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Der Signifer – Der Feldzeichenträger der römischen Legion
Der Signifer war einer der angesehensten Unteroffiziere einer römischen Legion. Seine wichtigste Aufgabe bestand darin, das Feldzeichen (signum) seiner Zenturie zu tragen und dadurch den Soldaten im Kampf Orientierung zu geben. Zugleich war er für die Verwaltung der Ersparnisse seiner Kameraden verantwortlich und gehörte zu den erfahrensten und zuverlässigsten Soldaten einer Legion. Aufgrund seiner hervorgehobenen Stellung galt das Amt als große Auszeichnung.
Was bedeutet Signifer?
Das lateinische Wort setzt sich zusammen aus:
signum = Feldzeichen, Standarte, Erkennungszeichen
ferre = tragen
Ein Signifer ist also wörtlich der „Zeichenträger“ oder „Standartenträger“.
Welche Aufgaben hatte ein Signifer?
Die Hauptaufgabe war das Tragen des Feldzeichens der jeweiligen Zenturie.
Das signum war weit mehr als eine einfache Fahne. Es diente:
als Sammelpunkt der Einheit,
zur Orientierung auf dem Schlachtfeld,
zur Übermittlung von Befehlen,
als Symbol für Ehre und Zusammenhalt.
Im Gefecht richteten sich die Soldaten nach ihrem Feldzeichen. Ging es verloren, konnte dies Verwirrung auslösen und galt als schwere Schande.
Das Feldzeichen (signum)
Das signum bestand meist aus einer langen Stange mit mehreren Metallscheiben (phalerae), Kränzen und anderen Auszeichnungen. Im oberen Bereich befand sich häufig die Figur einer geöffneten Hand (manus), die wahrscheinlich den Zusammenhalt oder den Treueeid symbolisierte.
Jede Zenturie besaß ihr eigenes Feldzeichen und damit auch ihren eigenen Signifer.
War der Signifer auch der Adlerträger?
Nein.
Hier wird häufig unterschieden:
Der Signifer
trug das Feldzeichen einer Zenturie oder einer kleineren Einheit,
war für seine Kameraden und häufig auch für deren Ersparnisse verantwortlich.
Der Aquilifer
trug den Legionsadler (aquila),
gehörte zu den angesehensten Soldaten der gesamten Legion,
war nur einmal pro Legion vorhanden.
Der Adler war seit den Heeresreformen des Gaius Marius (um 104/102 v. Chr.) das wichtigste Symbol einer Legion. Sein Verlust galt als eine der größten militärischen Schmach.
Wie wurde man Signifer?
Das Amt wurde nicht gewählt, sondern verliehen.
Voraussetzungen waren meist:
langjährige Diensterfahrung,
Tapferkeit im Kampf,
Disziplin,
Zuverlässigkeit,
das Vertrauen der Vorgesetzten.
Da der Signifer das Feldzeichen und oft auch Geld seiner Kameraden verwaltete, musste er als besonders ehrenhaft gelten.
Wie wurde man Aquilifer?
Der Aquilifer war der ranghöchste Feldzeichenträger einer Legion.
Zum Aquilifer wurde nur ein besonders verdienter Soldat ernannt.
Er musste:
außergewöhnliche Tapferkeit bewiesen haben,
hohes Ansehen in der Legion genießen,
absolut vertrauenswürdig sein.
Der Adler war das Heiligtum der Legion. Seine Verteidigung hatte höchste Priorität.
Der Signifer als Verwalter der Soldkasse
Eine weniger bekannte Aufgabe bestand darin, die Ersparnisse vieler Legionäre zu verwalten.
Soldaten konnten einen Teil ihres Soldes beim Signifer hinterlegen.
Er führte darüber Buch und zahlte das Geld später wieder aus.
Dadurch wurde verhindert, dass große Geldbeträge während eines Feldzuges verloren gingen oder gestohlen wurden.
Ausrüstung
Der Signifer unterschied sich deutlich von gewöhnlichen Legionären.
Typisch waren:
ein Fell über dem Helm (oft Wolf, Bär oder Löwe),
besonders verzierter Helm,
Kettenpanzer oder Schuppenpanzer,
das Feldzeichen in der rechten Hand,
Schwert und Dolch zur Verteidigung.
Das auffällige Tierfell machte ihn auf dem Schlachtfeld leicht erkennbar.
Die Bedeutung im Kampf
Der Signifer befand sich meist in der ersten Reihe seiner Einheit.
Er hatte mehrere Aufgaben gleichzeitig:
das Feldzeichen schützen,
die Marschrichtung anzeigen,
Befehle sichtbar machen,
den Zusammenhalt der Soldaten sichern.
Fiel der Signifer, versuchte häufig sofort ein anderer Soldat, das Feldzeichen zu retten.
Der Signifer in den antiken Quellen
Besonders häufig erscheint der Signifer bei:
Titus Livius (z. B. Ab urbe condita 2,20)
Tacitus