Die 30 römischen Kurien zur Zeit des Romulus
Nach der Überlieferung des Historikers Titus Livius geht die Einteilung des römischen Volkes in 30 Kurien (curiae) auf den Stadtgründer Romulus zurück. Diese Kurien stellten eine der frühesten politischen und religiösen Organisationsformen des jungen Rom dar und spielten insbesondere in der Königszeit eine zentrale Rolle.
Romulus gliederte das römische Volk zunächst in drei Tribus – die Ramnenser (nach Romulus), Titienser (nach Titus Tatius, dem Anführer der Sabiner) und Luceres (Namnesherkunft nicht bekannt, Livius AUC I,13). Jede dieser Tribus wurde wiederum in zehn Kurien unterteilt, sodass sich insgesamt 30 Kurien ergaben. Diese Einteilung diente der Ordnung des Gemeinwesens und verband politische, militärische und religiöse Funktionen miteinander.
Jede Kurie setzte sich aus mehreren Familien (gentes) zusammen und besaß eigene religiöse Aufgaben. An ihrer Spitze stand ein Curio, der für kultische Handlungen verantwortlich war und einer Kurie vorstand. Die Kurien bildeten gemeinsam die Comitia Curiata, eine der ältesten Volksversammlungen Roms. In ihr wurden unter anderem Könige bestätigt, wichtige Rechtsakte vollzogen und religiöse Beschlüsse gefasst.
Namensherkunft der Kurien
Besonders bedeutsam ist nach Livius auch die Namensgebung der Kurien. Diese erhielten ihre Namen nach den sabinischen Frauen, die infolge des berühmten Raubes der Sabinerinnen nach Rom gekommen waren. Durch diese Benennung wollte Romulus die neu aufgenommenen Sabiner symbolisch in die politische Ordnung der Stadt integrieren und den Zusammenschluss beider Bevölkerungsgruppen festigen. Cures war nämlich der Name der Stadt der Sabiner. Trotzdem wurden die Sabiner von Romulus integriert und nicht die Römer von den Sabinern, auch wenn es zu Beginn eine Herrschaft zweier Könige war Romulus und Titus Tatius. (AUC I,13)
Bedeutung und Funktion der Kurien
Die Kurien hatten in der Frühzeit Roms große Bedeutung. Mit dem Übergang zur Republik und der Entstehung neuer Volksversammlungen und Gremien verloren sie jedoch zunehmend an politischem Einfluss. Ihre religiöse und symbolische Funktion blieb jedoch noch lange erhalten und erinnerte an die frühesten Ordnungsstrukturen des römischen Staates.
Livius stellt die Einteilung in Kurien als Teil der umfassenden ordnenden Tätigkeit des Romulus dar. Sie verdeutlicht, wie eng im frühen Rom Mythos, Politik und Religion miteinander verbunden waren und wie die römische Gesellschaft von Anfang an auf festen, gemeinschaftsstiftenden Prinzipien beruhte. Die Integrierung eines Feindes in die eigene Gesellschaft ist auch ein Alleinstellungsmerkmal Roms und weist proleptisch auf Roms zukünftige Praxis hin.