Die Fetialen (fetiales) - Wesen und Aufgabe
Die Fetialen (fetiales) waren ein römisches Priesterkollegium aus 20 Personen, das für die rituelle Regelung von Krieg und Frieden zuständig war. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, sicherzustellen, dass Rom nur dann Krieg führte, wenn dieser religiös und rechtlich gerechtfertigt war (bellum iustum).
Der Fetialpriester
Ein einzelner Vertreter des Kollegiums wird häufig als fetialis bezeichnet. Er trat im Namen des römischen Volkes auf, sprach festgelegte Formeln und führte die vorgeschriebenen Rituale aus, etwa bei der Forderung von Wiedergutmachung oder bei der formellen Kriegserklärung.
Rolle bei Kriegserklärungen
Vor einem Krieg entsandte Rom einen Fetialpriester zum Gegner, um Genugtuung (res repetere) zu verlangen. Wurde diese verweigert, erklärte der Fetialpriester nach Ablauf einer Frist von meist 30 Tagen den Krieg in einem rituellen Akt, bei dem ein Speer in das feindliche Gebiet geworfen wurde. Dadurch erhielt der Krieg religiöse Legitimation.
Die Fetialen bei Livius
Bei Titus Livius erscheinen die Fetialen besonders in der frühen römischen Geschichte. Sie stehen für Roms Anspruch, auch im Krieg gerecht, rechtmäßig und gottgefällig zu handeln. Ihre Erwähnung unterstreicht den engen Zusammenhang von Religion, Recht und Politik im archaischen Rom (vgl. AUC, 1, 24).
Bedeutung für das römische Selbstverständnis
Die Fetialen verkörpern die römische Vorstellung, dass staatliches Handeln göttlicher Ordnung unterliegt. Selbst militärische Gewalt durfte nur im Einklang mit religiösen Normen erfolgen. Damit wurden die Fetialen zu Hütern der römischen fides gegenüber anderen Völkern. Ohne eine religiöse Legitimation konnte und durfte kein Krieg geführt werden. Feldherren oder Personen, die dies nicht beachtet hatten, wurden sanktioniert und bestraft.