Falls du weitere Fragen hast oder ein Thema/eine Person genauer erklärt bekommen willst, melde dich einfach unverbindlich unter info@einfachlatein.de! Ich helfe dir gerne weiter!
Der Volksstamm der Allobroger – Lage, Geschichte und Verbindung mit Rom
Die Allobroger (Allobroges) waren ein bedeutender keltischer Volksverband im südöstlichen Gallien. Ihr Gebiet erstreckte sich im Wesentlichen zwischen Rhône, Isère, Genfersee und den Westalpen und umfasste damit Teile des heutigen Dauphiné und Savoyen sowie die Gegend um Genf.
Ihr wichtigster Hauptort war Vienna, das heutige Vienne an der Rhône. Die Allobroger spielten bereits beim Alpenübergang Hannibals 218 v. Chr. eine Rolle, wurden 121 v. Chr. von Rom unterworfen und gehörten anschließend zur römischen Provinz Gallia Narbonensis. In Caesars Zeit waren sie bereits in die römische Provinzordnung eingebunden, hatten ihre Eigenständigkeit jedoch noch nicht vollständig aufgegeben.
Die Lage des Stammesgebietes
Das Gebiet der Allobroger lag in einer für die antike Geschichte Galliens besonders wichtigen Region. Es erstreckte sich vom Genfersee und der Rhône im Norden über das Rhône- und Isère-Gebiet bis in die Alpen im Osten und Süden. Damit kontrollierten die Allobroger wichtige Verkehrswege zwischen dem Rhône-Tal, dem Alpenraum und dem nördlichen Gallien.
Eine besonders wichtige Stadt war Genava, das heutige Genf. Caesar bezeichnet Genava als das extremum oppidum Allobrogum, also als das äußerste bzw. am weitesten vorgeschobene Oppidum der Allobroger und zugleich als den Ort, der den Helvetiern am nächsten lag. Die Rhône bildete in diesem Raum die Grenze zwischen dem Gebiet der Allobroger und dem der Helvetier.
Caesar, De bello Gallico 1,6,2–3
Vienna – das Zentrum der Allobroger
Der wichtigste Ort der Allobroger war Vienna, das heutige Vienne südlich von Lyon. Die Siedlung lag an der Rhône an der Mündung der Gère und entwickelte sich aus einem älteren keltischen oppidum zu einem bedeutenden städtischen Zentrum.
Der griechische Geograph Strabon bezeichnet Vienna ausdrücklich als die metropolis der Allobroger. Er beschreibt, dass die Allobroger ursprünglich überwiegend in Dörfern lebten und Vienna zunächst selbst nur ein Dorf gewesen sei, das sich später zu einer richtigen Stadt entwickelt habe.
Strabon, Geographika 4,1,11
Vienna war damit nicht nur ein bedeutender Siedlungsplatz, sondern entwickelte sich zum politischen und wirtschaftlichen Mittelpunkt des allobrogischen Gebietes.
Die Allobroger und Hannibal
Die Allobroger treten erstmals im Zusammenhang mit dem Alpenzug Hannibals im Jahr 218 v. Chr. deutlicher in den historischen Quellen hervor.
Als Hannibal auf seinem Marsch nach Italien die Region zwischen Rhône und Alpen erreichte, geriet er in das Gebiet der Allobroger. Polybios berichtet, dass Hannibal dort auf einen Konflikt zwischen zwei einheimischen Herrschern traf, die um die Herrschaft über ihr Gebiet kämpften. Hannibal unterstützte einen der beiden und erhielt dafür Lebensmittel, Kleidung und Waffen. Der verbündete Herrscher sorgte außerdem dafür, dass Hannibals Heer bis zum Beginn des eigentlichen Alpenaufstiegs geschützt wurde.
Polybios, Historien 3,49
Die Beziehung zwischen Hannibal und den Allobrogern war allerdings nicht dauerhaft friedlich. Sobald Hannibals Heer die Ebene verlassen hatte und in das schwierigere Alpengebiet vorrückte, sammelten mehrere allobrogische Anführer ihre Truppen und besetzten günstige Positionen entlang des Weges. Hannibal konnte den geplanten Hinterhalt erkennen und entging dadurch einer möglicherweise schweren Niederlage.
Polybios, Historien 3,50
Der Konflikt mit Rom
Die entscheidende Wende in der Geschichte der Allobroger kam im späten 2. Jahrhundert v. Chr. Zu dieser Zeit begann Rom, seinen Einfluss vom bereits eroberten südlichen Gallien weiter nach Norden auszudehnen.
