Fides - Wesen und Bedeutung
Fides ist die römische Göttin der Treue, Verlässlichkeit und Vertragstreue. Sie verkörpert das Vertrauen zwischen Menschen, zwischen Staat und Bürgern sowie zwischen Rom und seinen Verbündeten. Fides ist weniger eine persönliche Gottheit als vielmehr die Personifikation eines der zentralen römischen Werte.
Fides im frühen Rom
Bereits in der frühen römischen Geschichte spielt Fides eine wichtige Rolle. Bei Titus Livius erscheint sie als grundlegendes Prinzip des römischen Gemeinwesens, insbesondere im Umgang mit Bündnispartnern, Gesandten und besiegten Feinden. Die Wahrung der fides galt als Voraussetzung für politische Stabilität und moralische Überlegenheit (vgl. AUC, 1, 21).
Kult und religiöse Praxis
Der Kult der Fides war eng mit staatlichen und diplomatischen Handlungen verbunden. Priester verrichteten Opferhandlungen häufig mit ihrer Rechten Hand, die ausgenommen der Finger vollständig verhüllt war, um die Heiligkeit des gegebenen Wortes zu symbolisieren. Eide, Verträge und Bündnisse standen unter dem Schutz der Göttin (vgl. AUC, 1, 21).
Tempel der Fides
Ein Tempel der Fides Publica befand sich auf dem Kapitol. Dort wurden Staatsverträge, Gesandtschaftsabkommen und wichtige Dokumente aufbewahrt. Der Ort unterstrich die Bedeutung der Fides als Fundament der römischen Außen- und Innenpolitik.
Bedeutung für das römische Selbstverständnis
Fides war ein zentraler Maßstab römischer Identität. Die Römer sahen in ihr den Grund dafür, dass ihr Staat Bestand hatte und Vertrauen bei anderen Völkern genoss. Verstöße gegen die fides galten nicht nur als politisches, sondern auch als religiöses Vergehen.
Ob dieser Maßstab auch auf "unzivilisierte" Völker zutraf ist eine andere Frage, galt es beispielsweise als genauso frevelhaft Verträge mit römischen Bundesgenossen und Verbündeten zu brechen wie Verträge mit Galliern und Iberern zu brechen?