Die Camenen - Wesen und Ursprung
Die Camenen (Camenae) sind altitalische Quell- und Inspirationsgöttinnen. Sie galten als göttliche Mächte der Dichtung, Weissagung und des Gesangs und wurden später mit den griechischen Musen gleichgesetzt. Ursprünglich waren sie eng mit Quellen, Heiligtümern und mündlicher Überlieferung verbunden.
Die Camenen bei Numa
Nach der Überlieferung bei Titus Livius weihte König Numa Pompilius den Camenen einen heiligen Ort. Numa galt als besonders frommer Herrscher, der in direktem Austausch mit göttlichen Mächten stand. Die Verbindung zu den Camenen unterstreicht seine Rolle als Gesetzgeber und Ordner des religiösen Lebens (vgl. AUC, 1, 21).
Kultstätte
Das Heiligtum der Camenen befand sich an einer Quelle außerhalb der Porta Capena in Rom. Dieser Ort war sowohl religiös als auch kulturell bedeutend, da hier Inspiration, Weissagung und rituelle Reinheit miteinander verbunden wurden.
Bedeutung für Dichtung und Überlieferung
Die Camenen galten als Schutzgöttinnen der frühen römischen Dichtung und Geschichtserzählung. Der Begriff carmen („Lied“, „Zauberspruch“, „Gedicht“) leitet sich von ihrem Namen ab und verweist auf ihre enge Verbindung zu Sprache und Ritual.
Stellung im römischen Kult
Mit der zunehmenden Orientierung an der griechischen Kultur wurden die Camenen später mit den Musen identifiziert. Dennoch blieben sie im römischen Bewusstsein als ursprünglich einheimische Gottheiten verankert und galten als Teil der ältesten religiösen Traditionen Roms.