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Der Häduer Dumnorix und seine Rolle im Gallischen Krieg
Wer war Dumnorix?
Dumnorix war ein Angehöriger der führenden Aristokratie der Häduer (Aedui) und gehörte zu den einflussreichsten gallischen Politikern zur Zeit Caesars. Er war der Bruder des Häduers Diviciacus, der eine enge Verbindung zu Rom pflegte und Caesar während des Gallischen Krieges unterstützte.
Dumnorix selbst verfolgte dagegen eine wesentlich eigenständigere Politik. Er verfügte über ein großes persönliches Ansehen innerhalb der häduischen Bevölkerung, unterhielt eigene Gefolgschaften und besaß weitreichende Beziehungen zu anderen gallischen Völkern. Dadurch wurde er für Caesar zu einem wichtigen politischen Gegner.
Bereits vor Caesars Eingreifen in Gallien war Dumnorix eine bedeutende Persönlichkeit. Caesar berichtet, dass Orgetorix, der mächtige Anführer der Helvetier, Dumnorix für seinen Plan eines Bündnisses der führenden gallischen Völker gewinnen wollte. Dumnorix sollte gemeinsam mit Orgetorix und dem Sequanerkönig Casticus eine politische Machtposition aufbauen. Orgetorix gab Dumnorix außerdem seine Tochter zur Frau.
Caesar, De bello Gallico 1,3,4–7
Dumnorix und seine politische Macht
Dumnorix verfügte über eine ungewöhnlich starke persönliche Machtbasis. Caesar beschreibt ihn als einen Mann, der beim Volk aufgrund seiner Freigiebigkeit sehr beliebt war.
Seinen Reichtum hatte Dumnorix unter anderem dadurch vermehrt, dass er über mehrere Jahre hinweg die Zölle und sonstigen Abgaben der Häduer gepachtet hatte. Nach Caesars Darstellung konnte er sich bei diesen Versteigerungen gegen andere Bewerber problemlos durchsetzen, weil niemand es wagte, gegen ihn zu bieten.
Mit den dadurch erworbenen finanziellen Mitteln konnte Dumnorix wiederum seine politische Stellung stärken. Er unterhielt auf eigene Kosten eine beträchtliche Zahl von Reitern, die ständig in seiner Umgebung waren. Seine Macht beruhte damit nicht allein auf einem offiziellen Amt, sondern auch auf Reichtum, persönlicher Gefolgschaft und einem weitreichenden Netz politischer Beziehungen.
Caesar, De bello Gallico 1,18,3–5
Caesar berichtet außerdem, dass Dumnorix durch Heiratsverbindungen Beziehungen zu mehreren gallischen Gemeinschaften aufgebaut hatte. Seine Mutter war mit einem bedeutenden Mann der Bituriger verbunden, er selbst hatte eine helvetische Frau, und weitere weibliche Angehörige seiner Familie waren mit Männern anderer gallischer Völker verheiratet.
Diese Verbindungen machten Dumnorix zu einer wichtigen Persönlichkeit weit über das Gebiet der Häduer hinaus.
Caesar, De bello Gallico 1,18,5–7
Dumnorix und die Helvetier
Besonders problematisch für Caesar waren die Beziehungen des Dumnorix zu den Helvetiern.
Bereits vor Caesars Ankunft in Gallien hatte Dumnorix enge Verbindungen zu ihnen aufgebaut. Als die Helvetier im Jahr 58 v. Chr. ihre Heimat verlassen wollten, spielte Dumnorix eine wichtige Rolle bei der Organisation ihres Durchzugs durch das Gebiet der Sequaner.
Caesar warf ihm vor, die Helvetier unterstützt und sogar die Stellung von Geiseln zwischen den beteiligten Parteien vermittelt zu haben.
Caesar, De bello Gallico 1,9,4; 1,19,1
Dumnorix und Caesars Misstrauen
Als Caesar während des Feldzugs im Jahr 58 v. Chr. Probleme bei der Versorgung seines Heeres feststellte, geriet Dumnorix erneut in den Mittelpunkt.
Der häduische Magistrat Liscus erklärte Caesar schließlich unter vier Augen, dass eine mächtige Persönlichkeit innerhalb der Häduer die Zusammenarbeit mit den Römern behindere. Caesar erkannte schnell, dass damit Dumnorix gemeint war.
Nach Liscus' Aussagen war Dumnorix ein äußerst mutiger beziehungsweise verwegener Mann, der wegen seiner Freigiebigkeit beim Volk sehr beliebt war und nach politischen Veränderungen strebte.
Auch beim Kampf zwischen der römischen und der helvetischen Reiterei soll Dumnorix eine problematische Rolle gespielt haben. Er führte die von den Häduern zur Unterstützung Caesars geschickte Reiterei und soll nach Caesars Darstellung den Rückzug seiner Reiter eingeleitet haben, wodurch die übrige Reiterei in Panik geriet.
