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Der Flamen Quirinalis – Der Priester des Gottes Quirinus
Der Flamen Quirinalis war einer der höchsten Priester des römischen Staatskultes und diente dem Gott Quirinus. Zusammen mit dem Flamen Dialis (Priester des Jupiter) und dem Flamen Martialis (Priester des Mars) gehörte er zu den drei Flamines maiores, den ranghöchsten Priestern Roms. Seine Aufgabe bestand darin, die kultischen Handlungen für Quirinus zu vollziehen, die traditionellen Feste zu leiten und damit den göttlichen Schutz für den römischen Staat zu sichern. Obwohl sein Amt in der späten Republik an politischer Bedeutung verlor, blieb es ein wichtiger Bestandteil der altrömischen Religion.
Die Flamines – Priester einzelner Gottheiten
Die Flamines waren Priester, die jeweils einer bestimmten Gottheit zugeordnet waren. Insgesamt gab es in der Republik fünfzehn Flamines:
drei Flamines maiores (die „großen Flamines“),
zwölf Flamines minores (Priester weniger bedeutender Gottheiten).
Die drei großen Flamines waren:
Flamen Dialis – Priester des Jupiter
Flamen Martialis – Priester des Mars
Flamen Quirinalis – Priester des Quirinus
Sie wurden vom Pontifex Maximus beaufsichtigt und gehörten zu den angesehensten Priestern des römischen Staates.
Wer war Quirinus?
Quirinus war eine der ältesten Gottheiten Roms.
Bereits in der Königszeit bildete er zusammen mit:
Jupiter,
Mars,
Quirinus
die sogenannte archaische Trias.
Während Jupiter die höchste göttliche Autorität und Mars den Krieg verkörperte, galt Quirinus als Schutzgott der römischen Bürgergemeinschaft (Quirites).
Schon in der Antike wurde Quirinus häufig mit dem vergöttlichten Romulus gleichgesetzt. Nach der Überlieferung wurde Romulus nach seinem Tod in den Himmel aufgenommen und als Gott Quirinus verehrt.
Diese Vorstellung findet sich unter anderem bei:
Marcus Terentius Varro
Ovid (Fasti 2)
Plutarch (Romulus)
Ob Quirinus ursprünglich ein eigenständiger Gott war oder schon früh mit Romulus verschmolz, ist in der modernen Forschung umstritten.
Aufgaben des Flamen Quirinalis
Der Flamen Quirinalis war für sämtliche Opfer und Kultfeiern zuständig, die Quirinus gewidmet waren.
Zu seinen Aufgaben gehörten:
Durchführung öffentlicher Opfer,
Leitung religiöser Feste,
Bewahrung der alten Kulttraditionen,
Mitwirkung bei staatlichen Zeremonien,
Gebete für das Wohl des römischen Volkes.
Da Quirinus als Gott der Bürger galt, standen viele seiner Rituale mit der Friedenszeit und dem bürgerlichen Leben in Verbindung.
Die wichtigsten Feste
Die Quirinalia (17. Februar)
Das bedeutendste Fest des Quirinus war die Quirinalia
Sie wurde jährlich am 17. Februar gefeiert.
An diesem Tag brachte der Flamen Quirinalis Opfer für Quirinus dar.
Die Quirinalia bildeten zugleich den Abschluss der Fornacalia, eines Festes zur Reinigung und zum Rösten des Getreides. Wer den individuellen Termin der Fornacalia versäumt hatte, konnte am Tag der Quirinalia ein Ersatzopfer darbringen. Deshalb bezeichnete man den 17. Februar gelegentlich auch als stultorum feriae („Fest der Nachzügler“ oder scherzhaft „Fest der Narren“).
Consualia (21. August und 15. Dezember)
Der Flamen Quirinalis wirkte außerdem an den Consualia mit, einem Ernte- und Speicherfest zu Ehren des Gottes Consus.
Dies zeigt die enge Verbindung seines Amtes mit Landwirtschaft und bürgerlichem Leben.
Robigalia
Auch bei den Robigalia (25. April) trat der Flamen Quirinalis als Opferpriester auf.
Mit diesem Fest sollte die Getreiderostkrankheit (robigo) ferngehalten und die Ernte geschützt werden.
Die besonderen Vorschriften
Wie alle Flamines maiores unterlag der Flamen Quirinalis zahlreichen religiösen Vorschriften.
Er musste:
kultische Reinheit bewahren,
regelmäßige Opfer vollziehen,
bestimmte Rituale genau einhalten.
Allerdings waren seine Einschränkungen deutlich geringer als die des Flamen Dialis, der zahlreichen religiösen Tabus unterworfen war.
Ernennung
Der Flamen Quirinalis wurde:
vom Pontifex Maximus ausgewählt,
anschließend durch den Pontifex Maximus in sein Amt eingeführt (inauguratio),
und von den Auguren religiös bestätigt.
Das Amt wurde grundsätzlich auf Lebenszeit ausgeübt.
Politische Bedeutung
In der frühen Republik gehörte der Flamen Quirinalis zu den angesehensten Priestern Roms.
Mit der Zeit verlor der Kult des Quirinus jedoch an Bedeutung.
Jupiter und Mars rückten immer stärker in den Mittelpunkt des Staatskultes, während Quirinus zunehmend mit dem vergöttlichten Romulus identifiziert wurde.
Dadurch trat auch der Flamen Quirinalis politisch hinter andere Priesterämter zurück.
Der Flamen Quirinalis bei Livius
Livius erwähnt den Flamen Quirinalis nur selten ausdrücklich, da sein Werk vor allem politische und militärische Ereignisse behandelt. Dennoch erscheint Quirinus selbst mehrfach im Zusammenhang mit den Ursprüngen Roms.
Besonders wichtige Stellen sind:
Nach dem Verschwinden des Romulus verkündet Proculus Julius, dass Romulus als Gott Quirinus erschienen sei. Dies bildet die Grundlage für den späteren Quirinus-Kult.
König Numa Pompilius ordnet den römischen Staatskult neu und richtet die drei Flamines maiores für Jupiter, Mars und Quirinus ein. Hier wird die Einsetzung des Flamen Quirinalis ausdrücklich erwähnt.
Livius 5,52
Camillus erinnert an die traditionellen Kulte Roms und unterstreicht die Bedeutung der alten religiösen Einrichtungen, zu denen auch die Flamines gehören.