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Die Sequaner – Lage und Rolle im Gallischen Krieg
Wer waren die Sequaner?
Die Sequaner (Sequani) waren ein bedeutender keltischer Stamm im Osten Galliens. Ihr Siedlungsgebiet lag im Raum des heutigen Franche-Comté und erstreckte sich insbesondere über das Gebiet zwischen dem Jura, der Saône, dem Doubs und dem Rhein.
Ihre wichtigste Stadt war Vesontio, das heutige Besançon, das aufgrund seiner Lage am Doubs eine strategisch äußerst wichtige Position einnahm.
Caesar beschreibt den Jura ausdrücklich als Gebirge, das zwischen den Helvetiern und den Sequanern liegt. Damit bildete der Jura eine natürliche Grenze zwischen den beiden Völkern. Im Westen grenzte das Gebiet der Sequaner an die Häduer, mit denen sie insbesondere um die Kontrolle der Saône und die damit verbundenen Handelswege konkurrierten.
Caesar, De bello Gallico 1,2,3; 1,12,1; 1,33,4
Die Lage zwischen Jura, Saône und Rhein
Die geografische Lage machte das Gebiet der Sequaner besonders bedeutend. Mehrere wichtige Verkehrswege verliefen durch ihr Territorium. Vor allem die Saône stellte eine wichtige Verbindung zwischen dem Rhônegebiet und dem Inneren Galliens dar.
Caesar berichtet, dass der Fluss Arar, die heutige Saône, durch das Gebiet der Häduer und Sequaner fließt. Die Kontrolle über diesen Fluss war daher nicht nur eine Frage des Territoriums, sondern auch des Handels.
Die Lage der Sequaner zwischen dem gallischen Binnenland und dem Rhein machte ihr Gebiet außerdem zu einem wichtigen Zugang in Richtung Germanien. Gerade diese Lage sollte für die Ereignisse des Gallischen Krieges entscheidend werden.
Caesar, De bello Gallico 1,12,1; 1,33,3–4
Strabon, Geographica 4,3,2
Die Rivalität mit den Häduern
Eine der wichtigsten politischen Konfliktlinien in Ostgallien bestand zwischen den Sequanern und den Häduern.
Die beiden Völker konkurrierten um Macht und Einfluss in Gallien. Dabei ging es unter anderem um die Kontrolle der Saône und ihrer Handelswege. Die Häduer hatten sich bereits früh mit Rom verbündet und wurden von den Römern als „Brüder und Blutsverwandte“ bezeichnet.
Die Sequaner standen dagegen in einem deutlich schwierigeren Verhältnis zu den Häduern. Um ihren Rivalen entgegenzutreten, suchten sie schließlich Unterstützung bei einer Macht außerhalb Galliens: nämlich bei den Germanen unter Ariovistus.
Caesar, De bello Gallico 1,31,3–4
Strabon, Geographica 4,3,2
Die Anwerbung des Ariovistus
Die Entscheidung der Sequaner, Ariovistus, einen mächtigen Anführer der Sueben, nach Gallien zu holen, war ein entscheidender Wendepunkt.
Nach Caesars Darstellung hatten die Arverner und Sequaner die Germanen gegen die Häduer zu Hilfe gerufen. Ariovistus und seine Truppen unterstützten die Sequaner im Konflikt mit den Häduern und errangen einen bedeutenden Sieg bei Magetobriga.
Damit schienen die Sequaner zunächst einen politischen Erfolg erzielt zu haben: Ihr großer Rivale, die Häduer, war geschwächt worden.
Doch die Hilfe der Germanen erwies sich bald als verhängnisvoll.
Caesar, De bello Gallico 1,31,3–7
Aus Verbündeten werden Unterworfene
Ariovistus beschränkte sich nämlich nicht darauf, den Sequanern militärisch zu helfen. Er begann, sich dauerhaft in Gallien festzusetzen.
Nach Caesars Darstellung hatten die Germanen zunächst den Rhein überschritten und sich im Gebiet der Sequaner niedergelassen. Ariovistus besetzte schließlich ein Drittel des besten Landes der Sequaner. Als weitere germanische Gruppen eintrafen, verlangte er sogar ein weiteres Drittel ihres Landes.
Damit wurden die Sequaner Opfer ihrer eigenen politischen Entscheidung.
Caesar schildert ihre Situation besonders eindrucksvoll: Während die anderen gallischen Stämme noch hoffen konnten, vor Ariovistus zu fliehen, waren die Sequaner innerhalb ihres eigenen Gebietes gefangen. Ihre Städte befanden sich unter der Kontrolle des Germanenkönigs, und sie wagten es aus Angst vor ihm nicht einmal, offen über ihre Lage zu klagen.