Die Allobroger gerieten in den Konflikt hinein, weil sie dem von den Römern bekämpften Herrscher der Salluvier Schutz gewährten und sich weigerten, ihn an Rom auszuliefern. Gleichzeitig bestanden Spannungen zwischen den Allobrogern und den Häduern, die mit Rom verbündet waren.
Damit gerieten die Allobroger unmittelbar in den Gegensatz zu den römischen Interessen in Gallien.
Die Eroberung durch Rom 121 v. Chr.
Im Jahr 121 v. Chr. kam es zum offenen Krieg zwischen Rom und den Allobrogern. Die römischen Truppen wurden zunächst von Gnaeus Domitius Ahenobarbus geführt. In der Schlacht von Vindalium errangen die Römer einen bedeutenden Sieg über die Allobroger. Anschließend verstärkte Quintus Fabius Maximus das römische Heer.
Im selben Jahr kam es zu einer weiteren entscheidenden Schlacht im Gebiet der Rhône und Isère. Fabius Maximus besiegte dort ein großes Heer der Allobroger und ihrer Verbündeten, zu denen auch die Arverner gehörten. Der Sieg führte zur endgültigen Unterwerfung der Allobroger.
Strabon, Geographika 4,1,11
Fabius Maximus erhielt aufgrund seines Sieges über die Allobroger den Ehrennamen Allobrogicus. Damit wurde der Sieg über den Stamm unmittelbar Bestandteil der römischen Erinnerungskultur.
Die Allobroger werden Teil der römischen Provinz
Nach ihrer Unterwerfung wurde das Gebiet der Allobroger Teil des von Rom kontrollierten südlichen Galliens. Es wurde in die Gallia Transalpina, später Gallia Narbonensis, einbezogen. Die Allobroger verloren damit ihre außenpolitische Unabhängigkeit, behielten aber wesentliche Teile ihrer lokalen Organisation.
Die Integration verlief allerdings nicht vollkommen konfliktfrei. Die Allobroger blieben eine große und wirtschaftlich bedeutende Bevölkerung innerhalb der Provinz und verfügten weiterhin über eigene lokale Strukturen.
Der Aufstand des Catugnatus
Etwa sechzig Jahre nach der römischen Eroberung kam es erneut zu einem großen Konflikt. 61 v. Chr. erhoben sich die Allobroger unter ihrem Anführer Catugnatus gegen Rom.
Der Aufstand wurde von Gaius Pomptinus, dem römischen Statthalter der Provinz, bekämpft. Pomptinus setzte mehrere Legaten gegen die Aufständischen ein. Nach verschiedenen Kämpfen gelang es den Römern schließlich, den Widerstand zu brechen. Catugnatus selbst entkam, die römische Herrschaft über das Gebiet wurde jedoch wiederhergestellt.
Cicero, De provinciis consularibus 13,32
Cicero bezeichnet den Krieg ausdrücklich als einen Aufstand der Allobroger, den Pomptinus niedergeschlagen habe.
Die Allobroger und die Catilinarische Verschwörung
Nur zwei Jahre vor Caesars Amtsantritt in Gallien spielten die Allobroger eine überraschend wichtige Rolle in Rom selbst.
Im Jahr 63 v. Chr., während der Catilinarischen Verschwörung, hielten sich Gesandte der Allobroger in Rom auf. Sie waren vor allem wegen ihrer finanziellen Probleme und ihrer hohen Verschuldung nach Rom gekommen und hofften auf Unterstützung.
Die Verschwörer um Catilina versuchten, diese Unzufriedenheit für ihre Zwecke auszunutzen. Publius Umbrenus nahm Kontakt zu den Gesandten auf und stellte ihnen eine Beteiligung an der Verschwörung in Aussicht.
Die Allobroger zögerten zunächst, weil ihnen einerseits eine Beteiligung an einem Aufstand Vorteile bringen konnte, andererseits aber die Gefahren einer solchen Entscheidung groß waren. Schließlich wandten sie sich an Quintus Fabius Sanga, der als Patron der Allobroger in Rom fungierte.
Sallust, De coniuratione Catilinae 40–41
Die Allobroger informierten Sanga über die Verschwörung. Cicero ließ sie anschließend auf Anweisung so tun, als würden sie die Verschwörer unterstützen. Dadurch konnten die Beteiligten Beweise sammeln.
Schließlich verlangten die Allobroger von den Verschwörern schriftliche Zusagen. Diese Dokumente wurden ihnen tatsächlich ausgehändigt. Auf dem Rückweg aus Rom wurden die Gesandten gemeinsam mit Titus Volturcius an der Milvischen Brücke festgenommen.
