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Die Stadt Athen und die Gesetze Solons – Das Vorbild der Zwölftafelgesetze Roms
Athen war eine der bedeutendsten Städte der antiken Welt und entwickelte sich vom kleinen Königreich zur führenden Polis Griechenlands. Berühmt wurde die Stadt nicht nur durch ihre kulturellen Leistungen in Philosophie, Kunst und Wissenschaft, sondern vor allem durch die Entstehung der Demokratie.
Einen entscheidenden Anteil daran hatte der Staatsmann Solon, dessen Reformen zu Beginn des 6. Jahrhunderts v. Chr. die sozialen Spannungen Athens entschärften und die Grundlage für die spätere demokratische Verfassung legten.
Auch für die Römer besaß Athen große Bedeutung, denn viele ihrer Staatsmänner, darunter Cicero, bewunderten die griechische Philosophie und Gesetzgebung. Livius erwähnt die Gesetze Solons im Zusammenhang mit der Entstehung der Zwölftafelgesetze, da nach römischer Überlieferung eine Gesandtschaft nach Griechenland entsandt wurde, um sich mit den Gesetzen Solons vertraut zu machen. (Liv., 3,31-32)
Die Anfänge Athens
Die Geschichte Athens reicht bis in die Bronzezeit zurück. Bereits im 2. Jahrtausend v. Chr. bestand auf der Akropolis eine mykenische Burganlage. Nach dem Zusammenbruch der mykenischen Kultur entwickelte sich Athen allmählich zu einer selbstständigen Polis.
Nach der Überlieferung wurde die Stadt von dem sagenhaften König Theseus geeint, der die zahlreichen Siedlungen Attikas zu einem Gemeinwesen zusammenschloss (Synoikismos).
Obwohl diese Erzählung mythischen Charakter besitzt, spiegelt sie vermutlich die politische Einigung Attikas wider.
Die Lage Athens
Athen liegt in der Landschaft Attika im Südosten Griechenlands.
Die Stadt verfügte über mehrere entscheidende Vorteile:
fruchtbare Ebenen
Silberminen von Laurion
Zugang zum Meer
den Hafen von Piräus
Diese günstige Lage machte Athen zu einem bedeutenden Handelszentrum.
Von der Monarchie zur Aristokratie
Wie viele griechische Poleis wurde Athen zunächst von Königen regiert.
Später übernahmen Adelsfamilien (Eupatriden) die Herrschaft.
Die wichtigsten Ämter waren die:
neun Archonten
der Areopag als Adelsrat
Die politische Macht lag nahezu vollständig beim Adel.
Die soziale Krise
Im 7. Jahrhundert v. Chr. geriet Athen in eine schwere Krise.
Viele Kleinbauern verschuldeten sich.
Konnten sie ihre Schulden nicht bezahlen,
verloren sie ihr Land,
wurden Schuldknechte,
oder sogar als Sklaven verkauft.
Die Spannungen zwischen Adel und einfachem Volk nahmen immer weiter zu.
Es drohte ein Bürgerkrieg. (Ebenso wie in Rom aufgrund der Schuldknechtschaft Nexum Liv.2,23-33)
Solon – der Gesetzgeber Athens
Um den Konflikt zu lösen, wurde Solon 594/593 v. Chr. zum Archonten mit außergewöhnlichen Vollmachten gewählt.
Er sollte die Polis neu ordnen.
Solon gehörte selbst zum Adel, galt aber als gemäßigter Politiker.
Sein Ziel war nicht die Demokratie im modernen Sinn, sondern der Ausgleich zwischen Arm und Reich.
Die Reformen Solons
Die Schuldenbefreiung (Seisachtheia)
Die wichtigste Reform war die sogenannte:
Seisachtheia („Abschüttelung der Lasten“)
Sie beinhaltete:
Erlass vieler Schulden,
Abschaffung der Schuldknechtschaft,
Rückführung verkaufter Athener aus der Sklaverei,
Verbot, die eigene Person als Sicherheit für Schulden zu verpfänden.
Diese Reform entschärfte die größte soziale Krise Athens.
Die Einteilung nach Vermögen
Solon schaffte die politische Vorherrschaft des Geburtsadels teilweise ab.
