Der Legat (Legatus)
Ein Legat (legatus) war im römischen Staat ein hoher Beauftragter oder Stellvertreter eines Magistraten oder Feldherrn. Besonders im militärischen Bereich spielte dieses Amt eine wichtige Rolle: Ein Legat konnte im Auftrag eines Konsuls oder später eines Kaisers Truppen führen, diplomatische Aufgaben übernehmen oder Provinzen verwalten.
Allgemeine Bedeutung des Amtes
Das lateinische Wort legatus bedeutet wörtlich „Gesandter“ oder „Beauftragter“. Ein Legat wurde von einem ranghöheren Amtsträger ausgewählt und handelte in dessen Namen. Ob er wirklich persönlich ausgewählt wurde oder eher vom Senat dorthin bestellt wurde, ist fraglich. Wahrscheinlich war es etwas von beidem.
Die genaue Aufgabe konnte daher unterschiedlich sein. Ein Legat konnte zum Beispiel:
militärischer Stellvertreter eines Feldherrn sein
als Gesandter in diplomatischen Missionen auftreten
eine Legion oder einen Teil eines Heeres befehligen
später auch Provinzen verwalten
In der römischen Republik wurden Legaten meist aus dem Kreis der Senatoren ausgewählt.
Der Legat im römischen Heer
Am bekanntesten ist das Amt des Legaten im Militär. Wenn ein Konsul oder Prokonsul ein Heer führte, standen ihm mehrere Legaten zur Seite.
Ihre Aufgaben waren unter anderem:
Führung einzelner Legionen oder Heeresabteilungen
Beratung des Oberbefehlshabers im Kriegsrat
Durchführung besonderer militärischer Missionen
Verwaltung von Truppen und Nachschub
Ein Legat war also gewissermaßen ein hochrangiger Offizier und Stellvertreter des Feldherrn. Er führte eine mehr oder weniger eigenständiges Kommando und konnte auch autonom Entscheidungen treffen und auf Gefahren reagieren. Siehe beispielsweise Cäsar und seine Legaten im Gallischen Krieg.
Diese Struktur ähnelt Napoleons Corps System, in dem seine Marechals unabhängig und getrennt voneinander marschierten und handeln konnten, aber dennoch bei großen Schlachten wieder gemeinsam unter dem Oberbefehl von Napoleon kämpften.
Entwicklung in der Kaiserzeit
In der Kaiserzeit wurde das Amt noch wichtiger. Der Kaiser ernannte nun sogenannte Legati Augusti, die als Statthalter kaiserlicher Provinzen dienten. (Im Gegensatz zu den senatorischen Provinzen, Augustus wurden damals direkt Provinzen unterstellt, sodass er Stellvertreter brauchte, die diese Aufgaben übernehmen konnten)
Diese Männer hatten oft gleichzeitig:
militärische Befehlsgewalt über Legionen
Verwaltungsaufgaben in der Provinz
Der Legat gehörte damit zur höchsten Führungsschicht des römischen Reiches.
Legaten als Gesandte
Neben militärischen Aufgaben wurden Legaten auch als diplomatische Gesandte eingesetzt. Der römische Senat konnte beispielsweise Legaten entsenden, um:
Verträge auszuhandeln
Bündnisse zu schließen
fremde Herrscher zu empfangen
Streitigkeiten zwischen Staaten zu klären
In diesem Sinne entspricht der Legat teilweise einem Botschafter oder Sondergesandten.