Die Suovetaurilia – das große römische Reinigungsopfer
Die Suovetaurilia waren ein feierliches Reinigungs- und Sühneopfer (sacrificium lustrale) im alten Rom. Der Name setzt sich aus den drei Opfertieren zusammen:
sus = Schwein
ovis = Schaf
taurus = Stier
Also wortwörtlich: „Schwein–Schaf–Stier-Opfer“.
Zweck: Reinigung (lustratio)
Das Ziel der Suovetaurilia war die rituelle Reinigung (lustratio) von:
einem Heer vor oder nach einem Feldzug
einem Stadtgebiet oder Landbesitz
dem römischen Volk insgesamt (z. B. beim Zensus)
Man wollte damit:
die Götter gnädig stimmen
Unheil abwenden
Schuld, Verunreinigung oder göttlichen Zorn beseitigen
Typischer Ablauf
Der klassische Ablauf war streng festgelegt:
Umgang (Prozession)
Die drei Tiere wurden feierlich um das zu reinigende Objekt geführt:
um das Heer
um ein Feld
um einen Stadtbezirk
Gebet
Der Priester oder Magistrat sprach eine formelhafte Bitte an Mars oder die Schutzgötter.
Opferung
Danach wurden alle drei Tiere geschlachtet.
Verbrennung / Darbringung
Teile wurden den Göttern dargebracht, der Rest oft gemeinschaftlich verzehrt.
An welchen Gott war das Reinigungsopfer gerichtet?
Am häufigsten an Mars
als Kriegsgott
als Schutzgott von Land und Volk
als Abwehrgott gegen Krankheit und Unheil
siehe Mars hervorgehobene Rolle im römischen Pantheon (Mars Quirinus)
In agrarischem Kontext auch (seltener)
an Tellus (Erde)
an Ceres (Fruchtbarkeit)
Politische und militärische Bedeutung
Die Suovetaurilia standen zwischen Religion und Staat:
Im Militär
vor einem Feldzug: Bitte um Sieg
nach einem Feldzug: Reinigung vom Blut und Tod
Im Staat
beim Zensus: Reinigung des gesamten römischen Volkes
bei neuen Gebieten: symbolische „Inbesitznahme“
Das Ritual hatte also eine klare staatstragende Funktion.
Archaischer Ursprung
Die Suovetaurilia gehören zu den ältesten Ritualen Roms, wahrscheinlich:
italisch-vorrömischen Ursprungs
aus bäuerlichen Fruchtbarkeitsriten entstanden
später in den Staatskult integriert
Sie zeigen Rom als militärische Agrargesellschaft mit starkem Pflichtgefühl gegenüber den Göttern.
Die berühmte Inschrift: Tabulae Iguvinae
Eine der bekanntesten Quellen ist die Tabulae Iguvinae (umbrische Bronzeinschriften), die einen sehr ähnlichen Ritus beschreiben, ein Beweis dafür, wie alt und italisch dieses Ritual ist.
Bedeutung bei Livius
Bei Livius erscheinen die Suovetaurilia meist:
vor wichtigen Entscheidungen
bei Krisen oder Bedrohungen
bei der Reinigung des Volkes oder Heeres