Die Stadt Aricia – Politisches Zentrum des latinischen Bundes
Aricia war eine bedeutende antike Stadt in Latium, südöstlich von Rom, am Rand der Albaner Berge (heute etwa beim Ort Ariccia). In der Frühzeit spielte Aricia eine zentrale Rolle innerhalb des latinischen Bundes und war damit eine der wichtigsten Städte neben Rom.
Lage und Bedeutung
Aricia lag an einer strategisch wichtigen Stelle:
auf der Via Appia (spätere Hauptstraße Roms)
zwischen Rom und weiteren latinischen Städten
nahe wichtiger Heiligtümer und Versammlungsorte
Die Stadt war damit ein natürlicher Knotenpunkt zwischen Rom und den anderen latinischen Städten.
Aricia und der latinische Bund
In der Frühzeit Latiums war Aricia eine der führenden Städte des latinischen Bundes, eines lockeren Zusammenschlusses selbstständiger latinischer Gemeinden.
Im Umfeld von Aricia befand sich auch der berühmte: lucus Ferentinae (Hain der Ferentia) der wichtigste Versammlungsort der Latiner
Hier trafen sich regelmäßig die Vertreter der Städte, um:
Bündnisse zu schließen
gemeinsam über Krieg und Frieden zu beraten
Verträge zu bestätigen
Aricia war also so etwas wie die politische und religiöse Hauptstadt der Latiner vor der römischen Vorherrschaft.
Aricia bei Livius
Bei Livius erscheint Aricia mehrfach:
als Versammlungsort des Bundes (vgl. AUC, 1, 50)
als Bühne für diplomatische Konflikte (vgl. AUC, 1, 50)
als Zentrum der latinischen Opposition gegen Rom
als panlatinisches Heiligtum nach dem Vorbild des Artemision aus Ephesus (vgl. AUC, 1, 45)
Besonders wichtig ist Aricia in der Phase, in der Rom beginnt, sich von einem Mitglied des Bundes zu dessen Führungsmacht zu entwickeln.
Der Tempel der Diana Nemorensis (vgl. AUC, 1, 45)
In der Nähe von Aricia lag eines der berühmtesten Heiligtümer Italiens:
Diana Nemorensis (Diana vom Nemi-See)
Dieser Kult war:
panlatinisch (für alle Latiner)
politisch hochsymbolisch
eng mit Königtum und Herrschaft verbunden
Der Priester dieses Heiligtums („Rex Nemorensis“) war Teil einer archaischen Kultform, die noch sehr vorstaatlich wirkte.
Historische Entwicklung
Frühzeit
Aricia ist mächtig, eigenständig, führend im Bund.
Aufstieg Roms
Rom übernimmt schrittweise die Kontrolle über Latium.
Nach 5. Jh. v. Chr.
Aricia wird römischer Bundesgenosse und später vollständig integriert, so wie die meisten latinischen Städte im Umkreis Roms.
Gesamtbedeutung
Aricia steht historisch für:
das alte Latium vor dem Aufstieg Roms
frühe Formen von Bundespolitik
die Verbindung von Religion und Diplomatie