Caesar, De bello Gallico 1,31,10–14; 1,32,2–5
Die Sequaner während Caesars Feldzug
Als Caesar im Jahr 58 v. Chr. nach Gallien kam, befanden sich die Sequaner daher in einer äußerst schwierigen Lage.
Zunächst hatten sie eine wichtige Rolle bei der Aufnahme der Helvetier gespielt. Als die Helvetier ihre Heimat verlassen wollten, gab es für ihren Zug unter anderem einen Weg durch das Gebiet der Sequaner. Mit Hilfe des Häduers Dumnorix konnten sie schließlich die Erlaubnis erhalten, durch das Gebiet der Sequaner zu ziehen.
Caesar, De bello Gallico 1,9,1–4
Nachdem die Helvetier das Gebiet der Sequaner durchquert hatten, gelangten sie in das Gebiet der Häduer. Caesar griff daraufhin in den Konflikt ein und besiegte die Helvetier.
Vesontio – die bedeutendste Stadt der Sequaner
Eine besondere Bedeutung besaß Vesontio, das heutige Besançon.
Nachdem Caesar die Helvetier besiegt hatte, wandte er sich gegen Ariovistus. Auf seinem Weg marschierte er nach Vesontio, das er als die größte und am besten befestigte Stadt der Sequaner beschreibt.
Die Lage der Stadt war außergewöhnlich günstig: Vesontio lag innerhalb einer großen Schleife des Doubs und war dadurch von Natur aus stark geschützt. Caesar erkannte deshalb sofort ihre militärische Bedeutung und ließ dort seine Truppen Stellung beziehen.
Vesontio wurde damit zum wichtigen Ausgangspunkt für Caesars Feldzug gegen Ariovistus.
Die Sequaner zwischen Caesar und Ariovistus
Die Situation der Sequaner zeigt besonders deutlich die schwierige Lage vieler gallischer Völker zu Beginn des Gallischen Krieges.
Einerseits hatten sie selbst dazu beigetragen, Ariovistus nach Gallien zu holen. Andererseits litten sie nun unter dessen Herrschaft. Caesar konnte deshalb seine Intervention gegen Ariovistus auch als eine Art Befreiung der Sequaner und anderer Gallier von der germanischen Herrschaft darstellen.
Für Caesar war die Angelegenheit allerdings nicht nur eine Hilfeleistung für die Sequaner. Er sah die zunehmende Ansiedlung germanischer Gruppen westlich des Rheins als Gefahr für die römische Provinz und letztlich auch für Italien. Die Sequaner lagen dabei genau zwischen dem römischen Machtbereich und den germanischen Siedlungsgebieten.
Caesar, De bello Gallico 1,33,2–4
Nach der Niederlage des Ariovistus
Im Jahr 58 v. Chr. besiegte Caesar Ariovistus. Die germanischen Truppen wurden über den Rhein zurückgedrängt. Damit endete zunächst die unmittelbare germanische Vorherrschaft über das Gebiet der Sequaner.
Für Caesar war der Feldzug zugleich ein wichtiger Schritt zur Sicherung seiner Stellung in Gallien. Nach dem Sieg ließ er seine Truppen für den Winter sogar im Gebiet der Sequaner lagern.
Caesar, De bello Gallico 1,48–53; 1,54
Die Sequaner waren damit bereits im ersten Jahr des Gallischen Krieges unmittelbar in Caesars militärische Operationen hineingezogen worden.
Die Sequaner als Beispiel für Caesars Darstellung
Bei der Betrachtung von Caesars Bellum Gallicum sollte allerdings berücksichtigt werden, dass die Ereignisse aus Caesars Perspektive überliefert sind.
Caesar präsentiert sich als Schutzmacht der bedrängten Gallier und stellt Ariovistus als gefährlichen und grausamen Fremdherrscher dar. Die Situation der Sequaner eignet sich für diese Darstellung besonders gut: Sie hatten die Germanen ursprünglich selbst gerufen, wurden anschließend aber von ihnen unterdrückt und konnten sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien.
Damit konnte Caesar seinen Krieg gegen Ariovistus zugleich als Schutz der Gallier und als notwendige Sicherung der römischen Interessen darstellen.
Die spätere Darstellung bei Strabon bestätigt zumindest den grundlegenden Konflikt zwischen Sequanern, Häduern und Germanen, wobei Strabon die Rivalität um die Saône und ihre Zölle besonders hervorhebt.
Strabon, Geographica 4,3,2