Die römischen Monate und Datumsangaben: Kalender, Kalenden, Nonen und Iden
Das römische Kalendersystem unterschied sich deutlich von unserem heutigen Datumsverständnis. Die Römer zählten Tage nicht einfach fortlaufend (wie „12. März“), sondern orientierten sich an festen Bezugspunkten innerhalb jedes Monats: den Kalenden (Kalendae), Nonen (Nonae) und Iden (Idus). Dieses System prägte Verwaltung, Religion und Alltagsleben im antiken Rom über Jahrhunderte hinweg.
Der römische Kalender
Der Kalender entwickelte sich mehrfach.
Traditionell gab es drei große Phasen:
Der frühe Kalender des Romulus
Nach römischer Überlieferung besaß Rom zunächst:
nur 10 Monate
insgesamt etwa 304 Tage
Beginn des Jahres: März (Martius)
Wintermonate seien ursprünglich gar nicht genau gezählt worden.
Reform durch Numa Pompilius (AUC,1,19)
Dem zweiten König Roms, Numa Pompilius, schrieb die Tradition zu:
Einführung von Januar und Februar, also 12 Monate jetzt
Kalender mit etwa 355 Tagen
Da dies nicht genau dem Sonnenjahr entsprach:
mussten gelegentlich Schaltmonate eingefügt werden.
Der Julianische Kalender
Die große Reform erfolgte: 46 v. Chr.
durch: Gaius Julius Caesar
unter Mithilfe alexandrinischer Astronomen.
Ergebnis:
365 Tage
Schaltjahrregelung
Grundlage unseres heutigen Kalenders
Der sogenannte: Julianische Kalender
trat 45 v. Chr. in Kraft.
Die römischen Monate
Die Römer kannten zwölf Monate.
Lateinischer Name Deutscher Monat Herkunft des Namens
Ianuarius Januar nach dem Gott Janus
Februarius Februar Reinigungsrituale (februa)
Martius März nach Gott Mars
Aprilis April vermutlich „Öffnung“ der Natur (aperire)
Maius Mai Göttin Maia
Iunius Juni Göttin Juno
Quintilis → Iulius Juli später nach Gaius Iulius Caesar
Sextilis → Augustus August nach Augustus (Octavian)
September September „siebter Monat“
October Oktober „achter Monat“
November November „neunter Monat“
December Dezember „zehnter Monat“
Warum stimmen die Zahlen nicht?
September = „7“, Oktober = „8“ usw., obwohl sie heute der 9. und 10. Monat sind.
Grund: Das Jahr begann ursprünglich mit März
Das römische Datumssystem
Die Römer sagten nicht:
„15. März“
sondern rechneten:
rückwärts von festen Tagen.
Diese Fixpunkte waren:
Kalenden (Kalendae)
Nonen (Nonae)
Iden (Idus)
Die Kalenden (Kalendae)
Die Kalenden waren:
immer der erste Tag des Monats
Hier begann offiziell:
der neue Monat
oft finanzielle und religiöse Verpflichtungen
Herkunft
Der Begriff stammt vermutlich von:
calare = „ausrufen“
Denn Priester verkündeten:
den Monatsbeginn öffentlich.
Beispiel
Kalendae Martiae
= 1. März
Die Nonen (Nonae)
Die Nonen lagen:
meistens am 5. Tag
in manchen Monaten am 7. Tag
Monate mit Nonen am 7.:
März (Martius)
Mai (Maius)
Juli (Iulius)
Oktober (October)
In allen anderen Monaten 5. Tag
Der Name bedeutet:
„der neunte Tag“
weil rückwärts inklusive gerechnet wurde.
Die Iden (Idus)
Die Iden lagen:
meist am 13. Tag
in manchen Monaten am 15. Tag
Monate mit Iden am 15.:
März
Mai
Juli
Oktober
Sonst 13. Tag
Die Iden waren:
religiös bedeutend
oft Vollmond-nahe Termine
Berühmt: Die Iden des März
Idus Martiae = 15. März
Tod von Gaius Julius Caesar im Jahr 44 v. Chr.
Wie datierten die Römer konkret?
Die Römer zählten rückwärts zum nächsten Bezugstag
und zwar:
inklusive Zählung
Das bedeutet:
Zieltag wird mitgezählt.
Beispiel 1: 3. März
Die Nonen im März liegen am:
7. März
Also: 7, 6, 5, 4, 3
= 5 Tage vor den Nonen
Lateinisch:
ante diem quintum Nonas Martias
(abgekürzt: a.d. V Non. Mart.)
Beispiel 2: 14. März
Iden im März:
15. März
Also:
pridie Idus Martias
= „am Tag vor den Iden“
Beispiel 3: 16. März
Jetzt zählt man zu den nächsten Kalenden:
1. April
März =
ante diem XVII Kalendas Apriles
(17 Tage vor den Aprilkalenden)
Besondere Begriffe
pridie
= „am Tag vor“
Beispiel:
pridie Kalendas
= Vortag der Kalenden.
postridie
= „am Tag danach“
selten in Datierungen.
ante diem (a.d.)
= „x Tage vor“
Standardformel.
Warum war das System so kompliziert?
Für Römer war es praktisch, weil:
religiöse Feste festlagen
Opfertermine
Feiertage
Verwaltung organisiert wurde
Amtstage
Gerichtstage
Mondphasen wichtig blieben
ältere Kalendertradition
Der Kalender war stark religiös geprägt.
Der Kalender und die Politik
Der Kalender hatte politische Bedeutung.
Vor Caesars Reform konnten Priester:
Schaltmonate einfügen
Dadurch ließ sich:
Amtszeit verlängern
Politik beeinflussen
Gerade in der späten Republik führte dies zu Chaos.
Die Reform Caesars sollte Ordnung schaffen. Cäsar hat dies aber auch selbst ausgenutzt, als er 59 v. Chr. als Konsul wiederholt seine Position als Pontifex Maximus ausgenutzt hat, um Politik direkt zu beeinflussen. (Jahr der Konsuln Gaius und Iulius, oft als Scherz so bezeichnet)