Syrakus – Die bedeutendste griechische Stadt im Westen
Syrakus (Syrakousai) war eine der größten und mächtigsten Städte der griechischen Antike und die wichtigste Metropole auf Sizilien. Gegründet wurde sie im Jahr 734 v. Chr. von griechischen Siedlern aus Korinth, die an der Ostküste der Insel einen hervorragend geschützten Naturhafen vorfanden. Schon früh entwickelte sich Syrakus zu einem politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der westgriechischen Welt.
Gründung und Aufstieg
Die günstige Lage an der Küste, fruchtbare Böden im Hinterland und die Nähe zu wichtigen Handelsrouten machten Syrakus schnell reich. Die Stadt wuchs stark an und bestand bald aus mehreren Stadtteilen, darunter:
die Insel Ortygia als ursprünglicher Kern,
spätere Erweiterungen wie Achradina, Neapolis und Epipolai.
Bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. war Syrakus:
flächenmäßig eine der größten Städte der griechischen Welt,
militärisch hochgerüstet,
und politisch oft von mächtigen Tyrannen wie Gelon oder Dionysios I. beherrscht, die sich auch expansiv ausbreiten wollten.
Syrakus als Großmacht im Mittelmeer
Syrakus war über Jahrhunderte die führende Macht auf Sizilien und der wichtigste Gegenspieler Karthagos im westlichen Mittelmeer. Aber auch in inner-griechische Konflikte mischte sich die Stadt bisweilen als Tochterstadt Korinths ein. Die Stadt führte zahlreiche Kriege gegen:
karthagische Expansion,
kleinere griechische Poleis,
und später auch gegen Rom.
Besonders berühmt ist der Sieg über die athenische Sizilienexpedition (415–413 v. Chr.), bei der ein riesiges athenisches Heer und eine Flotte vollständig vernichtet wurden, eines der größten Desaster der griechischen Militärgeschichte und Wendepunkt im Peloponnesischen Krieg 431-404 v- Chr.). Athen wurde von der Stadt Segesta um Hilfe gebeten, die behaupteten, dass Syrakus aktiv in den Krieg eingreifen und Sparta mit seiner Flotte und seinen Truppen unterstützen würde, wenn es ganz Sizilien beherrschen würde. Daher griff Athen Syrakus dann an.
Zwischen Rom und Karthago
Während der Punischen Kriege geriet Syrakus zunehmend zwischen die Fronten der beiden Großmächte Rom und Karthago. Zunächst war die Stadt meist mit Rom verbündet, vor allem unter dem langjährigen König Hieron II. 275-215 v. Chr. an der Macht), der ein stabiler Partner der Römer war.
Nach seinem Tod wechselte Syrakus jedoch die Seiten und unterstützte Karthago. Damit wurde die Stadt im Zweiten Punischen Krieg zum römischen Angriffsziel.
Die Belagerung und Eroberung (212 v. Chr.)
Die berühmteste Episode der späten Geschichte ist die Belagerung durch die Römer (214–212 v. Chr.) unter dem Feldherrn Marcus Claudius Marcellus. Syrakus leistete zwei Jahre lang erbitterten Widerstand, unter anderem mithilfe der technischen Erfindungen des Mathematikers Archimedes, der Belagerungsmaschinen, Wurfgeräte und Verteidigungsanlagen konstruierte.
Trotzdem fiel die Stadt 212 v. Chr.:
Syrakus wurde geplündert,
Archimedes wurde getötet, obwohl er verschont werden sollte,
unzählige Kunstwerke wurden nach Rom gebracht.
Damit endete die politische Selbstständigkeit der Stadt.
Syrakus unter römischer Herrschaft
Nach der Eroberung wurde Syrakus Teil der römischen Provinz Sicilia. Zwar blieb die Stadt kulturell bedeutend, verlor aber ihre Rolle als eigenständige Großmacht. Für Rom war sie vor allem:
ein Verwaltungszentrum,
ein wirtschaftlicher Knotenpunkt,
und ein Symbol für den Sieg über die griechische Welt im Westen.
Bedeutung in der Antike
Syrakus steht exemplarisch für:
die Machtentfaltung griechischer Kolonien,
den Konkurrenzkampf im westlichen Mittelmeer,
und den Übergang von einer griechisch dominierten Welt zu römischer Vorherrschaft.
Dennoch war Syrakus über viele Jahrhunderte hinweg die reichste, größte und einflussreichste Stadt des westlichen Griechentums (Wahrscheinlich zusammen mit Marseille in Frankreich).
Hier noch eine stark vereinfachte Skizze des Stadtplanes von Syrakus, auf dem man die perfekte Lage der Stadt sehen kann.