Caesar, De bello Gallico 1,16–18
Der Konflikt mit seinem Bruder Diviciacus
Dumnorix stand damit politisch seinem eigenen Bruder Diviciacus gegenüber.
Während Diviciacus die Verbindung der Häduer mit Rom unterstützte und Caesar gegenüber großes Vertrauen zeigte, besaß Dumnorix eigene politische Ziele und war mit der zunehmenden römischen Einflussnahme nicht einverstanden.
Caesar betont ausdrücklich, dass Dumnorix' politische Stellung auch dadurch gewachsen war, dass sein Bruder Diviciacus zuvor eine besonders einflussreiche Position innerhalb der Häduer besessen hatte.
Caesar, De bello Gallico 1,18,6–7; 1,20,2
Diviciacus bittet Caesar um Gnade
Caesar sah schließlich genügend Gründe, gegen Dumnorix vorzugehen. Besonders belastend waren für ihn dessen Unterstützung der Helvetier, seine eigenmächtigen politischen Aktivitäten und die Vorwürfe des häduischen Magistrats.
Eine Sache hielt Caesar jedoch zurück: Diviciacus.
Caesar wusste, wie loyal Diviciacus gegenüber Rom und ihm selbst war. Deshalb ließ er den Bruder des Dumnorix zu sich kommen und erklärte ihm die gegen Dumnorix erhobenen Vorwürfe.
Diviciacus reagierte mit großer emotionaler Erregung. Er umarmte Caesar und bat ihn unter Tränen, seinen Bruder nicht zu hart zu bestrafen. Dabei leugnete Diviciacus die Vorwürfe ausdrücklich nicht. Er erklärte sogar, dass er selbst besonders stark unter dem Verhalten seines Bruders leide.
Seine Bitte begründete er vor allem mit seiner Bruderliebe und mit der politischen Wirkung einer Bestrafung. Wenn Dumnorix durch Caesar bestraft würde, könnten die Gallier glauben, dass dies auf Wunsch des Diviciacus geschehen sei.
Caesar, De bello Gallico 1,19–20
Dumnorix und Caesars zweiter Britannienfeldzug
Als Caesar seinen zweiten Feldzug nach Britannien vorbereitete, versammelte er die führenden Männer verschiedener gallischer Gemeinschaften. Einige von ihnen wollte er als Geiseln mit nach Britannien nehmen, damit sie während seiner Abwesenheit keinen Aufstand in Gallien begannen.
Auch Dumnorix sollte Caesar begleiten.
Caesar erklärt ausdrücklich, warum er gerade ihn besonders ungern zurücklassen wollte: Dumnorix sei „cupidus rerum novarum, cupidus imperi“, also begierig nach politischen Veränderungen und nach Macht. Außerdem besitze er großen Einfluss bei den Galliern.
Hinzu kam ein Gerücht, das Dumnorix selbst verbreitet hatte: Er soll in einer Versammlung der Häduer behauptet haben, Caesar wolle ihm die Königsherrschaft über die Häduer übertragen.
Caesar, De bello Gallico 5,5–6
Die Häduer selbst sollen diese Behauptung mit großer Empörung aufgenommen haben.
Dumnorix versucht, die Gallier gegen Caesar aufzubringen
Dumnorix wollte nicht mit Caesar nach Britannien reisen. Zunächst bat er darum, in Gallien bleiben zu dürfen. Als Caesar dies ablehnte, begann er, andere gallische Anführer zu beeinflussen.
Nach Caesars Darstellung behauptete Dumnorix, es sei kein Zufall, dass Caesar die gallische Aristokratie nach Britannien bringen wolle. Caesar beabsichtige angeblich, diejenigen gallischen Adligen dort zu töten, die er in Gallien selbst nicht offen beseitigen könne.
Dumnorix versuchte außerdem, die anderen Anführer durch einen Eid zu einer gemeinsamen Politik zu verpflichten.
Caesar, De bello Gallico 5,6,4–6
Für Caesar war damit endgültig klar, dass Dumnorix während seiner Abwesenheit zu einer Gefahr werden konnte.
Der Tod des Dumnorix
Als Caesar schließlich zur Überfahrt nach Britannien aufbrach, floh Dumnorix mit häduischen Reitern aus dem Lager.
Caesar ließ ihn verfolgen und befahl, ihn zurückzubringen. Falls Dumnorix sich gewaltsam widersetzen sollte, erhielt die römische Reiterei den ausdrücklichen Befehl, ihn zu töten.
Dumnorix widersetzte sich tatsächlich. Er versuchte, sich mit Gewalt zu verteidigen und rief seine Anhänger zu Hilfe.
Die Soldaten umzingelten ihn und töteten ihn.
Caesar, De bello Gallico 5,7,5–9
Damit endete im Jahr 54 v. Chr. das Leben eines der bedeutendsten politischen Gegner Caesars unter den Häduern.