Stattdessen teilte er die Bürger nach ihrem Vermögen in vier Klassen ein:
Pentakosiomedimnoi
Hippeis
Zeugitai
Theten
Je höher das Vermögen,
desto höhere Ämter konnten bekleidet werden,
desto größere militärische Pflichten bestanden.
Damit entstand eine Timokratie, also eine Ordnung, in der politische Rechte vom Vermögen abhingen.
Die Volksversammlung
Solon stärkte die Ekklesia, die Volksversammlung aller Bürger.
Sie erhielt größere Mitspracherechte.
Der Rat der Vierhundert
Außerdem schuf Solon den Rat der Vierhundert (Boule).
Dieser bereitete die Beratungen der Volksversammlung vor.
Spätere Reformen bauten dieses System weiter aus.
Das Volksgericht
Eine weitere wichtige Neuerung war die Stärkung der Volksgerichte.
Jeder Bürger konnte gegen richterliche Entscheidungen Berufung einlegen.
Dadurch wurde die Rechtsprechung gerechter und unabhängiger.
War Solon der Erfinder der Demokratie?
Nicht ganz.
Solon schuf vielmehr die Voraussetzungen.
Die eigentliche Demokratie entstand erst später durch:
Kleisthenes (508/507 v. Chr.)
und wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. unter:
Perikles
weiterentwickelt.
Die Bedeutung der solonischen Gesetze
Solons Gesetze waren für Griechenland von enormer Bedeutung.
Sie
verhinderten einen Bürgerkrieg,
stärkten den Mittelstand,
schufen mehr Rechtssicherheit,
begrenzten die Macht des Adels,
ermöglichten später die Demokratie.
Viele seiner Gesetze blieben über Generationen in Kraft.
Athen im 5. Jahrhundert v. Chr.
Nach den Perserkriegen entwickelte sich Athen zur führenden Macht Griechenlands.
Die Stadt erlebte ihre kulturelle Blütezeit.
In dieser Zeit wirkten unter anderem:
Sokrates
Platon
Aristoteles (später)
Sophokles
Euripides
Athen wurde zum kulturellen Mittelpunkt der griechischen Welt.
Sie verloren jedoch den Peloponnesischen Krieg gegen Sparta 431-404 v. Chr. und damit endete die Phase der Hegemonie des Attischen Seebundes.
Athen und Rom
Auch die Römer bewunderten Athen.
Viele junge Römer gingen dorthin, um:
Philosophie,
Rhetorik,
Recht,
Literatur
zu studieren.
Besonders Marcus Tullius Cicero hielt sich längere Zeit in Athen auf und betrachtete die Stadt als Zentrum griechischer Bildung.
Solon und die Zwölftafelgesetze
Nach römischer Überlieferung entsandte Rom vor der Abfassung der Zwölftafelgesetze eine Gesandtschaft nach Griechenland.
Diese sollte die Gesetze Solons studieren.
Ob dies historisch tatsächlich geschah, ist in der modernen Forschung umstritten. Wahrscheinlich kannten die Römer griechisches Recht über die griechischen Städte Süditaliens ebenso gut oder sogar besser.
Dennoch zeigt die Überlieferung, welch hohes Ansehen Solons Gesetzgebung genoss.
Livius-Stellen
Livius berichtet über die Entsendung dieser Gesandtschaft nach Athen:
Beschluss, Gesandte nach Griechenland zu schicken, um sich über berühmte Gesetze – insbesondere die Solons – zu informieren.
Rückkehr der Gesandtschaft und Vorbereitung der Gesetzgebung.
Einsetzung der Decemvirn und Beginn der Abfassung der Zwölftafelgesetze.
Die historische Bedeutung Solons
Obwohl Solon selbst keine Demokratie schuf, zählt er zu den bedeutendsten Gesetzgebern der Antike.
Seine Reformen
schufen sozialen Ausgleich,
stärkten den Rechtsstaat,
begrenzten die Macht der Aristokratie,
legten den Grundstein für die spätere attische Demokratie.
Sein Einfluss reichte weit über Griechenland hinaus und wurde auch von den Römern als vorbildlich angesehen.