Collatia – eine frühe Nachbarstadt Roms und Ort der Lucretia Geschichte
Collatia war eine kleine, aber bedeutende Stadt in Latium, nur wenige Kilometer östlich von Rom. Sie erscheint vor allem in der frühen römischen Überlieferung, insbesondere bei Livius, als eine der ersten Städte, die von Rom militärisch unterworfen wurden.
Trotz ihrer geringen Größe spielt Collatia eine wichtige Rolle in der römischen Frühgeschichte, da sie eng mit der Gestalt des Lucius Tarquinius Superbus und mit dem Sturz der Könige verbunden ist.
Lage und Bedeutung
Collatia lag in der Nähe des Flusses Anio, etwa 15 Kilometer von Rom entfernt, im Gebiet der späteren Campagna Romana. Durch diese Lage kontrollierte die Stadt eine wichtige Landverbindung zwischen Rom und dem östlichen Latium.
Strategisch war Collatia für Rom deshalb wichtig, weil sie:
den Zugang ins Binnenland sicherte,
als feindlicher Stützpunkt eine direkte Gefahr darstellte,
und früh in das römische Machtgebiet integriert wurde.
Collatia bei Livius
Bei Livius (Buch 1) erscheint Collatia im Zusammenhang mit den Kriegen des Königs Tarquinius Priscus. Die Stadt wird von den Römern belagert und schließlich zur Aufgabe gezwungen.
Berühmt ist die Szene, in der die führenden Männer Collatias formell die Stadt übergeben. Livius schildert dies als einen feierlichen Rechtsakt, bei dem Rom die vollständige Herrschaft übernimmt (deditio) (vgl. AUC, 1, 38).
Collatia wird damit zu einem frühen Beispiel für römische Eroberungs- und Integrationspolitik.
Verbindung zur Lucretia (Livius, 1, 57-58)
Besonders bekannt ist Collatia durch Lucretia, eine der berühmtesten Frauengestalten der römischen Geschichte.
Lucretia war die Ehefrau des Lucius Tarquinius Collatinus, eines römischen Adligen aus Collatia. Ihre Vergewaltigung durch Sextus Tarquinius, den Sohn des Königs Tarquinius Superbus, löste den politischen Umsturz aus. Der Sturz der Monarchie und die Gründung der Republik (509 v. Chr.) war die Folge.
Damit ist Collatia indirekt mit einem der wichtigsten Wendepunkte der römischen Geschichte verbunden. Lucius Tarquinius Collatinus ist dann zusammen mit Lucius Iunius Brutus einer der ersten beiden Konsuln der römischen Republik geworden. Dieser stammte von Egerius, dem Neffen von Tarquinius Priscus ab, der in Collatia die Garnison befehligt hatte (vgl. AUC, 1, 38).
Politische Rolle nach der Eroberung
Nach der Unterwerfung verliert Collatia schnell ihre Eigenständigkeit und wird Teil des römischen Einflussbereichs. Sie entwickelt sich zu einer unbedeutenden Landstadt, bleibt aber symbolisch wichtig als:
frühes Beispiel römischer Expansion,
Schauplatz der Lucretia-Erzählung,
Beleg für die enge Verflechtung von Mythos und Geschichte.