Volcanus (Vulcanus) – der römische Gott des Feuers und der Schmiedekunst
Volcanus (auch Vulcanus) war der römische Gott des Feuers, der Schmiedekunst und der zerstörerischen Naturkräfte. In der römischen Religion verkörperte er vor allem das gefährliche, unkontrollierbare Feuer, das sowohl nützen als auch vernichten konnte.
Besonders wichtig war sein Kult in Rom, da Feuer für die antike Stadt eine ständige Bedrohung darstellte. Brände konnten ganze Viertel des dichtbebauten Rom zerstören.
Volcanus bei Livius
Bei Livius (Buch 1) wird berichtet, dass Tarquinius Priscus dem Volcanus nach dem Sieg über die Sabiner einen Tempel geweiht hat. Solche Tempelstiftungen waren typisch: Der Erfolg im Krieg wurde einem Gott zugeschrieben, der dafür kultisch geehrt wurde. Der Volcanus-Tempel gehörte zu den frühen staatlichen Heiligtümern Roms und zeigt, wie stark Religion und Politik miteinander verbunden waren (vgl. AUC, 1, 37).
Funktionen und Bedeutung
Volcanus hatte eine doppelte Rolle:
Zerstörerisches Feuer
Er beherrschte Brände, Vulkanausbrüche und Hitze, alles Kräfte, die Menschen zur damaligen Zeit kaum oder gar nicht kontrollieren konnten.
Nützliches Feuer
Gleichzeitig war er der Gott der Schmiede, Handwerker und Metallverarbeitung. Waffen, Werkzeuge und Rüstungen standen unter seinem Schutz.
Diese Ambivalenz ist typisch für viele römische Götter: Sie verkörpern keine „moralischen“ Eigenschaften, sondern Naturkräfte.
Kult und Verehrung
Der wichtigste Feiertag war die Volcanalia am 23. August, mitten im Hochsommer, wenn die Brandgefahr am größten war. An diesem Tag wurden dem Gott Opfer dargebracht, oft auch lebende Tiere oder symbolisch wertlose Gegenstände, um größere Schäden abzuwenden.
Der Hauptkultort war das Volcanal am Forum Romanum, eines der ältesten Heiligtümer Roms. Es lag direkt am umbilicus urbis, dem "Nabel der Stadt", welcher als Mittelpunkt Roms und des Römischen Reiches galt. Diesen kann man auch heute noch in Rom besichtigen.
Griechisches Pendant im Götterpantheon: Hephaistos
Das griechische Gegenstück zu Volcanus ist Hephaistos, der Gott der Schmiede.
In der griechischen Mythologie ist Hephaistos eine stark ausgearbeitete Figur (lahmer Gott, Ehemann der Aphrodite, Schmied der Götter).
Der römische Volcanus ist dagegen:
weniger mythologisch ausgeschmückt,
stärker kultisch und funktional gedacht,
mehr Naturmacht als Persönlichkeit.
Etymologie und Name
Der Name Volcanus hängt wahrscheinlich mit einem alten indogermanischen Wort für glühende Hitze oder Feuer zusammen. Daher stammt auch das moderne Wort „Vulkan“.
Schon die Römer verbanden Volcanus mit feuerspeienden Bergen und unterirdischer Hitze, obwohl ebenso Poseidon mit den Kyklopen in Verbingung steht, denen nachgesagt wird, dass sie in Vulkanen leben und die Vulkanhitze als Schmiedefeuer benutzen. Poseidon soll der Sage nach der Vater aller Kyklopen sein. Polyphem aus der Odysee ist beispielsweise ein Sohn des Poseidon.