Cumae (Kyme) – griechische Kolonie in Kampanien
Cumae war eine der ältesten und bedeutendsten griechischen Kolonien in Italien. Die Stadt lag an der Küste Kampaniens westlich von Neapel und wurde im 8. Jahrhundert v. Chr. von griechischen Siedlern gegründet. Durch ihre Lage entwickelte sich Cumae zu einem wichtigen kulturellen und politischen Zentrum, das starken Einfluss auf die Entwicklung Mittelitaliens und auch auf Rom ausübte.
Lage und Bedeutung
Cumae lag nördlich der Bucht von Neapel und gehörte zu den wichtigsten Städten der griechischen Kolonisation in Italien, der sogenannten Magna Graecia.
Die Stadt wurde vermutlich von Griechen aus Euböa gegründet, insbesondere aus den Städten Chalkis und Eretria. Von Cumae aus verbreitete sich griechische Kultur, Handel und Schrift nach Mittelitalien.
Besonders wichtig war Cumae als Vermittler zwischen Griechen, Etruskern und italischen Völkern.
Die Cumäische Sibylle
Eine der berühmtesten Figuren der antiken Tradition ist die Cumäische Sibylle. Sie war eine Seherin, die in einer Höhle bei Cumae lebte und göttliche Orakel verkündete.
In der römischen Literatur spielt sie eine wichtige Rolle. Besonders bekannt ist ihre Erscheinung in der Aeneis von Vergil, wo sie den Helden Aeneas in die Unterwelt führt.
Cumae und Rom
Cumae stand auch in enger Beziehung zur frühen Geschichte Roms. Ein wichtiger kultureller Einfluss war das griechische Alphabet, das über Cumae zu den Etruskern gelangte und schließlich zur Grundlage des lateinischen Alphabets wurde.
Politisch spielte die Stadt ebenfalls eine Rolle in den Konflikten zwischen Griechen und Etruskern. Im Jahr 474 v. Chr. besiegten die Griechen von Cumae gemeinsam mit Syrakus eine etruskische Flotte in einer wichtigen Seeschlacht bei Cumae. Diese Niederlage schwächte die etruskische Macht in Süditalien erheblich.
Niedergang der Stadt
Im Laufe des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr. verlor Cumae allmählich an Bedeutung. Die Stadt wurde zunächst von italischen Stämmen erobert, besonders von den Samniten. Später geriet sie unter römische Herrschaft und wurde schließlich Teil des römischen Staatsgebiets.
Trotzdem blieb Cumae noch lange ein bedeutender religiöser Ort, vor allem wegen des berühmten Orakels der Sibylle. Diese Höhle der Sibylle lässt sich beispielsweise sogar heute noch im Umkreis von Neapel besichtigen.