Sallust, De coniuratione Catilinae 44–45
Die Allobroger lieferten damit entscheidende Beweismittel gegen die Verschwörer. Cicero erwähnte ihre Rolle später ausdrücklich in seiner vierten Rede gegen Catilina und verwies darauf, dass der Senat die allobrogischen Gesandten für ihre Mitwirkung geehrt hatte.
Die Allobroger und Caesar
Als Caesar 58 v. Chr. den Gallischen Krieg begann, befanden sich die Allobroger bereits seit Jahrzehnten unter römischer Herrschaft. Trotzdem waren sie erst wenige Jahre zuvor erneut aufständisch gewesen.
Caesar bezeichnet sie deshalb als „nuper pacati“ – „erst kürzlich befriedet“.
Ihre Lage wurde bereits zu Beginn des Krieges strategisch wichtig. Die Helvetier wollten 58 v. Chr. durch das Gebiet der römischen Provinz ziehen. Eine mögliche Route führte zwischen dem Gebiet der Helvetier und dem der Allobroger entlang der Rhône.
Genava, das heutige Genf, lag dabei unmittelbar an der Grenze. Caesar marschierte deshalb nach Genf, ließ die dortige Brücke zerstören und verhinderte so den Übergang der Helvetier durch das allobrogische Gebiet.
Caesar, De bello Gallico 1,6–7
Die Allobroger als römische Verbündete
Die Ereignisse von 58 v. Chr. zeigen eine wichtige Veränderung in der Beziehung zwischen Rom und den Allobrogern.
Als die Helvetier schließlich durch das Gebiet der Sequaner und Häduer weitergezogen waren und deren Gebiete verwüsteten, wandten sich auch die Allobroger an Caesar. Caesar berichtet ausdrücklich:
Item Allobroges, qui trans Rhodanum vicos possessionesque habebant, fuga se ad Caesarem recipiunt.
Die Allobroger, die jenseits der Rhône Dörfer und Besitzungen hatten, flohen demnach zu Caesar und erklärten, dass ihnen außer dem Boden ihres Landes kaum noch etwas geblieben sei.
Die Allobroger im Gallischen Krieg
Die Allobroger spielten im eigentlichen Gallischen Krieg keine vergleichbare militärische Rolle wie etwa die Häduer, Arverner oder Nervier. Ihre Bedeutung lag vielmehr darin, dass ihr Gebiet bereits Teil der römischen Provinz war und als strategischer Ausgangsraum für Caesars Operationen diente.
Caesar konnte von der Provinz aus in das freie Gallien vorstoßen. Das Gebiet der Allobroger bildete dabei einen Teil des politischen und logistischen Umfelds, auf das er zurückgreifen konnte.
Ihre Nähe zu Genf und zur Rhône machte das Gebiet besonders wichtig für die Verbindung zwischen der römischen Provinz und dem Raum nördlich der Alpen.
Die Haltung gegenüber Vercingetorix
52 v. Chr., während des großen Aufstandes unter Vercingetorix, versuchten die gallischen Aufständischen, möglichst viele bisher mit Rom verbundene Gemeinschaften auf ihre Seite zu ziehen.
Die Allobroger schlossen sich der großen Aufstandsbewegung jedoch nicht an. Moderne Forschung hebt ausdrücklich hervor, dass sie ebenso wie einige andere Bevölkerungsgruppen der römischen Provinz nicht zu Vercingetorix übergingen.
Das ist besonders bemerkenswert, weil die Allobroger noch 61 v. Chr. selbst gegen Rom gekämpft hatten. Innerhalb von weniger als zehn Jahren hatte sich ihre politische Situation damit grundlegend verändert: Nach dem gescheiterten Aufstand war die römische Herrschaft offenbar so weit stabilisiert, dass die Allobroger 52 v. Chr. nicht mehr zu den großen Gegnern Caesars gehörten.
Von der keltischen civitas zur römischen Stadtwelt
Nach dem Ende der Gallischen Kriege entwickelte sich das Gebiet der Allobroger zunehmend zu einem Bestandteil der römischen Welt.
Besonders Vienna gewann an Bedeutung. Strabon beschreibt Vienna bereits in der frühen Kaiserzeit als eine Stadt, die aus dem früheren Hauptort der Allobroger hervorgegangen war und nun als bedeutendes urbanes Zentrum ausgebaut wurde.
Unter Augustus wurde Vienna zur colonia erhoben. Die Stadt entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Zentren Südgalliens. Ihr Territorium war groß und reichte weit in das frühere Gebiet der Allobroger hinein.
Auch Genava und Cularo, das spätere Grenoble, entwickelten sich zu bedeutenden Zentren innerhalb des ehemaligen allobrogischen Gebietes.