Veii – Die große Rivalin Roms in etruskischer Zeit
Lage und Bedeutung
Veii (lat. Veii, etruskisch Vei) war eine der bedeutendsten Städte der Etrusker und lag nur etwa 15–18 km nördlich von Rom auf einem Tuffplateau oberhalb des Flusses Cremera, eines Nebenflusses des Tiber.
Durch diese Lage kontrollierte Veii:
wichtige Handelswege nach Etrurien
den Zugang zu fruchtbaren Agrargebieten
Teile des Tiberhandels
Für das frühe Rom war Veii damit nicht nur ein Nachbar, sondern ein direkter wirtschaftlicher und politischer Konkurrent.
Veii als etruskische Großstadt
In archaischer Zeit (7.–5. Jh. v. Chr.) war Veii:
größer als das frühe Rom
reich durch Handel, Landwirtschaft und Handwerk
kulturell hochentwickelt (Tempel, Kunst, Schrift)
Archäologisch ist Veii eine der bestdokumentierten etruskischen Städte überhaupt, mit:
monumentalen Heiligtümern (z. B. Tempel von Portonaccio)
Terrakotta-Statuen (berühmt: der Apollo von Veii)
ausgeprägtem städtischem Straßennetz
Das Verhältnis zu Rom: Dauerfeindschaft
Zwischen Rom und Veii bestand über mehrere Jahrhunderte hinweg ein fast permanenter Konflikt.
Die Gründe:
Grenzstreit um Land (v. a. am Tiber)
Konkurrenz im Handel
politischer Gegensatz:
Rom = latinisch
Veii = etruskisch
Auch wenn man davon ausgeht, dass die späten Könige in Rom (Tarquinier) allesamt Etrusker gewesen sind, so war die Stadt Rom und die Bürgerschaft Roms dennoch latinisch und nicht etruskisch. Rom gehörte sicherlich nicht zur Entität des Etruskischen Städtebundes und musste vielmehr vor einer etruskischen Expansion Angst haben. Rom zählte zu den latinischen Städten wie Tusculum oder Aricia.
Schon unter den römischen Königen kam es laut Livius zu Kriegen, besonders unter:
Romulus
Tullus Hostilius
Ancus Marcius
Ob diese frühen Kriegen tatsächlich stattfanden ist unklar, da die Existenz der frühen Könige Roms eher sagenhaft und nicht belegt ist. Viel eher erscheint Veii bei Livius oft als der typische „Erzfeind Roms“ in der Frühzeit und wird dazu benutzt Königen Ruhm und Kompetenz im Krieg zuzusprechen (siehe AUC, 1, 42, Servius Tullus gegen Veii).
Der große Krieg gegen Veii (406–396 v. Chr.) (republikanische Zeit!)
Der berühmteste Konflikt ist der zehnjährige Krieg gegen Veii zur Zeit der frühen Republik.
Livius schildert ihn bewusst als:
„römisches Troja“ (10 Jahre Belagerung wie Troja)
epischen Entscheidungskampf um die Vorherrschaft in Mittelitalien
Rom führte erstmals:
eine ständige Soldzahlung
einen Dauerkrieg ohne Winterpause
Das zeigt, wie existenziell dieser Konflikt war.
Der Fall von Veii
396 v. Chr. fiel Veii nach langer Belagerung unter dem Diktator: Marcus Furius Camillus
Livius beschreibt den Sieg fast religiös:
die Römer graben einen Tunnel unter die Stadt
gleichzeitig Opfer an die Götter
Veii wird von innen überrascht und erobert
Die Stadt wird:
geplündert
politisch zerstört
große Teile der Bevölkerung vertrieben
Veii hört faktisch auf, eine eigenständige Macht zu sein.
Bedeutung des Falls von Veii
Der Untergang Veiis war für Rom ein historischer Wendepunkt:
1. Territorial: Rom verdoppelte sein Staatsgebiet fast.
2. Politisch: Rom wird von einer Stadt unter vielen zu einer Regionalmacht.
3. Psychologisch: Zum ersten Mal besiegt Rom eine echte Großmacht.
Ab jetzt richtet sich römische Expansion nicht mehr nur gegen Nachbarn, sondern systematisch gegen ganze Regionen.
Veii bei Livius: mehr als nur eine Stadt
Bei Livius ist Veii nicht nur ein Ort, sondern ein Symbol:
für den Überlebenskampf von Rom gegen die Etrusker
für „alte Welt“ vs. „aufsteigendes Rom“
für den göttlich legitimierten Aufstieg Roms
Camillus erscheint fast wie ein zweiter Romulus: Er zerstört die alte Ordnung und schafft Raum für das neue Rom.
Nachwirkung
Nach der Eroberung wurde Veii nie wieder zu einer Großstadt.
In der Kaiserzeit existierte dort nur noch:
eine kleine Siedlung
römische Landgüter
Ruinen einer einst mächtigen Metropole
Für römische Historiker blieb Veii vor allem: die Stadt, durch der römische Aufstieg als Regionalmacht und später Hegemon begann.