Der Pontifex Maximus - das höchste Priesteramt in Rom
Der Pontifex Maximus war der höchste Priester im religiösen System des antiken Rom und eine der wichtigsten religiösen Autoritäten des römischen Staates. Das Amt verband Religion, Recht und Politik miteinander und spielte eine zentrale Rolle im öffentlichen Leben Roms.
Ursprung des Amtes
Der Tradition nach wurde das Amt bereits unter dem König Numa Pompilius eingerichtet, dem viele grundlegende religiöse Institutionen zugeschrieben wurden. Nach dem Ende der Königszeit gingen zahlreiche religiöse Aufgaben des Königs auf den Pontifex Maximus über. (vgl. AUC, Livius, 1, 20)
Der Titel bedeutet wörtlich etwa „oberster Brückenbauer“ (pons = Brücke, facere = machen). Wahrscheinlich meinte dies ursprünglich einen Vermittler zwischen Menschen und Göttern.
Stellung im römischen Religionswesen
Der Pontifex Maximus stand an der Spitze des Kollegiums der Pontifices, das die Einhaltung der religiösen Ordnung überwachte. Anders als viele andere Priesterämter hatte er dauerhaft großen Einfluss auf das staatliche Leben.
Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehörten:
Aufsicht über alle staatlichen Kulte und religiösen Vorschriften
Festlegung und Verwaltung des religiösen Kalenders
Entscheidung über religiöse Rechtsfragen
Kontrolle der Priesterkollegien
Aufsicht über die Vestalinnen
Durchführung wichtiger Staatsrituale
Religion war in Rom Staatsangelegenheit, deshalb hatte dieses Amt auch weitreichende politische Bedeutung.
Religion und Politik
Da nahezu jede staatliche Handlung religiös abgesichert sein musste, konnte der Pontifex Maximus indirekt großen Einfluss auf politische Entscheidungen ausüben. Wenn ein Ritual oder ein Vorzeichen als ungültig galt, konnten sogar Versammlungen oder Wahlen verschoben werden.
In der späten Republik wurde das Amt zunehmend politisch bedeutsam. Berühmt ist etwa die Wahl von Gaius Julius Caesar zum Pontifex Maximus im Jahr 63 v. Chr. Er erhielt dadurch große Privilegien. Es war ein lebenslanges Amt, unabhängig vom Erfolg der sonstigen politischen Karriere und er konnte indirekt Einfluss auf staatliche Abläufe nehmen, indem er Vorzeichen zu seinen Gunsten deuten ließen. Ebenso gewährte es Cäsar rechtlichen Schutz und großes Prestige beim einfachen Volk.
Entwicklung in der Kaiserzeit
Unter Augustus ging das Amt dauerhaft auf die römischen Kaiser über. Damit wurde der Kaiser zugleich oberster politischer und religiöser Führer des Reiches, ein wichtiger Schritt zur Verbindung von Herrschaft und Staatsreligion.
Da es jetzt, wie in der Königszeit, nur einen starken Mann gab, war es die logische Folge, dass diese immensen religiösen Komptenzen wieder zurückgenommen wurden und an den Ursprungsort zurückkehrten, nämlich an den König/ Kaiser.