der römischen Expansion
Der Ausgangspunkt der römischen Expansion in Südgallien war vor allem die griechische Stadt Massilia, das heutige Marseille.
Massilia war bereits seit Jahrhunderten ein wichtiger griechischer Handelsplatz und stand in einem engen Bündnisverhältnis zu Rom. Gleichzeitig geriet die Stadt zunehmend in Konflikt mit den gallischen Völkern der Umgebung. Rom begann deshalb im 2. Jahrhundert v. Chr., militärisch in Südgallien einzugreifen.
Ein entscheidender Schritt erfolgte 125 v. Chr. Der Konsul Marcus Fulvius Flaccus wurde nach Südgallien entsandt. Ihm folgten weitere römische Feldherren. Besonders wichtig waren Gaius Sextius Calvinus, Quintus Fabius Maximus und Gnaeus Domitius Ahenobarbus.
Sextius Calvinus gründete 123 v. Chr. Aquae Sextiae, das heutige Aix-en-Provence. Die Stadt war die erste römische Siedlungskolonie in Südgallien und erhielt eine wichtige strategische Funktion.
Damit begann aus einem zunächst begrenzten militärischen Eingreifen eine dauerhafte römische Präsenz.
Die Unterwerfung der Allobroger und Arverner
Den entscheidenden Wendepunkt bildete der Krieg gegen die Allobroger und Arverner.
Die Allobroger waren ein bedeutender keltischer Stamm, dessen Gebiet sich ungefähr zwischen Rhône, Isère, Genfersee und Alpen erstreckte. Die Römer gerieten mit ihnen in Konflikt, nachdem die Allobroger den saluvischen König Toutomotulus aufgenommen und seine Auslieferung verweigert hatten.
Im Jahr 121 v. Chr. kam es zu mehreren entscheidenden Kämpfen. Der römische Feldherr Gnaeus Domitius Ahenobarbus besiegte die Allobroger bei Vindalium. Anschließend errang Quintus Fabius Maximus einen weiteren bedeutenden Sieg über eine Koalition aus Allobrogern und Arvernern.
Fabius erhielt daraufhin den Beinamen Allobrogicus. Die Niederlage der beiden mächtigen gallischen Völker beseitigte den wichtigsten Widerstand gegen die römische Herrschaft in Südgallien.
Mit diesen Siegen war die römische Kontrolle über weite Teile Südgalliens gesichert.
Die Entstehung der Provincia
Die römische Herrschaft über Südgallien entstand allerdings nicht durch einen einzigen Eroberungsakt. Vielmehr wurde das spätere Provinzgebiet schrittweise zwischen 125 und 118 v. Chr. unter römische Kontrolle gebracht und organisiert.
Aus diesem Gebiet entwickelte sich die römische Provincia, die in Caesars Zeit eine feste Größe der römischen Politik in Gallien darstellte.
Narbo Martius – das Zentrum der Provinz
Eine besonders wichtige Rolle spielte die Gründung von Narbo Martius, dem heutigen Narbonne, im Jahr 118 v. Chr.
Narbo wurde als römische Kolonie gegründet und entwickelte sich zum wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Zentrum der Provinz. Die Lage war außerordentlich günstig: Die Stadt lag nahe der Mittelmeerküste und zugleich an einem wichtigen Verkehrsweg nach Spanien.
Die Gründung Narbos hatte deshalb nicht nur eine koloniale, sondern auch eine strategische Bedeutung. Von hier aus konnten die Römer die Verkehrsverbindung zwischen Italien, Südgallien und Hispania kontrollieren.
Die Bedeutung der Stadt wuchs in den folgenden Jahrhunderten beträchtlich. Plinius der Ältere bezeichnet Narbo als Kolonie und beschreibt es als Sitz des Statthalters und als bedeutenden Handelsplatz.
Narbo wurde damit zum politischen Mittelpunkt einer Region, die zunehmend von römischen Verkehrswegen, Städten und Verwaltungsstrukturen geprägt wurde.
