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Die Piraten im Mittelmeer und der große Piratenkrieg des Pompeius
Im 1. Jahrhundert v. Chr. wurde das Mittelmeer von einem Piratenproblem heimgesucht, das Rom zunehmend bedrohte. Besonders die Seeräuber aus Kilikien an der Südküste Kleinasiens kontrollierten wichtige Seewege, überfielen Handelsschiffe und verschleppten Menschen in die Sklaverei. Zeitweise waren selbst die Küsten Italiens nicht mehr sicher. Die Krise wurde schließlich durch den Feldherrn Gnaeus Pompeius Magnus beendet, der im Jahr 67 v. Chr. einen groß angelegten Feldzug gegen die Piraten führte und innerhalb weniger Monate deren Macht brach.
Warum gab es so viele Piraten?
Piraterie war im Mittelmeer nichts Neues. Schon seit Jahrhunderten gab es Seeräuber, doch im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. verschärfte sich die Lage erheblich.
Dafür gab es mehrere Gründe:
Der Niedergang der hellenistischen Reiche
Nach dem Zerfall der Diadochenreiche, also den Nachfolgerreichen von den Generälen von Alexander dem Großen, verloren viele Küstengebiete ihre starke staatliche Kontrolle. Zahlreiche Regionen boten Piraten sichere Rückzugsorte. Vor allem das schwächer Werden der Seleukiden und Ptolemäer in Ägypten sorgte für diesen Rückgang staatlicher Kontrolle.
Die römische Expansion
Rom beherrschte zwar immer größere Gebiete, verfügte aber lange Zeit über keine ausreichend starke Flotte zur dauerhaften Sicherung des gesamten Mittelmeers. Rom hatte durch seine Expansion nach Osten und der Vernichtung von Karthago immer längere Seewege und Handelsrouten zu sichern.
Die Nachfrage nach Sklaven
Die Piraten verdienten enorme Summen durch den Menschenhandel. Gefangene wurden auf den großen Sklavenmärkten verkauft, insbesondere auf Delos einem der größten Handelsplätze des östlichen Mittelmeers.
Die kilikischen Piraten
Das Zentrum der Piraterie lag in Kilikien
Die zerklüftete Küste mit ihren zahlreichen Buchten und Verstecken war ideal für Piraten.
Die Seeräuber waren keineswegs nur kleine Räuberbanden.
Sie verfügten über:
eigene Flotten
befestigte Stützpunkte
große Geldmittel
politische Verbündete
Teilweise agierten sie beinahe wie kleine Staaten.
Die Bedrohung für Rom
In den Jahrzehnten vor Pompeius erreichte die Piraterie ihren Höhepunkt.
Die Piraten:
plünderten Küstenstädte
überfielen Handelsschiffe
entführten wohlhabende Römer
störten die Getreideversorgung Italiens
Besonders gefährlich war ihre Kontrolle über die Getreidetransporte.
Rom war inzwischen stark von Getreideimporten abhängig. Wenn diese Lieferungen ausblieben, drohten Hungersnöte und politische Unruhen.
Der junge Caesar und die Piraten
Eine berühmte Episode betrifft Gaius Julius Caesar
Als junger Mann wurde Caesar um 75 v. Chr. von Piraten gefangen genommen.
Die Überlieferung berichtet, dass er seine Entführer verspottete und ihnen ankündigte, sie nach seiner Freilassung kreuzigen zu lassen.
Nachdem das Lösegeld bezahlt worden war, stellte Caesar tatsächlich Schiffe auf, fing die Piraten und ließ sie hinrichten.
Die Geschichte zeigt, wie selbst Angehörige der römischen Oberschicht von der Piraterie betroffen waren.
Die Lex Gabinia (67 v. Chr.)
Angesichts der Krise brachte der Volkstribun Aulus Gabinius ein Gesetz ein:
die Lex Gabinia.
Dieses Gesetz verlieh Pompeius außerordentliche Vollmachten.
Er erhielt:
Oberbefehl über das gesamte Mittelmeer
Befehlsgewalt bis etwa 80 Kilometer ins Landesinnere der Küstengebiete
Zugriff auf enorme finanzielle Mittel
eine gewaltige Flotte
Viele Senatoren fürchteten, dass diese Machtfülle zu groß sei, doch das Volk unterstützte den Plan.
Der Piratenkrieg des Pompeius
Pompeius ging äußerst systematisch vor.
Erste Phase: Das westliche Mittelmeer
Er teilte das Mittelmeer in mehrere Einsatzgebiete auf und setzte dort Unterbefehlshaber ein.
Innerhalb weniger Wochen säuberte er:
Italien
Sizilien
Sardinien
die Küsten Spaniens
Nordafrika
von Piraten.
Zweite Phase: Das östliche Mittelmeer
Anschließend konzentrierte er seine Kräfte gegen die Hauptstützpunkte in Kilikien.
Die entscheidende Schlacht fand nahe Korakesion statt.
Viele Piraten ergaben sich bereits, bevor es zu größeren Kämpfen kam.
Pompeius' ungewöhnliche Politik
Pompeius beschränkte sich nicht auf Bestrafung.
Er erkannte, dass viele Piraten aus wirtschaftlicher Not handelten.
Daher siedelte er zahlreiche ehemalige Piraten um.
Besonders bekannt ist die Ansiedlung bei Soli, die später den Namen Pompeiopolis erhielt.
Dadurch sollten die ehemaligen Seeräuber zu friedlichen Bauern und Bürgern werden.
Wie lange dauerte der Krieg?
Die antiken Quellen betonen immer wieder die Geschwindigkeit des Erfolgs.
Nach Angaben von Plutarch
brauchte Pompeius ungefähr:
40 Tage für das westliche Mittelmeer
weitere wenige Wochen für den Osten
Innerhalb von etwa drei Monaten war das Piratenproblem weitgehend gelöst.
Die genauen Zahlen sind wahrscheinlich etwas idealisiert, doch der Erfolg war tatsächlich außergewöhnlich schnell.
Folgen des Sieges
Der Sieg hatte weitreichende Folgen:
Sicherung der Handelswege
Die Schifffahrt wurde deutlich sicherer.
Schutz der Getreideversorgung
Rom konnte wieder zuverlässig mit Getreide versorgt werden.
Aufstieg des Pompeius
Der Erfolg machte Pompeius zum angesehensten Feldherrn seiner Zeit.
Nur kurze Zeit später erhielt er durch die Lex Manilia (66 v. Chr.)
auch den Oberbefehl im Krieg gegen Mithridates VI. Eupator.
Cicero und Pompeius
Der Piratenkrieg spielt auch bei Marcus Tullius Cicero
eine wichtige Rolle.
In seiner Rede Pro Lege Manilia lobt Cicero Pompeius ausdrücklich für die rasche und erfolgreiche Bekämpfung der Piraten und nutzt diesen Erfolg als Argument für dessen weiteren Oberbefehl gegen Mithridates.