Pater patratus - Bedeutung und Bezeichnung
Der pater patratus war ein speziell bestimmter Vertreter der Fetialen und handelte als offizieller Sprecher des römischen Volkes bei Vertragsabschlüssen und Kriegserklärungen. Die Bezeichnung pater patratus lässt sich als „feierlich bestellter Vater“ oder sinngemäß als Vertragspriester verstehen.
Aufgaben des pater patratus
Der pater patratus sprach bei völkerrechtlichen Handlungen die verbindlichen Eides- und Vertragsformeln. Er schwor im Namen Roms, dass die Vereinbarungen eingehalten würden, und rief die Götter als Zeugen an. Seine Worte hatten rechtliche wie religiöse Gültigkeit.
Der pater patratus bei Verträgen
Bei der Schließung von Verträgen (foedera) leitete der pater patratus das Ritual, bei dem ein Opfer dargebracht und der Vertrag durch einen feierlichen Eid besiegelt wurde. Die Verletzung eines solchen Vertrags galt als schweres religiöses Vergehen gegen die fides.
Der pater patratus bei Kriegserklärungen
Auch bei der formellen Kriegserklärung trat der pater patratus auf. Nachdem Wiedergutmachung gefordert worden war, erklärte er den Krieg in einem rituellen Akt. Damit wurde der Krieg nicht nur politisch, sondern auch religiös legitimiert.
Bedeutung im römischen Staatswesen
Der pater patratus steht exemplarisch für die enge Verbindung von Religion, Recht und Außenpolitik im frühen Rom. Er verkörpert den Anspruch, dass römisches Handeln gegenüber anderen Völkern auf göttlicher Ordnung und rechtmäßigen Verfahren beruhte.