Die Familie der Iunier (gens Iunia)
Die Iunier (gens Iunia) waren eine bedeutende römische Familie, die ihren Ruhm auf einen der zentralen Gründungsmythen der Republik zurückführte: auf Lucius Iunius Brutus, den (angeblichen) Mitbegründer der römischen Republik im Jahr 509 v. Chr.
Die gens Iunia gehörte zu den älteren römischen Geschlechtern und spielte über Jahrhunderte hinweg eine wichtige Rolle im politischen Leben Roms.
Der Ursprung: Lucius Iunius Brutus
Nach der römischen Überlieferung war Lucius Iunius Brutus der führende Kopf beim Sturz des letzten Königs, Lucius Tarquinius Superbus.
Nach der Vergewaltigung der Lucretia schwor Brutus, die Königsherrschaft abzuschaffen, und wurde 509 v. Chr. einer der ersten Konsuln der Republik. (Lucretia Episode, Livius, AUC, 1, 57-58)
Besonders eindrucksvoll – und oft von Historikern hervorgehoben – ist die Szene, in der Brutus seine eigenen Söhne hinrichten ließ, weil sie an einer Verschwörung zur Wiedereinsetzung der Tarquinier beteiligt waren. Damit wurde er zum Symbol republikanischer Strenge und Pflicht gegenüber dem Staat. (Livius, AUC, 2, 5)
Die Iunier konnten sich dadurch als Hüter der libertas (Freiheit von der Königsherrschaft) inszenieren.
Patrizier oder Plebejer?
Die frühe Geschichte der gens Iunia ist nicht völlig eindeutig. Spätere Iunier erscheinen überwiegend als plebejische Familie, erreichten jedoch hohe Ämter. Es könnte sein, dass dieses plebejische Geschlecht sich nur auf das patrizische Geschlecht der Iunier berief, um ihren eigenen Stand aufzuwerten und Legitimität zu bekommen.
Im Laufe der Republik stellten sie mehrere:
Konsuln
Prätoren
Militärbefehlshaber
Damit gehörten sie langfristig zur römischen Führungsschicht.
Bedeutende Vertreter der Iunier
1. Lucius Iunius Brutus (Republikgründer)
→ Symbolfigur des Widerstands gegen Tyrannei.
2. Decimus Iunius Brutus Callaicus
Ein erfolgreicher Feldherr des 2. Jahrhunderts v. Chr., der in Spanien kämpfte und für seine Siege einen Triumph erhielt.
3. Decimus Iunius Brutus Albinus
Einer der Verschwörer gegen Gaius Iulius Caesar im Jahr 44 v. Chr.
Er war zunächst enger Vertrauter Caesars, schloss sich jedoch später den Attentätern an. Er kämpfte sogar im Bürgerkrieg auf Cäsars Seite, was diesen Verrat umso schwerwiegender machte.
4. Marcus Iunius Brutus
Marcus Iunius Brutus ist der berühmteste spätere Vertreter der Familie.
Er war einer der Hauptverschwörer beim Mord an Caesar. Seine Tat wurde ausdrücklich mit dem republikanischen Erbe seines angeblichen Vorfahren Lucius Iunius Brutus begründet. In der politischen Propaganda wurde er als „zweiter Befreier Roms“ dargestellt.
Damit schloss sich symbolisch der Kreis: Ein Iunier kämpfte gegen die Königsherrschaft und Jahrhunderte später wieder gegen eine als tyrannisch empfundene Alleinherrschaft. Die Verschwörer vergassen jedoch, wie beliebt Cäsar beim einfachen Volk und beim Militär war und dass er ebenso kein Tyrann gewesen ist, daher scheiterte ihr Versuch diesen Mord als Tyrannenmord zu inszenieren.
Politische Symbolkraft der Familie
Die gens Iunia war weniger durch dauerhafte Macht als durch ideologische Bedeutung geprägt:
Verbindung mit der Gründung der Republik
Symbol für Widerstand gegen Tyrannei
Berufung auf mos maiorum (Tradition der Vorfahren)
Gerade in Krisenzeiten wurde auf diese Tradition zurückgegriffen.