Die Via Domitia
Ein entscheidender Bestandteil der römischen Herrschaft war die Via Domitia.
Die Straße verband Italien über Südgallien mit Spanien und verlief durch das Gebiet der neuen Provinz. Dadurch wurde die Gallia Transalpina zu einem wichtigen Korridor innerhalb des westlichen Mittelmeerraums.
Die strategische Bedeutung des Gebietes lag somit nicht nur in seiner militärischen Sicherung. Die Provinz ermöglichte Rom auch einen sicheren Landweg zwischen Italien und den spanischen Besitzungen. Die römische Expansion in Südgallien war daher eng mit den Interessen Roms in Spanien verbunden.
Das Gebiet der Gallia Transalpina
Das Territorium der Provinz erstreckte sich in der republikanischen Zeit über große Teile des heutigen Südfrankreichs.
Im Westen reichte die römische Herrschaft bis an die Pyrenäen und das Gebiet um Tolosa, das heutige Toulouse. Im Norden bildeten die Cevennen und weitere Gebirgszüge eine wichtige Grenze zu den noch unabhängigen gallischen Gebieten. Im Osten grenzte die Provinz an die Alpen und an Italien. Im Süden lag das Mittelmeer.
Besonders wichtig war das Rhônetal, das eine natürliche Verkehrsachse durch das Gebiet bildete.
Die wichtigsten Völker der Provinz
Die Gallia Transalpina war keine ursprünglich einheitliche politische oder ethnische Einheit. Vielmehr lebten dort zahlreiche verschiedene keltische und ligurische Bevölkerungsgruppen.
Zu den bedeutenden Völkern gehörten unter anderem:
die Allobroger im Raum zwischen Rhône, Isère, Genfersee und Alpen,
die Vocontier im südöstlichen Gallien,
die Volcae im westlichen und südwestlichen Teil,
die Salluvier im Raum um Massilia,
die Tolosaten im Gebiet um Tolosa,
sowie verschiedene kleinere Völker im Pyrenäen- und Alpenraum.
Die römische Provinz überlagerte somit eine bereits bestehende politische und ethnische Landschaft.
Auch Caesar unterscheidet in seinem De bello Gallico zwischen der römischen Provincia und den Gebieten der noch unabhängigen gallischen Völker. Als er 58 v. Chr. von Genf aus in Richtung Norden marschiert, bezeichnet er beispielsweise die Allobroger als ein Volk, das innerhalb des römischen Machtbereichs liegt, während die Segusavier jenseits der Rhône außerhalb der Provinz leben.
Gallia Transalpina zur Zeit Caesars
Besonders gut lässt sich die Bedeutung der Provinz anhand des Jahres 58 v. Chr. verstehen.
In diesem Jahr wurde Gaius Iulius Caesar Statthalter der Gallia Cisalpina und der Gallia Transalpina. Die Provinz war damit sein unmittelbarer Ausgangspunkt für den späteren Gallischen Krieg.
Als Caesar von den Plänen der Helvetier erfuhr, durch die römische Provinz nach Westen zu ziehen, eilte er nach Genava, dem heutigen Genf.
Caesar, De bello Gallico 1,7,2
Genava lag am nördlichen Rand des römischen Einflussgebietes und war deshalb für Caesars Verteidigungsmaßnahmen von großer Bedeutung.
Caesar bezeichnet die Stadt ausdrücklich als das „äußerste Oppidum der Allobroger“ und als den Ort, der den Grenzen der Helvetier am nächsten lag.
Caesar, De bello Gallico 1,6,3
Damit wurde die Gallia Transalpina zum unmittelbaren Ausgangspunkt des Gallischen Krieges.
Die Provinz als Ausgangspunkt der Eroberung Galliens
Caesar nutzte die Provinz nicht lediglich zur Verteidigung der römischen Grenze. Von hier aus begann er einen Krieg, der schließlich zur Eroberung fast ganz Galliens führte.
