Das römische Heeressystem – Aufbau, Struktur und Entwicklung über die Jahrhunderte
Das römische Heer (exercitus Romanus) war über Jahrhunderte eines der effektivsten Militärsysteme der Antike. Seine besondere Stärke lag nicht nur in Disziplin, sondern vor allem in der ständigen Weiterentwicklung der Heeresstruktur. Je nach Epoche änderte sich Organisation, Taktik und Rekrutierung deutlich. (!)
1. Das Heer in der Königszeit (ca. 8.–6. Jh. v. Chr.)
In der frühesten Phase bestand das römische Heer aus einer Bürgerwehr
Jeder waffenfähige Bürger war Soldat.
Gliederung nach Kurien und später Zenturien.
Bewaffnung: Speer, Rundschild, einfache Rüstung.
Taktisch orientierte man sich an der griechischen Phalanx: dicht geschlossene Kampfformation mit schweren Fußsoldaten. Man kann sich den römischen Soldaten in dieser Zeit genau wie einen griechischen Hopliten aus Athen oder Theben vorstellen. Die Kampftaktik und die Ausrüstung waren fast identisch.
Das Heer war noch:
unprofessionell
saisonal (nur im Sommer)
stark an soziale Schichten gebunden
2. Frühe Republik – das Manipularsystem
Hier entsteht das klassische System, das bei Livius ständig vorkommt: Das Manipularsystem/ Manipelsystem
Ein Manipel ist:
eine taktische Einheit von ca. 120 Mann.
(bei den leichten Truppen weniger)
ca. 30 Manipel bildeten eine Legion, variiert je nach Situation und Lage.
Aufbau der Legion im Manipularsystem
Die Legion bestand aus drei Linien:
1. Hastati (erste Linie)
junge, unerfahrene Soldaten
leichte Rüstung
2. Principes (zweite Linie)
erfahrenere Kämpfer
bessere Ausrüstung
3. Triarii (dritte Linie)
Veteranen
letzte Reserve
Dazu kamen die Velites (leichte Plänkler).
Taktische Revolution
Statt einer starren Phalanx kämpften die Römer jetzt in beweglichen Blöcken (Manipeln)
Vorteile:
hohe Flexibilität
besser im hügeligen Gelände Italiens
einzelne Einheiten konnten unabhängig agieren
Das ist der große militärische Durchbruch Roms. Dieses System erlaubte es den römischen Soldaten die erschöpften Soldaten an der Front oft auszutauschen und so immer frische Kräfte kämpfen zu lassen. Gleichzeitig könnten Manipel komplett unabhängig voneinander agieren und mussten nicht eine starre Formation halten so wie beispielsweise eine Phalanx.
3. Späte Republik – das Kohortensystem (das bekannte und klassische System)
Ab dem 2. Jh. v. Chr. (v. a. mit Marius/ marianische Reformen):
Der Manipel wird ersetzt durch die Kohorte.
Die Kohorte
ca. 480 Mann (6 mal 8 Centurien, eine Centurie besteht aus 10 Zeltgemeinschaften von je 8 Mann, also 80 Mann)
besteht aus mehreren früheren Manipeln
wird neue taktische Grundeinheit
Eine Legion besteht aus:
10 Kohorten
ca. 4.800–6.000 Mann
die Zahl kann stark variieren, da Hilfstruppen einer Legion noch hinzugefügt werden und einzelnen Vexillationen (temporäre abgesplitterte Untereinheit für besondere Aufgaben) von Legionen anderen Diensten nachgehen könnten, sodass die Legion nicht die volle Mannesstärke erreicht. Vor allem Kavallerie und Fernkämpfer wurden hauptsächlich von den Hilfstruppen gestellt. Wenn also von einer Legion die Rede ist, heißt es nicht, dass tatsächlich 5000 Mann dort gekämpft haben.
Das Berufsheer
Unter Marius:
Soldaten sind keine Bauern mehr, sondern Berufssoldaten.
Staat zahlt Ausrüstung.
Dienstzeit oft 16–20 Jahre.
Das Heer wird extrem schlagkräftig, aber ebenso politisch gefährlich.
(weil Soldaten loyal zu ihren Feldherren werden, nicht mehr zum Staat)
4. Kaiserzeit – das stehende Weltreichsheer
In der Kaiserzeit:
fest stationierte Legionen an den Grenzen
klare Rangordnung
standardisierte Ausrüstung
feste Lager (castra)
Das Heer ist jetzt ein permanenter Staatsapparat und Garant für die Vorherrschaft Roms.
Was bedeutet „Manipel“ konkret bei Livius?
Wenn Livius von einer Manipel schreibt:
dann meint er:
eine taktische Untereinheit
ca. 120 Soldaten
Teil der republikanischen Legion