Der Gott Saturn – Gott des Ackerbaus und Herrscher des Goldenen Zeitalters
Wesen und Aufgabenbereich
Der römische Gott Saturn gehörte zu den ältesten Gottheiten der italischen Religion. Er wurde vor allem als Gott des Ackerbaus, der Aussaat und der Fruchtbarkeit verehrt und galt als Beschützer der landwirtschaftlichen Ordnung und des Wohlstands.
Sein Kult war eng mit der bäuerlichen Lebensweise verbunden, die in der Frühzeit Roms den Großteil der Bevölkerung prägte.
Saturn und das Goldene Zeitalter
In der römischen Mythologie wurde Saturn mit einer mythischen Urzeit verbunden, dem sogenannten Goldenen Zeitalter. In dieser Zeit sollen die Menschen ohne Krieg, Besitzstreit oder harte Arbeit gelebt haben.
Diese Vorstellung übernahmen die Römer aus der griechischen Mythologie, in der Saturn mit dem Gott Kronos gleichgesetzt wurde.
Saturn in der Literatur – Vergil und die Weltzeitalter
Besonders bekannt wurde die Verbindung Saturns mit dem Goldenen Zeitalter durch die Dichtung von Publius Vergilius Maro. In den Georgica (1,121-146) und den Eclogae beschreibt Vergil die Abfolge verschiedener Weltzeitalter und stellt das Goldene Zeitalter unter die Herrschaft Saturns.
Berühmt ist besonders die vierte Ekloge, in der Vergil eine zukünftige Rückkehr eines goldenen Zeitalters prophezeit. Dort wird Saturn als Symbol einer gerechten und friedlichen Urzeit dargestellt.
Auch in den Georgica greift Vergil die Idee auf, dass die Menschheit nach Saturns Sturz zu harter Arbeit gezwungen wurde und erst dadurch Landwirtschaft, Technik und Kultur entstanden. Davor gab es alles ohne schwere Arbeit und Technik.
Kult und Verehrung in Rom
Saturn hatte in Rom einen der ältesten Tempel auf dem Forum Romanum, den Saturntempel, der zugleich als Staatskasse (aerarium) diente.
Sein wichtigstes Fest waren die Saturnalien, die im Dezember gefeiert wurden und an das goldene Zeitalter erinnern sollten, in dem soziale Unterschiede aufgehoben gewesen seien.
Mythologische Einordnung und griechischer Einfluss
In der griechischen Mythologie war Kronos ein Titan, der von seinem Sohn Zeus gestürzt wurde. Die Römer übernahmen diese Erzählung und identifizierten Kronos mit Saturn. Dabei wurde die Figur Saturns jedoch weniger als grausamer Kinderverschlinger, sondern stärker als gerechter Urkönig und Kulturbringer dargestellt.
Diese Umdeutung zeigt, wie die Römer griechische Mythen an ihre eigenen religiösen und politischen Vorstellungen anpassten.
Bedeutung für das römische Selbstverständnis
Saturn verkörperte für die Römer:
die bäuerlichen Wurzeln der Gesellschaft
die Erinnerung an eine ideale Urzeit
und die Hoffnung auf eine moralisch bessere Welt
Gerade in der Zeit des Augustus wurde die Vorstellung eines neuen goldenen Zeitalters politisch genutzt, um die eigene Herrschaft als Wiederherstellung von Ordnung und Frieden darzustellen – ein Motiv, das besonders in Vergils Dichtung deutlich wird.
Für den einfachen Bürger muss dies auch überzeugend gewesen sein, da tatsächlich Frieden und Wohlstand unter Augustus wiedergekehrt ist, nach dem Jahrhundert voller Bürgerkriege und inneren Streitigkeiten.