Zunächst marschierte Caesar von Genf beziehungsweise der Rhône nach Norden. Später führte er seine Legionen durch das Gebiet der Sequaner, Häduer und anderer gallischer Völker bis an den Rhein und darüber hinaus.
Die ursprüngliche Funktion der Provinz als Grenzgebiet veränderte sich damit grundlegend.
Vor Caesars Feldzügen war die Gallia Transalpina der nördliche Rand der römischen Herrschaft. Nach der Eroberung Galliens lag sie vielmehr innerhalb eines riesigen römischen Machtbereichs, der sich bis zum Rhein erstreckte.
Die Provinz und die Germanen
Auch die Auseinandersetzungen mit germanischen Gruppen machten die strategische Bedeutung der Gallia Transalpina deutlich.
Im Jahr 58 v. Chr. kämpfte Caesar gegen Ariovist, dessen germanische Verbände sich im Gebiet östlich des Rheins und im Raum der Sequaner festgesetzt hatten.
Caesar begründet sein Eingreifen unter anderem mit der Gefahr, dass germanische Gruppen den Rhein überschreiten und schließlich in die römische Provinz gelangen könnten.
Caesar, De bello Gallico 1,33–35
Aus Caesars Sicht bildete die Provincia damit eine Art Schutzraum vor den politischen und militärischen Entwicklungen nördlich und östlich des Rheins.
Von Gallia Transalpina zu Gallia Narbonensis
Unter Augustus veränderte sich die administrative Ordnung Galliens.
Der Name Gallia Transalpina trat zunehmend hinter die Bezeichnung Gallia Narbonensis zurück. Der neue Name leitete sich von Narbo, dem wichtigsten politischen Zentrum der Provinz, ab.
Strabon beschreibt in seiner Geographika die Narbonitis als den südlichen Teil des transalpinen Galliens. Er nennt dabei als natürliche Grenzen unter anderem die Pyrenäen, die Cevennen, das Mittelmeer und die Alpen.
Strabon, Geographika 4,1,1–3
Damit wurde aus dem republikanischen Gallia Transalpina die kaiserzeitliche Gallia Narbonensis.
Der Wechsel der Bezeichnung bedeutete dabei nicht, dass plötzlich ein völlig neues Gebiet entstanden wäre. Vielmehr handelte es sich im Wesentlichen um die Weiterentwicklung derselben römischen Provinz innerhalb der neuen Verwaltungsordnung des Augustus.
Geschichtliche Zusammenfassung
125–121 v. Chr. – Eroberung Südgalliens:
Rom greift zunächst zugunsten seines Verbündeten Massilia in die Konflikte Südgalliens ein und unterwirft anschließend unter anderem Salluvier, Allobroger und Arverner.
123 v. Chr. – Aquae Sextiae:
Die Gründung der römischen Kolonie Aquae Sextiae markiert die dauerhafte Etablierung Roms in Südgallien.
118 v. Chr. – Narbo Martius:
Die Gründung von Narbo schafft ein bedeutendes römisches Zentrum und stärkt die Verbindung zwischen Italien, Gallien und Spanien.
1. Jahrhundert v. Chr. – Gallia Transalpina:
Die römische Provinz bildet die Grenze zwischen dem römischen Machtbereich und den noch unabhängigen gallischen Völkern.
58–51 v. Chr. – Caesars Gallischer Krieg:
Caesar nutzt die Provinz als Ausgangspunkt für die Eroberung Galliens. Genava, die Rhône und das Gebiet der Allobroger spielen dabei bereits zu Beginn eine wichtige Rolle.
Augustus – Gallia Narbonensis:
Die Provinz wird in die neue kaiserzeitliche Verwaltungsordnung integriert und trägt nun zunehmend den Namen Gallia Narbonensis.
Spätes 3. Jahrhundert n. Chr.:
Die große Provinz wird in mehrere kleinere Provinzen aufgeteilt.