Mars Gradivus – Bedeutung und Herkunft des Beinamen
Der römische Kriegsgott Mars trug verschiedene Beinamen (epitheta), die jeweils bestimmte Aspekte seines Wirkens hervorhoben. Einer der wichtigsten ist Mars Gradivus, ein Beiname, der besonders im Zusammenhang mit Krieg, Aufbruch und militärischer Bewegung verwendet wird und uns häufig bei Titus Livius begegnet.
Bedeutung des Beinamens Gradivus
Der Beiname Gradivus wird meist vom lateinischen Verb gradi („schreiten“, „voranschreiten“) abgeleitet. Mars Gradivus ist damit der „schreitende“ oder „vorwärtsdrängende“ Mars, also der Gott, der das Heer in den Krieg führt und ihm voranschreitet. Der Name betont nicht den Kampf selbst, sondern den feierlichen und göttlich begleiteten Aufbruch des Heeres.
Mars erscheint hier weniger als blutiger Kriegsgott, sondern als Schutzgott des römischen Staates, der den militärischen Einsatz legitimiert, begleitet und anführt.
Mars Gradivus im Kult
Mars Gradivus besaß eigene Heiligtümer, unter anderem einen Tempel an der Via Appia. Vor Kriegszügen wurden ihm Opfer dargebracht, um seinen Beistand für das römische Heer zu erbitten. Der Kult richtete sich besonders auf den Moment des Übergangs vom Frieden zum Krieg.
In diesem Zusammenhang ist Mars Gradivus eng mit den Salii, den bewaffneten Priester des Mars, verbunden. Ihre rituellen Tänze und Gesänge begleiteten symbolisch den kriegerischen Aufbruch Roms. (vgl. Livius AUC, 1, 20)
Mars Gradivus bei Livius
Bei Titus Livius erscheint Mars Gradivus häufig in Berichten über Kriegsvorbereitungen, Gelübde und religiöse Handlungen vor Schlachten. Livius macht damit deutlich, dass militärisches Handeln ohne religiöse Absicherung im römischen Denken undenkbar war. Der Beiname Gradivus unterstreicht dabei die aktive Rolle des Gottes im Geschehen.
Mehr Informationen zu weiteren Beinamen von Mars findest du hier: "Mars Quirinus" oder "Mars Ultor"