Die Stadt Halikarnassos und das Mausoleum von Mausolos
Lage und geschichtlicher Hintergrund
Die Stadt Halikarnassos lag an der Südwestküste Kleinasiens in der Landschaft Karien und entspricht dem heutigen Bodrum. Aufgrund ihrer geschützten Lage an einer Bucht entwickelte sich Halikarnassos früh zu einem wichtigen Hafen und Handelszentrum zwischen griechischer und kleinasiatischer Welt.
Die Stadt war ursprünglich dorisch-griechisch geprägt, stand jedoch lange unter dem Einfluss des Perserreiches, was ihre Kultur und Politik stark beeinflusste.
Halikarnassos unter Mausolos
Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde Halikarnassos zur Residenz des karischen Satrapen (Statthalter) Mausolos, der formal dem Perserkönig unterstand, aber weitgehend selbstständig herrschte. Unter seiner Regierung wurde die Stadt stark ausgebaut, mit neuen Mauern, Häfen und repräsentativen Gebäuden versehen und entwickelte sich zu einem kulturellen Zentrum Kariens.
Das Mausoleum von Halikarnassos
Nach dem Tod des Mausolos ließ seine Gemahlin und Schwester Artemisia II ein monumentales Grabmal errichten: das Mausoleum von Halikarnassos.
Das Bauwerk verband griechische, karische und persische Architekturelemente und erreichte eine Höhe von etwa 45 Metern. Es bestand aus:
einem massiven Sockel,
einer Säulenhalle,
einer pyramidenförmigen Dachkonstruktion
und einer Quadriga mit Statuen des Herrscherpaares an der Spitze.
Das Mausoleum galt schon in der Antike als eines der größten und prächtigsten Grabmäler und wurde später zu einem der Sieben Weltwunder der Antike gezählt. Der Name „Mausoleum“ wurde später allgemein zur Bezeichnung für monumentale Grabgebäude.
Halikarnassos in der griechischen und römischen Welt
Die Stadt blieb auch nach Mausolos bedeutend. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde sie im Zuge der Eroberungen von Alexander dem Großen heftig umkämpft und teilweise zerstört, später jedoch wieder aufgebaut.
Auch kulturell war Halikarnassos wichtig: Hier wurde der Historiker Herodot geboren, der als „Vater der Geschichtsschreibung“ gilt.
In römischer Zeit blieb sie eine bedeutende reiche Hafenstadt. Cicero berichtet beispielsweise, dass der Kunstdieb Verres dort zahlreiche Kunstschätze und Statuen entwendet haben soll. (In Verrem, Actio secunda, 1,19)
Niedergang und archäologische Überreste
Das Mausoleum blieb über viele Jahrhunderte erhalten, wurde jedoch im Mittelalter durch Erdbeben stark beschädigt. Teile seiner Steine wurden später beim Bau der Johanniterfestung in Bodrum wiederverwendet. Heute sind nur noch Fundamentreste erhalten, doch zahlreiche Skulpturen befinden sich in europäischen Museen, etwa im British Museum.
Bedeutung in der Antike
Halikarnassos war:
eine Brücke zwischen griechischer und orientalischer Kultur,
eine bedeutende Hafen- und Residenzstadt
und durch das Mausoleum Schauplatz eines der beeindruckendsten Bauwerke der Antike.
Das Grabmal des Mausolos prägte die Architekturgeschichte nachhaltig, da sein Name zum allgemeinen Begriff für monumentale Grabbauten wurde.