Die Stadt Ostia - Lage und Name
Ostia lag an der Mündung des Tiber ins Tyrrhenische Meer, etwa 25 km von Rom entfernt. Der Name leitet sich von ostium („Mündung“) oder einfach nur in seiner Grundform von os, oris n (Mund) ab. Ostia war also die „Stadt an der Flussmündung“ Roms. Diese Lage machte Ostia zum natürlichen Verbindungspunkt zwischen der Hauptstadt und dem Mittelmeer.
Gründung und frühe Geschichte
Nach der römischen Überlieferung wurde Ostia bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. von König Ancus Marcius gegründet. Ziel war es, die Salzfelder an der Küste und den Seehandel zu sichern. Salz war in der Frühzeit lebenswichtig – nicht nur als Gewürz, sondern vor allem zur Konservierung von Lebensmitteln (vgl. Livius, AUC, 1, 33).
Ostia als Hafen Roms
Ostia entwickelte sich zum Haupthafen Roms. Über den Tiber gelangten Waren von Ostia direkt in die Hauptstadt:
Getreide aus Sizilien, Ägypten und Afrika
Wein, Öl und Fischsoße (römische Delikatesse namens Garum)
Marmor, Metalle und Luxusgüter
Rom war ohne Ostia nicht lebensfähig: Die Millionenstadt konnte sich nicht selbst ernähren. Ostia war das logistische Herz des Imperiums. Vor allem die Getreidelieferung über Ostia aus Ägypten und Sizilien waren notwendig für das Überleben.
Wirtschaftliche Bedeutung
Ostia war nicht nur ein Hafen, sondern eine riesige Handels- und Verwaltungsstadt. Hier arbeiteten:
Händler (negotiatores)
Reeder (navicularii)
Lagerverwalter
Zollbeamte
Getreideverteiler
Besonders wichtig waren die horrea, große Speicherhäuser, in denen vor allem Getreide gelagert wurde, bevor es nach Rom weitertransportiert wurde.
Stadtbild und Größe
In der Kaiserzeit wuchs Ostia zu einer Großstadt mit vermutlich über 50.000 Einwohnern. Sie war dicht bebaut und stark urbanisiert:
mehrstöckige Wohnhäuser (insulae)
Thermen
Tempel
Theater
Markthallen
Hafenanlagen
Verwaltungsgebäude
Ostia war keine provinzielle Hafenstadt, sondern eine voll entwickelte römische Großstadt.
Der neue Hafen von Claudius und Trajan
Da Ostias ursprünglicher Hafen durch Versandung immer unzuverlässiger wurde, ließ Kaiser Claudius einen neuen Seehafen bauen und dieser wurde später von Trajan erweitert. Dieser neue Hafen lag etwas nördlich von Ostia und wurde der eigentliche Großhafen, während Ostia zum Wohn-, Handels- und Verwaltungszentrum des Hafenkomplexes wurde.
Ostia und Rom – eine untrennbare Einheit
Ostia war für Rom notwendig fürs Fortbestehen der Stadt und ohne Ostia konnte Rom seine stetig wachsende Bevölkerung nicht versorgen. Ohne gab es Ostia keine Versorgung und ohne Versorgung kann Rom nicht in der Form existieren. Rom war im Gegensatz zu anderen großen römischen Metropolen wie Alexandria, Antiochia oder Konstantinopel keine große Hafenstadt, die sich selber übers Meers versorgen konnte.
Darum wurde Ostia militärisch geschützt, politisch verwaltet und wirtschaftlich gefördert – mehr als jede andere Hafenstadt Italiens.
Ostia bei Livius
Bei Livius steht Ostia vor allem für die frühe Sicherung der römischen Macht am Meer. Die Gründung durch Ancus Marcius zeigt, dass Rom schon sehr früh verstand, dass Macht über das Land allein nicht genügt – man braucht Zugang zum Meer (vgl. Livius, AUC, 1, 33).