Korinth in der Antike – Machtzentrum, Handelsmetropole und zerstörte Großstadt
Lage und strategische Bedeutung
Das antike Korinth lag auf dem schmalen Isthmus von Korinth, der das griechische Festland mit der Peloponnes verbindet. Diese Lage machte die Stadt zu einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der antiken Welt: Wer von Nord- nach Südgriechenland oder umgekehrt reisen wollte, kam fast zwangsläufig durch Korinth.
Besonders wichtig waren die zwei Häfen der Stadt:
Lechaion am Korinthischen Golf (nach Westen, Richtung Italien),
Kenchreai am Saronischen Golf (nach Osten, Richtung Ägäis und Kleinasien).
Über diese Häfen kontrollierte Korinth große Teile des Ost-West-Handels im Mittelmeerraum. Schiffe konnten ihre Ladung über den Isthmus transportieren, ohne die gefährliche Umfahrung der Peloponnes.
Korinth als größte Landstadt Griechenlands
Korinth war nicht nur reich, sondern auch außergewöhnlich groß. In der klassischen und hellenistischen Zeit galt sie als die flächenmäßig größte Stadt Griechenlands auf dem Festland. Die Stadt erstreckte sich vom mächtigen Akrokorinth, der stark befestigten Zitadelle, bis zu den beiden Häfen.
Der Akrokorinth erhob sich über 500 Meter über der Ebene und machte die Stadt nahezu uneinnehmbar. Von hier aus konnte man den gesamten Isthmus kontrollieren – eine der strategisch wichtigsten Positionen Griechenlands.
Reichtum, Luxus und Kultur
Korinth war berühmt für seinen enormen Reichtum, seine Werkstätten, seinen Bronzeguss, seine Keramik und seine Handelsnetze. Der Begriff „korinthisch leben“ wurde sprichwörtlich für Luxus und Wohlstand.
Auch kulturell war die Stadt bedeutend:
Hier fanden die Isthmischen Spiele statt, eines der vier panhellenischen Großfeste neben Olympia, Delphi und Nemea.
Der berühmte Tempel der Aphrodite auf dem Akrokorinth machte die Stadt weithin bekannt.
Konflikt mit Rom
Im 2. Jahrhundert v. Chr. war Korinth Mitglied des Achaiischen Bundes, der sich zunehmend gegen den wachsenden Einfluss Roms stellte. Als Rom Griechenland politisch unterwarf, kam es zu offenen Spannungen und schließlich zum Krieg.
Im Jahr 146 v. Chr. eskalierte der Konflikt: Rom beschloss, ein Exempel zu statuieren.
Die Zerstörung Korinths (146 v. Chr.)
Der römische Feldherr Lucius Mummius eroberte Korinth und ließ die Stadt vollständig zerstören.
Dabei geschah:
Die männliche Bevölkerung wurde getötet,
Frauen und Kinder wurden in die Sklaverei verkauft,
Kunstwerke, Statuen und Reichtümer wurden nach Rom gebracht,
Die Stadt selbst wurde geplündert und niedergebrannt.
Im selben Jahr wurde auch Karthago im dritten Punischen Krieg zerstört, ein symbolischer Moment: Rom beseitigte gleichzeitig die größte Macht des westlichen Mittelmeers und eine der wichtigsten Städte des griechischen Ostens.
Korinth blieb danach jahrzehntelang weitgehend verlassen und in Trümmern.
Römische Neugründung
Erst 44 v. Chr. ließ Julius Caesar Korinth als römische Kolonie neu gründen (Colonia Laus Iulia Corinthiensis). Die Stadt erlebte daraufhin wieder einen wirtschaftlichen Aufschwung und wurde in der Kaiserzeit erneut zu einer bedeutenden Metropole – nun als römische Stadt.
Bedeutung Korinths in der Antike
Korinth war:
eine der reichsten Handelsstädte Griechenlands,
die größte Stadt des griechischen Festlands,
ein zentraler Verkehrsknotenpunkt zwischen Ost und West,
ein Symbol für griechischen Reichtum – und später für römische Macht.
Die Zerstörung Korinths markiert einen Wendepunkt: Sie steht für das Ende der politischen Freiheit Griechenlands und den endgültigen Übergang zur römischen Vorherrschaft.
Bedeutung bei Livius
Livius beschreibt in seinem Werk Ab urbe condita, dass der Vater, Demaratus, des vierten Königs Roms, Lucius Tarquinius Priscus, aus Korinth stammen soll und nach einem politischen Streit in Korinth nach Tarquinia ausgewandert ist (vgl. AUC,1, 34).